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Feldbetten im Kreuzfahrtterminal

Nach Protesten Feldbetten im Kreuzfahrtterminal

120 Flüchtlinge haben am Dienstag die Nacht am Kieler Hauptbahnhof verbracht – notdürftig versorgt von Privatleuten. Von Flüchtlingsinitiativen hagelte es deshalb Kritik: Stadt und Bundespolizei hätten sich aus der Verantwortung gestohlen. Die Stadt reagierte und organisierte für die nächsten Nächte eine Notunterkunft im Terminal am Ostseekai.

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Die Notunterkunft Ostseekai wird vorbereitet: Feuerwehr und ASB richteten am Dienstagabend Übernachtungsplätze für 100 Menschen ein.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Mehrere Kieler hatten Montag die Nachricht erhalten, dass noch in der Nacht gegen 1 Uhr aus Hamburg ein Sonderzug mit etwa 150 Flüchtlingen eintreffen werde. „Wir haben bei der Bundespolizei nachgefragt. Doch dort wusste man von nichts. Erst zwei Minuten, bevor der Zug eintraf, wurde offenbar auch die Polizei offiziell informiert“, berichtete Martin Weiß von der Antirassistischen Flüchtlingsinitiative Kiel. Da sich sonst niemand um die Menschen gekümmert habe, hätten etwa 30 Leute privat Essen, Getränke, Decken und Iso-Matten organisiert und zum Bahnhof gebracht. Die Flüchtlinge hätten dann im Bahnhof die Nacht verbracht.

 Von der Stadt sei niemand zu sehen gewesen, die Bundespolizei habe sich zurückgezogen, kritisierte Weiß: „Anscheinend ist es nicht möglich, eine humanitäre Grundversorgung mit Decken, Verpflegung, sanitären Anlagen oder gar medizinische Versorgung für Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Elend aus ihrer Heimat flüchten müssen, zur Verfügung zu stellen.“ Die Bundespolizei wies die Kritik zurück. Man verweise auf die Erstaufnahmeeinrichtungen. Für die Versorgung von Flüchtlingen am Bahnhof sei man nicht zuständig. In Notfällen unterrichte man jedoch unverzüglich die zuständigen Stellen.

 „Das war aber ein Notfall“, konterte Weiß und überbrachte gestern Mittag mit etwa 150 Unterstützern Bürgermeister Peter Todeskino im Rathaus die Forderungen: Unterbringung und Verpflegung von gestrandeten Flüchtlingen, Fährtickets für jene, die selbst kein Geld mehr für das letzte Stück nach Schweden hätten. „Es kann nicht sein, dass all diese Aufgaben dem privaten Engagement einiger Menschen überlassen werden“, sagte eine junge Frau. Etwa 700 Menschen habe man bereits die Weiterreise nach Skandinavien ermöglicht. Tausende Euro seien dafür ausgegeben worden, nun aber seien alle Reserven aufgebraucht. Und bereits in der vergangenen Woche hätte man 100 Flüchtlinge nachts unterbringen müssen, die nicht mit der Stena mitgekommen seien. Das Quartier in der Alten Mu-Schule dürfe dafür aber aus Brandschutzgründen nicht mehr genutzt werden.

Belegungssituation der Flüchtlingsunterkünfte | Create infographics

 Todeskino sagte zu, dass die Stadt ab sofort für die Unterbringung und Verpflegung sorgen werde: Am Abend wurde dafür der Terminal am Ostseekai geöffnet und mit Feldbetten ausgestattet. Das funktioniert aber nur für drei Nächte, weil dann der nächste Kreuzfahrer kommt. Bis dahin will die Stadt ein anderes Gebäude bereitstellen. Im Gespräch sind das ehemalige C&A-Gebäude und die Ex-Markthalle. Beide stehen leer, liegen nahe des Schweden-Terminals, sind aber nicht Eigentum der Stadt.

 Am Dienstagabend sind 193 Flüchtlinge mit der Fähre nach Göteborg gefahren. Fünf Flüchtlinge wollten die neue Notunterkunft im Ostsee-Terminal nutzen. Weitere Flüchtlinge wurden von Kielern privat beherbergt.

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In Kronshagen berät der Sozialausschuss heute über ein Konzept, wonach die Gemeinde bis Ende des nächsten Jahres 400 Unterkünfte für Flüchtlinge schaffen könnte. Das ist vorausschauende Politik für eine Gemeinde, die nach dem bisherigen Schlüssel nur für 125 Asylsuchende verantwortlich ist.

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