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Hilfsbereitschaft kennt keine Grenzen

Nach Feuer-Drama Hilfsbereitschaft kennt keine Grenzen

Ganz Kiel trauert um das Opfer der Brandattacke und will den beiden kleinen Kindern der getöteten Delali Assigbley helfen: Spontan sammelten unter anderem die Zuschauer der Drittliga-Partie zwischen Holstein Kiel und der SG Sonnenhof Großaspach die stattliche Summe von 2215 Euro.

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Fleißig sammelten die Shining Lights der KSV-Cheerleader in der Halbzeit des Heimspiels gegen Sonnenhof Großaspach und nach Spielende Geld für den Verein KN hilft. Auch viele andere Kieler spenden oder kündigen ihre Unterstützung für die Söhne des Brandopfers an.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Unterdessen versuchen Ermittler von Staatsanwaltschaft und Mordkommission weiter, die Hintergründe des grausigen Verbrechens aufzuklären.  Nach Informationen unserer Zeitung soll der geständige Ehemann Koffi W. in seiner Vernehmung zwar ein angebliches Motiv für die Tat genannt haben, auf Nachfrage will sich Oberstaatsanwalt Axel Bieler zu Details allerdings nicht äußern. Aus Respekt vor dem Opfer und Angehörigen würden die Ermittler zunächst weitere Zeugen befragen. Gerüchte, nach denen der 41-Jährige unter Wahnvorstellungen gelitten habe und diese im August zu dem Aufenthalt im Zentrum für Integrative Psychiatrie geführt hätten, kommentierte Bieler ebenfalls nicht. Zurzeit befindet sich der Tatverdächtige in der JVA Neumünster. Außergewöhnlich ist, dass die Vernehmung des Mannes von einem Richter und nicht wie üblich von einem Polizeibeamten geführt und per Video aufgezeichnet worden ist. Dies hätte für den Prozess, der laut Experten frühestens in vier Monaten beginnen kann, einen entscheidenden Vorteil: Sollte Koffi W. zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft schweigen, könnte das Filmprotokoll als richterliches Beweismittel abgespielt werden.

 Unterdessen ist die Welle der Hilfsbereitschaft für die drei und sieben Jahre alten Söhne von Delali Assigbley ungebrochen: Holstein Kiel beteiligte sich am Sonnabend im Rahmen des Großaspach-Heimspiels an der Spendenaktion der Kieler Nachrichten. Die Cheerleader des KSV waren mit Spendendosen in der Halbzeitpause durch die Ränge gezogen und sammelten 2215 Euro ein. „Ich freue mich sehr darüber, dass wir den Verein KN hilft auf diese Weise mit einer solchen Summe unterstützen konnten“, sagte Roland Reime, Präsident der KSV Holstein.

 In Kiel spenden nicht nur sehr viele Leute Bargeld für die Kinder, sie machen sich auch Gedanken, wie sie nach der schrecklichen Tat den Kindern zusätzlich helfen können. Ein Beispiel ist Jürgen Struthoff, der Fußballtrainer des Siebenjährigen und zugleich Vorsitzender des Kieler Sportvereins, in dem der Schüler jeden Donnerstag mit rund 30 Gleichaltrigen kickte. Zuvor war der Junge schon in der G-Jugend aktiv, seit Sommer spielt er bei Struthoff. „Zusammen mit den Eltern aus der Mannschaft haben wir überlegt, wie wir es dem Jungen ermöglichen können, weiter bei uns zu spielen.“ Dem Kieler Jugendamt bot er an, der Junge könne weiter am Training teilnehmen, die Fahrdienste würden andere Eltern gern übernehmen. „Wir wissen ja, wie sehr der Junge Fußball liebt, er ist immer mit glänzenden Augen zum Training gekommen“, so Struthoff. Er berichtet auch, dass das Mordopfer Delali Assigbley und der Tatverdächtige Koffi W. ihren Sohn nicht nur gemeinsam zum Fußballspielen brachten, sondern auch meist während des Trainings blieben. Oft war auch der kleine dreijährige Sohn dabei. „Wenn es etwas zu besprechen gab, habe ich eigentlich alles mit der Mutter geklärt“, sagt der Trainer.

 „Fassungslos und tief betroffen“ reagiert auch Imke Deistler, Leiterin des Frauennotrufs Kiel, auf die Brandattacke. „Die unfassbare Grausamkeit der Tat verfolgt im Moment wohl viele Menschen bis in den Schlaf“, sagt die Diplom-Psychologin. Trotz der entsetzlichen Brutalität dieses Verbrechens ist es ihr wichtig, darauf hinzuweisen, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland alltäglich ist. „In Deutschland wird beinahe täglich eine Frau durch ihren Ehemann ermordet“, betont Deistler und verweist auf eine Statistik des Familienministeriums, nach der im vergangenen Jahr bundesweit 331 Ehefrauen durch ihren Partner getötet worden sind.

Von Bastian Modrow und Karen SChwenke

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