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Ehemann soll in Psychiatrie

Prozess in Kiel Ehemann soll in Psychiatrie

Im Prozess um den qualvollen Feuertod einer 38-Jährigen in Kronshagen bei Kiel hat die Staatsanwältin am Montag die Unterbringung des angeklagten Ehemanns in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie beantragt.

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In dem Prozess wird entschieden, ob ein wegen psychischer Probleme schuldunfähiger Mann, der 2016 seine Frau durch eine Brandattacke tötete, dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden soll.

Quelle: Markus Scholz/dpa (Archiv)

Kiel. Im Prozess um den Feuertod von Delali Assigbley hat die Staatsanwältin am Montag im Kieler Landgericht die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert. Seine Tat stelle sich als heimtückischer, grausamer Mord dar. Koffi W. (41) habe die tödliche Feuerattacke auf seine Ehefrau am 7. Dezember 2016 im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen.

Zu diesem Schluss kommt nach dem Ergebnis der dreitägigen Beweisaufnahme auch Strafverteidiger Urs-Erdmann Pause. Aus Loyalität zu seinem Mandanten, der den Tod der 38-Jährigen bis heute nicht wahrhaben will, verzichtete der Kieler Rechtsanwalt auf einen konkreten Antrag. Koffi W. wies den Mordvorwurf gestern in seinem Schlusswort erneut zurück.

Sein Verteidiger weiß jedoch, dass die Unterbringung des Beschuldigten in einer geschlossenen Anstalt zwingend aus dem Gesetz folgt. Denn Koffi W. gilt als Gefahr für die Allgemeinheit. „Es wird keine Überraschung geben“, kündigt Rechtsanwalt Pause im Hinblick auf das für Mittwoch erwartete Urteil des Schwurgerichts an.

Einigkeit bei der Verteidigung und Anklage

In dem Sicherungsverfahren herrscht bei Anklage und Verteidigung Einigkeit. Beide Seiten berufen sich auf das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Wolf-Rüdiger Jonas (65). Laut Diagnose des im Mai in den Ruhestand verabschiedeten Klinikdirektors bestimmen seit 2009 zunehmend Wahnvorstellungen Denken und Handeln des seit 1998 in Deutschland lebenden Togoers.

Glaubte sich der 41-Jährige früher noch von Geheimdiensten beobachtet, verfestigte sich in den letzten Monaten vor der Tat seine Überzeugung, auch die eigene Ehefrau trachte ihm nach dem Leben. Bauchschmerzen und Herzbeschwerden deutete Koffi W. als Symptome schleichender Vergiftung. Wiederholt soll er vor Delali Assigbley auf die Knie gefallen sein, um sie anzuflehen, ihre Absicht aufzugeben.

Kurz vor der Tat glaubte Koffi W. aus einem mitgehörten Telefonat des späteren Opfers herauszuhören, man plane seinen Tod. Für seine erlittenen Qualen wollte er die getrennt lebende Mutter der zwei gemeinsamen Kindern nach eigenen Angaben „bestrafen“. Demnach wollte er nach der überraschenden Autopanne vor dem Mare Klinikum zunächst den altersschwachen Toyota Corolla der Frau anzünden.

Wie Kriminaltechniker später ermittelten, blieb der zwölf Jahre alte Pkw nach 228 000 Kilometern Laufleistung mit einer gebrochenen Antriebswelle an der Ecke Eichkoppelweg/Eckernförder Straße liegen. Der psychiatrische Sachverständige schloss nicht aus, dass Koffi W. den plötzlichen Zwischenfall als Teil des vermuteten Komplotts gegen ihn interpretierte.

Brennstoff an Tankstelle eingefüllt

Um seine Frau „zu ärgern“, wie er später erklärte, will W. zunächst nur den Innenraum des Pkw mit Benzin aus einem Kanister begossen haben. Die Entzündung sei jedoch misslungen. Dann habe er seine flüchtende Frau verfolgt. Den Brennstoff hatte W. am selben Morgen an einer Tankstelle am Steenbeker Weg eingefüllt. Dies belegen Bilder einer Überwachungskamera. Der Beschuldigte entnahm laut Kassenbeleg 8,41 Liter Super, befüllte auch den Pkw-Tank mit ein paar Litern. Dazu kaufte er ein Päckchen Kaugummi und eine Telefonkarte, zahlte alles in bar.

Am Montag vor Gericht machte W. ausführlich von seinem Recht auf das letzte Wort Gebrauch. Ja, er habe seine Frau mit Benzin übergossen und angezündet, räumt er erneut ein. „Ich werde das mein Leben lang bereuen.“ Gleichzeitig bagatellisierte er den Mord: „Es war nicht gravierend, was ich getan habe.“

Die Fotos der bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Leiche in der Akte, die er gestern am Richtertisch auf seinen ausdrücklichen Wunsch ein weiteres Mal betrachtete, hätten „nichts mit der Tat zu tun“. Koffi W. nennt die schrecklichen Bilder „eine Montage“. Die Presseberichte über den Feuertod seiner Frau bezeichnet er als Manipulation.

Das Fazit seiner eigenen Wahrnehmung: „Frau A. ist nicht tot. Alles das zeigt, dass man irgendwie vorhat, mich festzuhalten für etwas, was ich nicht getan habe.“ Am Ende seiner Ausführungen beruft sich Koffi W. auf den „großen Richter“: „Gott weiß, was geschehen ist.“ Bei seiner Frau will er sich „irgendwann mal entschuldigen“. Er habe ihr verziehen, sagt er. „Sie soll mir auch verzeihen.“

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Feuertod in Kronshagen
Foto: Der Saal im Landgericht in Kiel ist beim Prozessauftakt gegen Koffi Wowoui im Tötungsdelikt Delali Assigbley gefüllt.

Eine 38-jährige Frau starb im Dezember 2016 einen qualvollen Feuertod in Kronshagen bei Kiel. Am Mittwoch wurde der Prozess gegen ihren Ehemann eröffnet. Der Beschuldigte gestand, dass er seine Frau mit Benzin übergossen und angezündet hat. Es sei aber eine Lüge, dass seine Frau tot sei.

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