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Pauluskirche wird zur Asbest-Baustelle

Nach Pfingsten Pauluskirche wird zur Asbest-Baustelle

Am Pfingstsonntag wird in der Pauluskirche am Niemannsweg noch einmal Gottesdienst gefeiert, dann muss das Gotteshaus für mehr als einen Monat komplett geschlossen werden. Der Grund: Asbestplatten aus den 70er-Jahren könnten von den Wänden stürzen. Daher müssen sie entfernt werden.

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Hier lauern die krebserregenden Fasern: Küster Bernhard Mieth (58) hat an einem der großen Kirchenfenster die brüchigen Asbestplatten sicherheitshalber gut verklebt. Eine Gesundheitsgefahr besteht derzeit nicht, trotzdem müssen die Platten raus.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Seit Oktober vergangenen Jahres saniert die Heiligengeistgemeinde die Fenster der alten Garnisonkirche, die in den Jahren von 1878 bis 1882 im neugotischen Stil errichtet wurde. „Im Zuge dieser Bauarbeiten stellte sich heraus, dass sich die Platten teilweise deutlich von der Wand gelöst haben“, sagt Pastor Niels-Peter Mahler, der Mitglied in Bauausschuss des Kirchengemeinderates ist. Bis zu einer Handbreit sei der Zwischenraum, der sich zwischen Mauerwerk und Spritzasbest gebildet hat.

Bis zum 19. Juni ist die Kirche komplett gesperrt. Im Altarraum wird noch mindestens bis zum 23. Juli ein Baugerüst stehen – und Bauverzögerungen sind, wie bei jedem Altbau, nicht auszuschließen. Besonders ärgerlich ist das für ungefähr 20 Brautpaare: Die Einladungskarten für das „schönste Fest im Leben“ sind längst verschickt, doch nun müssen sie ihre Hochzeitsgäste für die kirchliche Trauung kurzfristig zu anderen Adressen lotsen. Ungefähr zwei Drittel der Paare weichen laut Mahler auf die andere Kirche der Heiligengeistgemeinde, St. Ansgar in der Holtenauer Straße, aus. Einige Paare jedoch wollten das partout nicht; sie müssen sich jetzt nach anderen Gemeinden umschauen.

Dass sich an den Kirchwänden Asbest-Altlasten befinden, war keine Überraschung: „Der Spritzasbest wurde Anfang der 70er-Jahre aus akustischen Gründen aufgebracht“, erläutert Mahler. Eine akute Gefahr für die Gesundheit bestehe derzeit nicht. Messungen hätten ergeben, dass in der Luft keine der krebserregenden Fasern schwebten. Daher könne an diesem Wochenende bedenkenlos Konfirmation und am nächsten Sonntag Pfingsten gefeiert werden. Wenn sich jedoch eine der Platten löst und zu Boden stürzt, wäre die Luft in der Kirche mit der mineralischen Naturfaser verseucht.

Mahler zufolge sollte die Asbestsanierung bereits im Januar beginnen. Da für die besonderen Spritzasbest-Platten eine Spezialfirma gesucht werden musste, können die Arbeiten erst jetzt beginnen und durchkreuzen so den Auftakt der Hochzeitssaison. Zur Hochzeit der Hochzeiten ab August werde die Pauluskirche, die seit 1925 eine Gemeindekirche ist, wieder zur Verfügung stehen, hofft Mahler.

Für die Sanierung der Fenster waren bisher 480000 Euro veranschlagt. Der kirchliche Denkmalschutz bezuschusst die Baumaßnahme mit gut einem Viertel. Mahler rechnet durch die Asbest-Arbeiten jetzt mit bis zu 100000 Euro Zusatzkosten. „Wir hoffen, dass wir auch in dieser Hinsicht unterstützt werden.“ Zunächst aber müsse die Gemeinde die kompletten Mehrkosten selbst verauslagen. Entsprechende Förderanträge sind nämlich im Herbst des Vorjahres zu stellen. „Die Rücklagen für bauliche Maßnahmen sind mehr als aufgebraucht“, sagte Mahler. Allein aus Kirchensteuereinnahmen und Zuweisungen ließe sich die Pauluskirche nicht dauerhaft erhalten. Der Pastor wirbt daher um Spenden. Denn schon jetzt sei klar, dass die Gemeinde im Anschluss an die Fenstersanierung etwas am Mauerwerk tun müsse. „Wir setzten alles daran, die Kirche dauerhaft zu erhalten, aber rein vom Finanziellen gesehen können wir uns das kaum leisten und müssten sie eigentlich zumachen.“ Besondere Ironie der Geschichte: Die klangliche Wirkung der Asbestplatten geht gegen Null. Ein gutes halbes Jahr nachdem die Platten montiert waren, wurde ihre poröse Oberfläche bereits mit Farbe überstrichen.

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