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Der neue Einstieg in die Musik

Musikschule Kiel Der neue Einstieg in die Musik

In Zeiten von Demografie-Wandel, Ganztagsschulen und G8-Gymnasien haben es Musikschulen schwer. Auch in Kiel konnte die kommunale Musikschule über viele Jahre immer weniger Kinder und Jugendliche für ihren Unterricht gewinnen. Doch es geht längst wieder bergauf.

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Mathis Knospe (19) absolviert an der Musikschule Kiel ein Freiwilliges Soziales Jahr. Rainer Engelmann (im Spiegel) hat ihn und seine Schule im Blick.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Seit drei Jahren steigen die Teilnehmerzahlen – um 300 Schüler von 1624 in 2013 auf 1934 in 2015“, bilanziert Rainer Engelmann. Seit genau diesem Zeitraum leitet er die Musikschule Kiel. „Die Landeshauptstadt ist mit der Entwicklung ausgesprochen zufrieden. Rainer Engelmann hat mit seinen Ideen viele neue Perspektiven eröffnet“, lobt Kulturdezernent Wolfgang Röttgers. Der Schulleiter bleibt aber rastlos und stellte am Donnerstag weitere Veränderungen vor – und zugleich das neue Programmheft.

 „Die Schüler haben weniger Zeit für Freizeitaktivitäten als früher“, beschreibt Engelmann die Misere. Außerdem fehle den Jugendlichen die Motivation, gezielt und über längeren Zeitraum ein sich selbst gesetztes Ziel zu verfolgen: „Die Welt ist kurzlebig, alle sind im Durchgangskonsummodus, wollen schnell zu etwas kommen, doch das funktioniert nicht beim Erlernen eines Instrumentes. Da schmeißen viele schneller das Handtuch.“ Dennoch hat sich die Musikschule einen neuen Kreis von Schülern erschließen können, indem sie auf Kooperationen mit anderen Einrichtungen setzt „Wir arbeiten mit elf allgemeinbildenden Schulen und drei Kitas zusammen.“ Angeboten werde dort vor allem Klassen- und Gruppenunterricht in Orchestern, Chören und Ensembles. „Durch diese Kooperationen haben wir viele neue Schüler. Dieses schnelle Wachstum lässt sich leider nicht so fortsetzen, wir hoffen aber, auf diesem Wege neue Kontakte zu knüpfen und Schüler für Instrumente zu begeistern, die sonst nicht die Möglichkeit dazu gehabt hätten.“ Engelmann erwartet, den Einzelinstrumentalunterricht, der in der Vergangenheit am stärksten rückläufig war, wieder beleben zu können.

 Neben der Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs bezieht das neue Konzept auch die Älteren ein. So gibt es eine Kooperation mit einem Pflegeheim und dem Amtsgericht. Letzteres „ist wohl etwas ungewöhnlich“, urteilt Engelmann. „Aber der Betriebschor dient auch der Gesunderhaltung, macht fröhlich und stärkt die Konzentration.“ Dieses Beispiel zeigt, welche Idee sich hinter dem Motto des neuen Musikschulprogramms „Musik für alle“ verbirgt. Es beinhaltet Angebote für alle Alters- und Interessengruppen – sogar mit einem Musikgarten schon für Anderthalbjährige bis hin zu Kursen für die Zielgruppe „50/60/70plus“. Zwar ist der Anteil der Senioren seit 2003 um zwei Prozent gestiegen, liegt aber immer noch bei nur 4,7 Prozent. Daher ist es auch nur konsequent, dass das Musikschuljahr nicht mehr mit dem Kalenderjahr startet, sondern mit dem Beginn des Schuljahrs.

 Weil die Musikschule Kiel seit zehn Jahren eine städtische Einrichtung ist, die seither übrigens ihren Hauptsitz in der ehemaligen Margarinefabrik am Schwedendamm hat, ist sie in der Lage, finanzschwachen Familien eine neue Ermäßigung bis zu 25 Prozent anzubieten.

 Auch für das Problem des illegalen Notenkopierens gibt es jetzt eine Lösung: „Wir haben einen Lizenzvertrag mit der Gema geschlossen“, so Engelmann, „sodass wir jedem Teilnehmer das Notenmaterial stellen können“. Kostenpunkt: ein Euro pro Monat.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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