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Mysteriöser Einbruch in die Ansgarkirche

Holtenauer Straße Mysteriöser Einbruch in die Ansgarkirche

Entsetzen in der Heiligengeist-Gemeinde: Dreiste Diebe brachen in der Nacht zum Dienstag durch ein Seitenfenster in die Ansgarkirche in Kiel ein, hebelten dann mit massiver Gewalt ein Panzerglasfenster in einer Kirchenwandnische auf und stahlen historische Kelche, Taufgeschirr und Teller.

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Fassungslos steht Pastor Matthias Viertel am Taufbecken der Ansgarkirche, dessen Silberschale ebenfalls Beute der dreisten Diebe wurde.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Zusätzlich erbeuteten die Einbrecher aus dem Kircheninneren noch weitere Sakralgegenstände aus Silber, darunter eine Taufschale und sechs Kerzenleuchter.  „Der rein materielle Schaden zwischen 5000 und 10000 Euro ist gar nicht mal nicht das Schlimmste an diesem Einbruch“, erklärt Gemeindepastor Matthias Viertel: „Es ist diese ungeheuerliche Respektlosigkeit gegenüber einem geweihten Ort wie dieser Kirche, die uns so betroffen macht.“

 Zudem geben einige Umstände des Einbruchs Rätsel auf. So berichtet die Küsterin der Ansgarkirche, Gertrud Liebmann-Hensen, von einem mysteriösen Kirchenbesuch eines Paares am vergangenen Donnerstag um etwa 10 Uhr morgens. So bemerkte die Küsterin, dass sowohl der Mann als auch die Frau im Alter von etwa Mitte 40 unter ihren Pullovern jeweils eine Pistole in Halftern an den Hüften stecken hatten.

 Auf Nachfrage der Küsterin habe das Paar erklärt, sie seien zivile Ermittler. Anlass ihres Besuchs seien Beobachtungen eines offenen Bücherschranks im Kirchenvorraum, der vermutlich als „stiller Briefkasten“ beim Drogenhandel diene. Weil der Küsterin das alles reichlich merkwürdig vorkam, informierte sie gegen den ausdrücklichen Willen des Paares die Gemeindepastorin Sigrun König.

 Beide Frauen in Diensten der Gemeinde ließen sich von dem geheimnisvollen Paar zwar einen grünen Dienstausweis zeigen. „Den hielten sie aber nur so kurz hoch, dass wir ihn nicht identifizieren konnten“, erinnert sich die Pastorin. Zwei Stunden – bis gegen zwölf Uhr – blieben die angeblichen Ermittler in der Kirche, machten sich Notizen in ihre blauen Bücher und fotografierten den Innenraum der Kirche.

 Ob dieser merkwürdige Besuch in Zusammenhang mit dem Einbruch steht, bleibt unklar. „Nach unseren Erkenntnissen hat die Kieler Kripo an dem besagten Donnerstag der vergangenen Woche keinen Einsatz von Ermittlern in Zivil in der Ansgarkirche verzeichnet, auch nicht die Ermittlungsgruppe Rauschgift“, erklärt der Sprecher der Kieler Polizeiinspektion, Matthias Arends, auf Nachfrage. Allerdings habe er noch nicht alle für einen solchen Einsatz in Frage kommenden Dienststellen befragen können.

 Zwar gebe es nach Einschätzung des Sprechers Indizien wie grüner Dienstausweis, blaue Notizbücher und Pistolen im Halfter, die für einen tatsächlichen Diensteinsatz von Beamten und gegen kriminelle Kundschafter sprechen könnten. Trotzdem kommt Arends der Kirchenbesuch des Paares „ziemlich seltsam“ vor. Zumal ihm die Kripo-Kollegen bestätigt hätten, von Observationen „stiller Briefkästen“ in Kirchen in Zusammenhang mit Drogendelikten „noch nie gehört“ zu haben.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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