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Rolle rückwärts? Studenten gegen Anwesenheitspflicht

Nach Forderung des FH-Präsidenten Rolle rückwärts? Studenten gegen Anwesenheitspflicht

Die Forderung von Prof. Udo Beer, Präsident der Fachhochschule (FH) Kiel und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Schleswig-Holsteins, die Präsenzpflicht wieder einzuführen, schlägt hohe Wellen bei Studentenvertretern im Land.

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Bleibt der Hörsaal bald leer? Die Debatte um die Abschaffung der Anwesenheitspflicht wurde durch Äußerungen des Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenz, Prof. Udo Beer, neu entfacht.

Quelle: Daniel Karmann/dpa

Kiel. Die im vergangenen Dezember verabschiedete Hochschulnovelle sieht unter anderem die Abschaffung der Anwesenheitspflicht vor. Die Umsetzung ist an der Uni Kiel und der FH für das Sommersemester 2017 vorgesehen. Doch schon jetzt kritisiert Beer, die Umstellung habe zu einer höheren Zahl an Prüfungen geführt und sei problematisch für moderne Lernkonzepte an der Fachhochschule.

 Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der FH sieht das anders. „Es mag sein, dass moderne Lehrkonzepte auf dem Papier bestehen, aber ich spüre sie nicht im Alltag“, sagt Pascal Groß (24), Referent für Hochschulpolitik an der FH. „In acht von zehn Fällen liest der Professor doch nur sein Skript vor.“ Außerdem dürfe bei innovativen Lernveranstaltungen wie den praktischen Übungen im Labor die Präsenzpflicht weiterhin bestehen. Der Gesetzestext überlässt den Fakultäten hier die Entscheidungsmacht über die Anwesenheitspflicht.

 Inwiefern die Abschaffung der Präsenzpflicht zu mehr Prüfungen führen soll, kann der FH-Asta nicht nachvollziehen. „Auch jetzt muss bei Vorlesungen am Ende eine Prüfungsleistung in Form von Klausur oder Hausarbeit erbracht werden“, sagt Vorstandsmitglied Peter Mollenhauer (28). Florian Scheithauer, stellvertretender Sprecher der Landes-Asten-Konferenz, hält Beers Herangehensweise für „völlig fehl am Platz“. Es sei der falsche Ansatz, die Gesetzesnovellierung zum Anlass zu nehmen, den Studierenden wegen der Abschaffung der Anwesenheitspflicht mit weiteren Prüfungen und weiteren Mehrbelastungen zu drohen.

 Die Mitglieder des Asta der FH sind enttäuscht von Beer. Er sollte eigentlich besser wissen, welche Studenten seine Einrichtung besuchten, heißt es. „Studenten an der FH sind keine Stereotypen, die direkt von der Schule kommen und in sechs Semestern durchstudieren“, sagt Marc Messerschmidt (24) vom Vorstand, „oft kommen sie über den zweiten Bildungsweg an die Institution und arbeiten nebenher, um sich ihr Studium zu finanzieren.“

 Die Uni Kiel zeigt sich überrascht, schließlich habe die Umsetzung der Novelle noch nicht stattgefunden. Laut Pressesprecher Boris Pawlowski könne man noch keine Aussagen treffen, man befinde sich noch in der Anpassungsphase. Die Universität wolle nach Angaben von Pawlowski nach zwei Jahren eine ehrliche Bilanz ziehen. Erst dann werde sich zeigen, ob die Studierenden auch ohne Präsenzpflicht erfolgreich ihren Pflichten nachkämen. Sollte dies nicht der Fall sein, sehe sich die Universität, so Pawlowski, in der Pflicht, die Rahmenbedingungen an der Universität so anzupassen, dass die Mehrheit der Studierenden erfolgreich ihren Abschluss erreicht. „Es war abzusehen, dass die Umsetzung Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Tilmann Schade vom Asta. Es sei im Sinne des Asta, eine gute Lösung zu finden, die von allen getragen werde.

 Ähnliche Kritik wie Beer hatte auch Uni-Präsident Prof. Lutz Kipp geäußert. An der Uni Kiel wurde dem Thema unter anderem ein gesamter Tag mit Vorträgen und Podiumsdiskussion gewidmet. Die Debatte schien abgeschlossen. „Das Statement von Prof. Beer ist ziemlich 2015. In den Diskussionen um das Hochschulgesetz sind viele unterschiedliche Meinungen kundgetan und gegeneinander abgewogen worden. Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht ist hierbei eine Forderung, die von den Studierendenschaften des Landes gestellt und stets unterstrichen wurde“, sagt Tilmann Schade vom Asta.

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