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Viele Stimmen für junge Flüchtlinge

Musikprojekt „Contakt“ Viele Stimmen für junge Flüchtlinge

Geschulte Sänger waren gekommen, aber auch Bürger, die sonst nur unter der Dusche singen, und alle hatten ein Ziel: Ihre Stimme zu erheben für das Musikprojekt „ConTakt“ von jungen Flüchtlingen in Kiel. Am Ende setzten 150 Menschen auf dem Ex-MFG-5-Gelände mit ihrer Teilnahme ein Zeichen für Humanität und Frieden.

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Claudius Carstens, Initiator und Projektleiter, motivierte die zusammengewürfelte Sängerschar so lange, bis er mit dem Refrain zufrieden war. „Es geht hier nicht um Perfektionismus, sondern um das Signal: Zusammen erreichen wir etwas.“

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Amin ist der Applaus all der Leute in der Sporthalle sichtlich unangenehm. Der zwölfjährige Syrer hat einen von drei Texten geschrieben, die später in dem Musikvideo zu hören sein werden. „Seid an meiner Seite“, heißt es in Amins Text, „wir werden eine starke Generation sein. Wir müssen eins sein und uns an den Händen halten und einen großen Kreis bilden.“ Außerdem gibt es zwei weitere Texte – eine bissige Hymne des Kieler Rappers Philipp Einfeldt auf Mitmenschlichkeit und die Erzählung von Mostafa über ein afghanisches Kind, das auf der Flucht erkrankt und verstorben ist. Diese drei Texte werden von den jungen Flüchtlingen gerappt, eingerahmt von jenem Refrain, der an diesem Nikolaus-Sonntag aufgenommen werden soll.

Doch bevor es soweit ist, geht man aufeinander zu. Wie der 16-jährige Danyar aus Syrien. Er spielt Gitarre und hat die Melodie für den Refrain geschrieben. „Musik ist mein Leben. Sie hilft mir hier in der neuen Welt“, sagt der junge Kurde auf Englisch zu Giesela Jacob. Die Kielerin kann das gut nachempfinden. Sie ist selbst begeisterte Chorsängerin, singt auch mit 75 Jahren noch die 1. Sopranstimme, hat sogar zweimal beim Schleswig-Holstein Musikfestival mitgesungen und sich diesem stürmischen Tag extra aufgemacht, um das Musikprojekt der Flüchtlinge zu unterstützen. Damit ist sie nicht allein. Auch eine Gruppe vom Kieler Trio Chor ist zur stimmlichen Unterstützung gekommen, aber auch Menschen, die „einfach der Sache wegen“ dabei sind wie die 16-jährigen Schülerinnen Kim Alina Kläve und Lucia Töppner. „Wir wollen den Flüchtlingen auch etwas Mut machen. Zeigen, dass sie uns nicht gleichgültig sind“, erklärt die Studentin Denise Loop die Motivation der drei.

Dann bittet der Initiator, der Kieler Musiker Claudius Carstens, um Ruhe. Erklärt kurz das Projekt – und dass der Text des Refrain ein einfaches „Lala“ ist, was bei einigen Mitsängern hörbar Erleichterung auslöst. Carstens spielt den Refrain vor, dann wird immer wieder geprobt. „Wir recorden so lange bis es kräftig genug ist, also gebt Schmackes!“, ruft er irgendwann. Das hilft. Kurz danach ist Carstens zufrieden, es gibt donnernden Applaus und vor allem den jungen Flüchtlingen ist die Zufriedenheit anzusehen. Immer wieder summen sie bei dem anschließenden Zusammensein bei Keksen und Kakao ihre Melodie.

Das komplette Musikvideo wird noch öffentlich präsentiert. Datum und Ort werden in Kürze bekannt gegeben.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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