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Neun Angeklagte, 60 Beteiligte, kein Platz

Überfall auf Pfandhaus Neun Angeklagte, 60 Beteiligte, kein Platz

Das Kieler Landgericht steht vor dem größten Strafprozess seiner Geschichte. Da für die neun Angeklagten und 60 Beteiligten der Platz in Kiel nicht ausreicht, weicht das Landgericht nach Schleswig aus.

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Das Pfandhaus am Kieler Exerzierplatz wurde am 9. Oktober 2014 gegen Mittag überfallen.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Kiel.  Im Oktober soll die Hauptverhandlung gegen neun Männer aus Litauen eröffnet werden. Zwei von ihnen hatten im Oktober 2014 auf brutale Weise ein Pfandleihhaus am Kieler Exerzierplatz überfallen und Uhren und Schmuck im Wert von einer halben Million Euro erbeutet. Mitangeklagte und Hintermänner waren an einem weiteren Überfall auf einen Düsseldorfer Juwelier im August 2014 beteiligt. Zudem sollen sie eine weitere Tat in München geplant haben.

Die 7. Strafkammer des Landgerichts hat die Anklage wegen schweren Raubs, Körperverletzung und versuchter Beteiligung an einer Straftat zugelassen. In Justizkreisen wird mit einem langen Prozess gerechnet. „Ein Verfahren dieser Größenordnung hat es in Kiel noch nicht gegeben“, sagt Sebastian Brommann, Sprecher des Landgerichts Kiel. Bislang gehe man von rund 60 Prozessbeteiligten aus. So wird jeder Angeklagte in der Regel von zwei Anwälten vertreten, um den Fortgang der Hauptverhandlung zu sichern, wenn ein Rechtsbeistand einmal verhindert sein sollte. Dazu kommen Richter, Staatsanwaltschaft, Dolmetscher sowie umfangreiches Sicherheitspersonal.

Für das Landgericht ergibt sich damit ein logistisches Problem: „Wir haben nicht genug Platz“, sagt Brommann mit Blick auf den Verhandlungssaal. Unter den gegebenen Umständen sei es unmöglich, den Prozess dort stattfinden zu lassen. Deshalb will man nun in den deutlich größeren Sitzungssaal am Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig ausweichen. Dort stehen allein für die Öffentlichkeit 114 feste Stühle zur Verfügung. Ein Teil könnte nach Angaben von OVG-Sprecherin Birgit Voß-Güntge umfunktioniert werden. Zudem werde der Saal den erforderlichen Sicherheitsauflagen gerecht. So können Verfahrensbeteiligte und Zuschauer durch eine schusssichere Glaswand voneinander getrennt werden. Eine kurzfristige Umrüstung des Landgerichts am Schützenwall in Kiel ist laut Brommann aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich.

Sonderermittler aus Kiel waren der osteuropäischen Täterbande im November nach dem Raub am Exerzierplatz auf die Spur gekommen. Ein weiterer Überfall in München konnte dabei von Spezialeinsatzkräften in letzter Sekunde verhindert werden. Die beiden Hauptangeklagten sind seit ihrer Festnahme in Justizvollzugsanstalten des Landes untergebracht. Einer von ihnen soll nach Informationen dieser Zeitung an der Geiselnahme in der JVA Lübeck an Heiligabend beteiligt gewesen sein.

Der brutale Raub am Exerzierplatz

Zwei Männer überfielen am 9. Oktober 2014 gegen Mittag ein Pfandhaus am Kieler Exerzierplatz, misshandelten den Angestellten mit einem Elektroschocker und erbeuteten Uhren und Schmuck im Wert von 500000 Euro. Sechs Wochen nach dem Überfall sprengte die Kieler Polizei eine internationale Bande von Profi-Verbrechern. Beamte nahmen in Berlin und München 19 Männer aus Osteuropa fest.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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Staatsanwaltschaft Kiel
Foto: Sieben Monate nach deren erster Tat in Düsseldorf hat es gedauert, bis auch der letzte der Kieler Pfandhausräuber gefasst wurde.

Der letzte der vier mutmaßlichen Räuber, die im Oktober 2014 einen Kieler Pfandleiher überfallen hatten, ist in Norwegen verhaftet worden. Er wurde nach europaweiter Zielfahndung am Samstag mit internationalem Haftbefehl dingfest gemacht. Außerdem wird ihm noch eine drastischere Tat vorgeworfen.

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