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Elf Fragen an die Polizei

Nach Missbrauchsfällen Elf Fragen an die Polizei

Nach dem Verdacht des zweifachen Kindesmissbrauchs reagierte Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken am Donnerstag mit einer ausführlichen Pressekonferenz. Die Polizei aber sah sich bis Freitagabend nicht in der Lage, auch nur eine der elf Fragen unserer Zeitung, die wir hier dokumentieren, zu beantworten.

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Als es um den Flüchtlingserlass ging, dauerte es nur einige Stunden bis zur Pressekonferenz von Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz. Beim Thema Kindesmissbrauch ist das völlig anders.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. 1. Wenige Tage nach dem schweren sexuellen Missbrauch eines fünf Jahre alten Mädchens hat die Polizei die getrennt lebende Ehefrau des Verdächtigen befragt und im Zuge dieses Gesprächs Kenntnis über die psychische Erkrankung des 30-Jährigen erhalten. Weshalb hat die Kripo danach nicht unmittelbar Kontakt mit dem Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Kiel aufgenommen? Wann genau war das Gespräch mit der Frau?

 2. Die Mutter des Beschuldigten hat am 12. Januar Besuch von zwei Beamten in ihrer Wohnung bekommen. Dabei hat ein Beamter mit der zuständigen Sachbearbeiterin im Amt telefoniert. Worüber ist dabei konkret gesprochen worden und weshalb ist in den Folgetagen seitens der Polizei kein erneuter Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen worden? Warum hat der Polizist nicht gesagt, warum nach dem 30-Jährigen gesucht wurde?

 3. Der Kieler Sozialdezernent Gerwin Stöcken sagt, dass es hilfreich gewesen wäre, wenn das Gesundheitsamt früher informiert worden wäre. Welche Versäumnisse sehen Sie auf Seiten der Polizei?

 4. Die Mutter des mutmaßlichen Täters hatte seit dem 12. Januar mehrfach Kontakt mit der Polizei und dabei Angst um ihren Sohn und vor ihrem Sohn geäußert. Sie warnte vor dessen Gefährlichkeit. Sind diese Warnungen nicht ausreichend ernst genommen worden und kann auch die Polizeidirektion Kiel das Gefühl der Mutter nachvollziehen, sich von den Behörden allein gelassen zu fühlen?

 5. Spätestens seit dem 18. Januar wusste die Kriminalpolizei laut Staatsanwaltschaft und Stadt von der psychischen Erkrankung des 30-Jährigen. Weshalb sind zu keinem Zeitpunkt Schulen und Kindergärten in Kiels Stadtteil Gaarden gewarnt worden?

 6. Warum ist die Polizei nach der zweiten Tat am Sonntag, 31. Januar, erst am Montag Nachmittag zur Wohnung des 30-Jährigen gefahren, obwohl sie den Gaardener als Verdächtigen in einem sehr ähnlichen Fall kannte?

 7. Das zweite Opfer hatte bereits am Tattag Angaben zum Wohnort des Täters gemacht. Weshalb ist zunächst ein anderer Mann ins Visier der Polizei geraten und wie kam es genau dazu, dass Sie schließlich doch gegen den 30-Jährigen vorgegangen sind?

 8. Nach Aussagen der Mutter hat diese am Montag, 1. Februar, gegen Mittag persönlich das IV. Revier aufgesucht und nochmals darum gebeten, nach ihrem Sohn zu suchen. Eine Beamtin habe der Frau gesagt, sie solle doch selbst in der Wohnung des Sohnes nachsehen. Warum ist nicht die Polizei sofort zu der Wohnung gefahren?

 9. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Polizei darauf gedrängt, einen Haftbefehl zu erwirken – zuletzt nach den Erkenntnissen des 18. Januar. Ist dies korrekt – und wenn ja: Sah sich die Polizei veranlasst, den 30-Jährigen im Auge zu behalten und wie ist dies abgelaufen?

 10. In der Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft vom 2. Februar heißt es zur ersten Tat am 6. Januar, der Verdächtige habe die Fünfjährige „sexuell bedrängt“. Später sprach die Staatsanwaltschaft von einem „schweren sexuellen Missbrauch“. Wie kam es zu dieser unterschiedlichen Bewertung?

 11. Bleibt Polizeichef Thomas Bauchrowitz bei der Einschätzung, es handele sich um einen schnellen Fahndungserfolg und er sei stolz auf die Polizei?

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Kommentar

Am Tag vier nach Bekanntwerden der beiden schrecklichen Missbrauchsfälle in Gaarden verdichtet sich das Bild vielfachen behördlichen Versagens noch einmal. Es ist der Satz von Sozialdezernent Gerwin Stöcken, der einem erneut einen Schauer über den Rücken jagt.

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