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Sophienhof: Einkaufen unter Polizeischutz

Nach Belästigung Sophienhof: Einkaufen unter Polizeischutz

Hohe Polizeipräsenz im Sophienhof Kiel: Nachdem am Donnerstagabend drei Mädchen im Einkaufszentrum von Asylbewerbern belästigt wurden, steht die Sicherheit der Bürger jetzt extrem im Fokus. Aus ganz Schleswig-Holstein wurden Beamte abgezogen, um die Kunden zu schützen.

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Polizisten aus ganz Schleswig-Holstein patrouillieren im vollen Sophienhof und überwachen das Geschehen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Deutschlandweit sorgte der Fall für Aufsehen. Im Internet ist die Empörung groß. Und: Offenbar handelte es sich nicht um einen Einzelfall. Ein Polizeisprecher bestätigte am Wochenende, dass sich nach den Übergriffen weitere Frauen gemeldet hätten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wegen der umfangreichen Berichterstattung sei dies zu erwarten gewesen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte der Sprecher.

Zwei Tage nach dem Vorfall prägten am Sonnabend schon wieder volle Einkaufstüten und dichtes Gewusel das Bild im Sophienhof. Nur die deutlich verstärkte Polizeipräsenz erinnerte daran, was sich hier am Donnerstagnachmittag zwischen 17.30 und 19.30 Uhr ereignet hatte. Nach Darstellung der Polizei soll eine Gruppe von Zuwanderern drei Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren belästigt haben. Als mutmaßliche Haupttäter gelten demnach zwei 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan. Sie sollen die Mädchen zuerst beobachtet, verfolgt und mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert haben. Nach und nach sei die Zahl der Männer auf 20 bis 30 gestiegen. Die Mädchen seien massiv bedrängt worden. Zu sexuellen Übergriffen sei es aber nicht gekommen. Ein Polizeieinsatz beendete das Treiben. Die beiden Afghanen und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Polizei: Die Mädchen hatten Angst

Die genaue Zahl der Männer blieb auch am Wochenende offen. A. Kadir Aktas, der im „Orient fresh“-Restaurant arbeitet, hatte den Vorfall hautnah mitbekommen. Er relativierte die Berichte. „Das ist direkt vor meiner Nase passiert“, sagte der 33-Jährige. „Aber das war keine Massenbelästigung.“ Es seien nur die beiden Afghanen gewesen, die „einen auf dicke Hose“ gemacht hätten. „Die fühlten sich halt toll und dachten, das kommt bei den Mädels an.“ Als Aktas gemerkt habe, dass die Mädchen zunehmend genervt von den beiden Asylbewerbern waren, sei er hingegangen und habe gefragt, ob alles okay sei. „Wenn ich gesehen hätte, dass die Mädchen Angst gehabt hätten oder dass die Situation eskaliert, wäre ich sofort über den Tresen gesprungen und hätte eingegriffen.“ Von 30 Beteiligten will er nichts wissen. Bei den anderen habe es sich um Neugierige gehandelt. Abends treffe sich nun mal die Jugend im Sophienhof. Und die sei multikulturell. Ähnlich äußerte sich Qendresa Bytyqi, die nebenan beim Italiener arbeitet. Sie verstehe die ganze Aufregung nicht, sagte die 23-jährige Albanerin.

Solche Aussagen stoßen in Kieler Polizeikreisen auf völliges Unverständnis: „Es mag ja sein, dass einige Augenzeugen die Situation anders beurteilen. Nur haben sie dies offenkundig der Polizei bislang so nicht mitgeteilt.“ Für die Beamten steht fest: „Die Mädchen haben es definitiv anders empfunden. Sie hatten Angst und fühlten sich massiv bedrängt.“ Angst beim Einkaufen musste am Sonnabend allerdings niemand haben. Die Polizeibeamten zeigten Flagge und waren deutlich sichtbar im gesamten Einkaufszentrum unterwegs. Dazu kamen die Sicherheitskräfte des Sophienhofs.

Flüchtlingsberichte machen Syrer traurig

Die Kunden beurteilten den Vorfall unterschiedlich. „Es ist unangenehm, dass wir immer zwischen Deutschen und Flüchtlingen unterscheiden. Wir sind alles Menschen“, sagte beispielsweise Lara Kleingütl. „Und da verhalten sich manche mal gut, manche mal schlecht.“ Angeflirtet oder angebaggert hätten sie Flüchtlinge noch nicht – weder im Sophienhof noch außerhalb. „Woanders hätte das auch passieren können“, erklärten Dorothea Albold (28) und ihr Freund Sören Gutekunst (29), die eine kleine Verschnaufpause auf den Sitzinseln machten. Die drei jungen Syrer aus Gaarden und Elmschenhagen, Mohamad, Achmed und Mohamad, machen die Flüchtlingsberichte traurig. „Wir alle haben Schwestern und Freundinnen. Man geht mit Frauen respektvoll um“, sind sie sich einig. „Manchmal wird man im Sophienhof schon sehr angebaggert“, sagten dagegen zwei junge Mädchen. Da werde hinterhergepfiffen oder nach der Handynummer gefragt. „Das ist nicht sehr angenehm.“ Aber beide würden das ignorieren. Zum Glück seien nicht alle so. „Und die Polizei hier ist klasse.“

Die Beamten waren am Wochenende allerdings nicht nur im Sophienhof im Einsatz. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Experten haben mit der Auswertung von Überwachungsvideos sowie Handy-Aufnahmen begonnen, um zu klären, welche Filme und Fotos an wen geschickt worden sind. Zeugen des Vorfalls werden dringend gebeten, sich bei der Polizei unter Tel. 0431/1601210 zu melden.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Sophienhof Kiel
Foto: Nach der Berichterstattung über die Belästigung im Sophienhof melden sich immer mehr Frauen, die sich auch belästigt gefühlt haben.

Die Polizei hatte damit gerechnet: Nach der Massenbelästigung im Sophienhof in Kiel berichten weitere Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl am Sonnabend.

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