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Die Details stecken im Rahmen

Muthesius-Kunsthochschule Die Details stecken im Rahmen

Was brauchen aktive Senioren, um auch im Alter mobil zu bleiben? Und welchen Einfluss haben Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe umgekehrt auf ein gesundes Altern? Im Rahmen eines deutsch-dänischen Strukturentwicklungs-Projekts hat sich ein dreiköpfiges Team des Fachbereichs Industriedesign Medical Design an der Muthesius-Kunsthochschule mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

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Die Industriedesigner Detlef Rhein (links) und Elliot Silva sowie Soziologin Jutta Hansen haben erst gut zugehört und dann ein Fahrrad für ältere Menschen entwickelt, das Mobilität und Teilhabe ermöglichen soll.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Die Antwort darauf ist so einfach wie verblüffend: Fahrradfahren bedeutet für viele ältere Menschen Freiheit und Gesundheit. Aber sicher und stabil muss es sein. Wie das technisch und gestalterisch funktionieren kann, haben die Wissenschaftler um Professor Detlef Rhein erarbeitet.

 Noch ist es nur ein Modell, ein Prototyp für seniorengerechtes Fahrradfahren. Mit den „Schlüsselprinzipien“ Entschleunigung, Stabilität, Sicherheit und Sichtbarkeit haben sich die Industriedesigner Detlef Rhein und Elliot Silva sowie die Soziologin Jutta Hansen an die Konzeption des perfekten Seniorenfahrrads herangetastet. „Uns wurde schnell klar, dass wir das Thema nicht nur aus dem Design heraus definieren können“, erläutert Detlef Rhein die Anfangsphase. „Wir brauchten neue Erkenntnisse über Mobilität in einer alternden Gesellschaft.“ Und die konnten die Menschen liefern, die sich am besten damit auskennen: ältere Menschen, die gerne aktiv bleiben möchten. Das Projektteam bildete drei sogenannte Fokusgruppen, in denen Senioren berichteten, was ihnen das Radfahren bedeutet und welche Schwierigkeiten sie dabei haben. Laut Jutta Hansen, wurde dabei besonders deutlich, dass Sicherheit nicht bedeutet, „die Menschen in Watte zu packen“. „Sie wollen ein aktiver Teil der Gesellschaft sein und ihr Leben gestalten.“

 Dabei kann das Fahrrad gute Dienste leisten, besonders wenn man nicht mehr gut zu Fuß ist. Aber es gibt eben auch Knackpunkte, denn im Alter nehmen sowohl körperliche, als auch kognitive Fähigkeiten ab. „Die zentrale Aussage war: Ich kann nicht mehr schnell genug reagieren.“ Zu den kritischen Situationen gehörten das Einsteigen und Anfahren, das Bremsen, Überholen und Abbiegen, aber auch der Transport von Gepäck, das Abstellen und Abschließen. „Die Frage war für uns, wie wir diese Erkenntnisse in kluger und sinnvoller Weise umsetzen“, sagt Elliot Silva, der ebenso wie Jutta Hansen eigens für das Projekt eingestellt worden ist. Für Detlef Rhein geht das Thema sogar weit über Gestaltung und Technik hinaus. „Wir müssen es im Kontext des öffentlichen Raums interpretieren.“ Ein seniorengerechtes Fahrrad allein reiche nicht, um den Anforderungen an Mobilität im Alter zu genügen. Auch die Wohnumwelt sowie die Fahrrad-Infrastruktur in den Stadtteilen müssten geeignete Rahmenbedingungen bieten.

 Bei der Entwicklung des Fahrrads haben die Wissenschaftler darauf geachtet, die möglichen Risiken für Senioren zu minimieren, ohne den optischen Eindruck eines Hilfsmittels zu erwecken. Ein niedriger Einstieg und Antriebsunterstützung gehören ebenso dazu wie Signal- und Navigationssystem. Zwei Stützräder sind in den Transportboxen „versteckt“ und können bei Bedarf ein- oder ausgefahren werden. Die Trennung des Rahmens in eine Transport- und Stabilitätseinheit und das Vorderrad erhöht die Stabilität und erlaubt trotzdem die Neigung in der Kurve. Das Blinken beim Abbiegen macht ein Loslassen des Lenkers überflüssig. „Die gesamte Technik ist im Rahmen integriert, das ist keine Zauberei“, betont Detlef Rhein. Noch tüftelt sein Team an Verbesserungen, Anfang September soll das Fahrrad dann zunächst in der Ausstellung „Playing Future“ in der Kunsthalle vorgestellt werden. Sollte es zur Marktreife kommen, schwebt Detlef Rhein ein kommunales Verleihsystem vor, ähnlich wie beim Carsharing. „Die Nutzung soll offen sein für alle – nicht nur für ältere Menschen.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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