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Tender "Werra" ist zurück in Kiel

Nach Flüchtlingshilfe Tender "Werra" ist zurück in Kiel

Nach vier Monaten im Einsatz für Flüchtlinge ist das Marineschiff „Werra“ am Sonnabend wieder in seinen Heimathafen Kiel zurückgekehrt. 1186 Menschen retteten die 66 Soldaten der Stammbesatzung, die am Morgen im Marinestützpunkt fest machte.

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Sprechende Rettungsringe an der Brücke: Die "Werra" zeigt, wie viele Menschen sie gerettet hat.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der wohl außergewöhnlichste Einsatz der Deutschen Marine ist für den Tender „Werra“ beendet. Seit Anfang Juni hatte das 100 Meter lange Versorgungsschiff an der Seenotrettungsaktion vor der afrikanischen Küste teilgenommen, bei der von internationalen Streitkräften mehr als 10000 Menschen gerettet wurden. Die Soldaten der „Werra“ haben allein 1186 Menschen aus Schlauchbooten und kleinen Holzkuttern gerettet. Am Sonnabend machte das Schiff um 10 Uhr wieder in seinem Heimathafen Kiel fest.

Das sind die Bilder zur Rückkehr der "Werra" nach Kiel.

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Wie außergewöhnlich dieser Einsatz für ein Marineschiff ist, war schon an der Kommandobrücke beim Einlaufen abzulesen. Dort malen Besatzungen traditionell ihre Erfolge auf. Gesprengte Minen und Torpedos, abgeschossene Raketen oder versenkte Piratenboote werden nach Einsätzen dort meist kunstvoll gezeigt. Korvettenkapitän Stefan Klatt hatte diesmal als Kommandant sechs Rettungsringe an die Brücke malen lassen. Daran standen die Zahlen der geretteten Menschen. Der Kommandant ist mit seinen Soldaten hoch zufrieden: „Ich bin stolz auf meine Besatzung. Sie hat wirklich Großartiges geleistet“. Deutliche Worte sprach auch der neue Chef des Stabes der Einsatzflottille 1 aus Kiel. „Es war eine großartige Leistung, die sie für Deutschland erbracht haben. Jeder von ihnen ist ein Held“, sagte Fregattenkapitän Stephan Haisch bei der Begrüßung auf der Tirpitzmole zu den angetretenen Soldaten.

"Schweizer Taschenmesser der Deutschen Marine"

Die Rettungsaktion war für die Besatzung der „Werra“ nicht nur körperlich fordernd, sondern auch emotional sehr belastend. „Die Aufgabe war sehr hart, nicht nur durch die Trennung von Zuhause. Besonders die Arbeit unter den Schutzanzügen bei den Temperaturen, die Bilder der geretteten Menschen, so etwas ist schon belastend. Dieser Erlebnisse wurden in Gesprächen und durch die Kameradschaft verarbeitet“, berichtet Kristian Lüders. Der 48-Jährige ist Militärpfarrer in Kiel und war im Einsatz auf der „Werra“ dabei. „Die Besatzung hat diese Aufgaben mit einer wirklich bewundernswerten Kreativität gemeistert.

Ein Beispiel war die Konstruktion der Toiletten für die vielen Flüchtlinge auf dem Hubschrauberlandedeck. Da hat die Besatzung mit viel Improvisationstalent eine wirklich tolle Lösung gebaut“, sagt Lüders. Auch von der Führung gab es Lob dafür. Der Tender ist eigentlich als Versorgungsschiff für Kampfverbände gebaut. Der Einsatz als Rettungsschiff war neu. „Das hat gezeigt, was ein tolles Team mit einer vergleichsweise kleinen Einheit leisten kann. Die ‚Werra‘ ist das Schweizer Taschenmesser der Deutschen Marine“, lobte Fregattenkapitän Tobias Voß, der Kommandeur des 5. Minensuchgeschwaders, dem Heimatgeschwader des Schiffes.  

Vergoldete Kreativität im Einsatz

Vielseitigkeit zeigte die Besatzung bei der Bewältigung aller Probleme. Zum Beispiel nach der größten einzelnen Rettung von 625 Flüchtlingen. Die sanitären Einrichtungen waren für diese Anzahl Menschen nicht ausgelegt. Die Soldaten improvisierten und bauten Toiletten. Statt der üblichen Chemietoiletten hatten die Soldaten der Schiffstechnik mit Schläuchen, Holz und aus ein paar Ersatzteilen Gruppentoiletten am Heck gebaut, die ohne Chemie auskamen. Diese Toiletten kamen direkt ans Ende des Hubschrauberlandedecks, mit Wasserspülung und einem direkten Abfluss ins Heckwasser. Klobrillen wurden im Schnellverfahren von einem Schwesterschiff organisiert

Flüchtlinge auf der Werra

Völlig überfüllt: Dieses Bild stammt von einem Einsatz der "Werra", deren Deck mit Flüchtlingen gefüllt ist.

Quelle: Achim Winkler

Für diese Kreativität im  Einsatz gab es sogar Auszeichnungen. Kapitänleutnant Andre Marek bekam als verantwortlicher Schiffstechnikoffizier noch auf der Pier das Bundeswehrehrenkreuz in Gold von Kommandeur Voß. Obermaat Daniel Friedrich erhielt das Bundeswehrehrenkreuz in Bronze. Für den Obermaaten aus Mecklenburg-Vorpommern war die Auszeichnung aber nur ein Randaspekt. Er konnte auf der Pier erstmals seine Tochter Lena auf den Arm nehmen. Die erst zwei Monate alte Tochter war während der Einsatzzeit geboren worden. Mutter Karin Reuter hatte den Obermaaten mit Bildern übers Internet versorgt.

Aber auch der Kommandant Stefan Klatt konnte auf der Tirpitzmole ein junges Familienmitglied erstmals in den Arm nehmen. Seine Enkeltochter Emma Sophie war zwei Tage nach dem Auslaufen im Juni geboren worden. „Bislang habe ich nur Bilder von ihr gesehen. Das habt ihr gut hinbekommen“, sagte der Kommandant seinem Sohn und der Schwiegertochter.

Urlaub für Besatzung und Schiff

Die 66 Soldaten der „Werra“ dürfen jetzt endlich durchatmen. Mit dem Einlaufen beginnt für die Besatzung der Urlaub. Der Seenoteinsatz war nicht die erste Auslandsfahrt für die Mannschaft von Stefan Klatt. Vorher war das Schiff bereits zu Manövern in England und Schottland. „Wir waren in diesem Jahr 186 Tage unterwegs. Das ist eine lange Zeit“, so Klatt. Bis Februar wird die zum 5. Minensuchgeschwader gehörende „Werra“ jetzt außerdem überholt. Danach beginnt wieder die Einsatzvorbereitung für den nächsten Auftrag. „Das wird in der zweiten Hälfte nächsten Jahres der Fall sein“, so Klatt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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