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Schüsse durch Briefschlitz

Nachbar verletzt Schüsse durch Briefschlitz

Ärger hatte sich länger aufgestaut zwischen Nachbarn im Mehrfamilienhaus, bis der Angeklagte im September 2016 „explodiert“ sei. Nach eigenem Geständnis griff der 35-Jährige zur Druckluftpistole und gab mehrere Schüsse durch den Briefschlitz ab. Eine Kugel traf den Nachbarn ins Bein.

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Streit und Ärger hatten sich schon länger aufgestaut zwischen den Nachbarn im Mehrfamilienhaus, bis im September 2016 der Angeklagte vor Wut regelrecht „explodiert“ sein will. Am Donnerstag stand er vor Gericht.

Quelle: Angelika Warmuth

Kiel. Jetzt steht der Schütze wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht. Den Nachbarn, sagt er, wollte er „nur mal erschrecken“. Aus Rache. Der habe ihm schon zweimal den Keller aufgebrochen, Sachen gestohlen, seinen Motorroller zerlegt und Pfandflaschen entwendet. „Ich wollte niemand verletzen“, beteuert der nervös wirkende Mann.

Doch die Anklage zählt sieben Kugeln, die im Flur einschlugen. Ein Treffer hinterließ eine schmerzhafte Platzwunde am linken Oberschenkel des Nachbarn. „Wir haben ja danach noch ein Bier auf dem Hof  getrunken“, wiegelt der Angeklagte ab und spricht von Versöhnung. Wie der Geschädigte das sieht, bleibt offen: Der Nachbar war als Zeuge geladen, kam aber nicht zum Termin.

Doch der Prozess platzte nicht wegen des fehlenden Opfers: Der zur Tatzeit alkoholisierte Angeklagte redete sich bei der Schilderung seiner Lebensumstände und der Verhältnisse im Gaardener Mietshaus derartig in Rage, dass die Vorsitzende an seiner Schuldfähigkeit zweifelt.

Mehrmals habe er notfallmäßig die lungenkranke Mutter des Nachbarn versorgt, sie aus einer Blutlache gezogen, sich um die herzkranke Schwester gekümmert. In dem ganzen Stress sei auch noch sein Hund gestorben. Wie er die Schüsse durch die Wohnungstür heute beurteile, will die Richterin wissen. „Es musste vielleicht so sein, wie es passiert ist“, sagt der Schütze. Einsicht und Reue klingen anders.

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