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Nabu: Dicke Luft durch Kreuzfahrtschiffe

Hafen Kiel Nabu: Dicke Luft durch Kreuzfahrtschiffe

Die Luft im Kieler Hafen ist stärker durch Kreuzfahrschiffe belastet als erwartet. Das ergaben Schadstoff-Messungen des Nabu. Die Umweltschützer fordern Konsequenzen.

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Durch die Umrüstung auf schwefelarmen Diesel und die Nutzung von Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren können laut Nabu weit über 90 Prozent der Schadstoffemissionen vermieden werden.

Quelle: NABU/Hapke

Kiel. Die Windverhältnisse waren ungünstig, als Dr. Axel Friedrich die Messungen an den Fähr- und Kreuzfahrtterminals vornahm. Der Wind wechselte ständig und sorgte damit für eine schnelle Verteilung der Luftschadstoffe. Trotz dieser widrigen Bedingungen war die Konzentration an ultrafeinen Partikeln in der Atemluft überraschend hoch: Die Werte lagen teilweise bis zu 20-fach über dem ortsüblichen Niveau, der sogenannten Hintergrundbelastung. Für Friedrich stand fest: Diese Belastung mit spezifischen Luftschadstoffen ist durch minderwertigem Kraftstoff und mangelnde Abgastechnik an Bord der Schiffe verursacht.

Angesichts der wachsenden Zahl von Kreuzfahrtanläufen im Kieler Hafen warnte der Nabu nun davor, dass sich die Situation weiter verschlechtere. „Die boomende Kreuzfahrtindustrie sowie der ohnehin vorhandene Fährverkehr bescheren dieser Stadt ein zunehmendes Abgasproblem“, sagt Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein, nach den Messungen. „Aus unserer Sicht stehen die Reeder klar in der Pflicht, alles zu unternehmen, um die Abgasbelastung für Anwohner und Touristen zu reduzieren.“ Eine Möglichkeit: Der Seehafen Kiel selbst könne umweltfreundliche Schiffe gegenüber solchen mit vergleichsweise hohen Emissionen bevorzugen. So würden Anreize für die Reeder geschaffen, in moderne Abgastechnik sowie alternative Kraftstoffe und Antriebe zu investieren.

Friedrich kritisierte besonders, dass die großen Motoren der Schiffe auch während der Liegezeit im Hafen weiterlaufen würden: „Sie wirken dann wie kleine Kraftwerke, die ungefiltert große Mengen an Luftschadstoffen über der Stadt verteilen. Mit dem Unterschied, dass man dieses Verhalten keinem Kraftwerksbetreiber durchgehen lassen würde.“ Friedrich fordert deshalb strengere Regeln für die schwimmenden Hotels. Notwendig seien die Umrüstung auf schwefelarmen Diesel und die Nutzung von Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren. Damit, versicherte Friedrich, könnten weit über 90 Prozent der Schadstoffemissionen vermieden und die Gesundheit der Bevölkerung besser geschützt werden.

Der Nabu hat mit Untersuchungen der Luftqualität bereits in mehreren deutschen Hafenstädten wie Hamburg und Warnemünde die extrem hohe Belastung der Atemluft durch Schiffsabgase belegt, an deren Folgen jedes Jahr bis zu 50000 Menschen allein in Europa vorzeitig sterben würden. Vor allem Dieselruß und Stickoxide verursachen Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, der Atemwege, aber auch Krebs. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Dieselruß mittlerweile als ebenso krebserregend eingestuft wie Asbest. Und kürzlich konnten Wissenschaftler der Universität Rostock und des Virtuellen Helmholtz Institutes HICE erstmals die Auswirkungen von Schiffsabgasen auf menschliche Lungenzellen nachweisen. Die Studie bestätigte die Gefahr gravierender Gesundheitsschäden und nannte Partikelfilter für Schiffsmotoren in Kombination mit schwefelarmen Kraftstoffen als Lösung.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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