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„Ich...!“ im etwas anderen Gotteshaus

Nacht der Kirchen „Ich...!“ im etwas anderen Gotteshaus

Bei der 7. Ökumenischen Nacht der Kirchen ging es vor allem darum, Kirchenräume neu zu entdecken. Rund 3500 Besucher waren Freitagnacht in insgesamt 25 Kieler Gotteshäusern unterwegs. Jede Gemeinde setzte dabei das diesjährige Motto „Ich…!“ auf ihre Weise um.

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Kiel. Während es in einigen Kirchen wie in St. Joseph in Gaarden mit der Lichtinstallation „Im AbendlIcht“, mit Gebeten und Gedichten eher besinnlich zuging, wurde in anderen gerockt, gewerkelt und getanzt. In der Wiker Lukaskirche erfüllte eine Mischung aus Funk und Soul den Altarraum, es gab aber auch durchaus kritische Töne beim Poetry Slam.

„Ich l(i)ebe Musik“ hieß es in der Heilandskirche. Wie schon vor zwei Jahren ließ die Friedensgemeinde Kieler Bands unterm Kreuz rocken. „Wir wollten etwas Ungewöhnliches machen und Töne in die Kirche holen, die man hier sonst nicht hören würde, um mehr Jugendliche in die Kirche zu bekommen“, erklärte Carina Ewers vom Kirchengemeinderat. Und so trat unter anderen die Band Seven auf, die mit Metalcore den klerikalen Raum füllte. „In einer Kirche zu spielen, ist für uns wegen der Akustik interessant“, erklärte Gitarrist Kian Lautenbach. Der 21-Jährige geht ansonsten nicht in die Kirche, aber diese Location wollte er sich bei dieser Gelegenheit nicht entgehen lassen. Bei den Liedtexten vertraute Carina Ewers den Bands: „Mir war wichtig, dass sie keine menschenverachtenden Texte singen“. Bedenken musste sie auch nicht haben. „Die Texte unserer Lieder sind mehr politisch und persönlich“, beschrieb Schlagzeuger Klaas Hadaschik das Repertoire.

Der Sound von Helene Fischer, Modern Talking und anderen Schlagergrößen erklang in der St.-Matthäus-Sozialkirche in Gaarden, die mit der Stadtmission Mensch zur Party eingeladen hatte. „Wir haben uns für Schlager entschieden, weil sie das ausdrücken, was die meisten im Herzen bewegt“, erklärte Pastorin Ragni Mahajan. Die Kirche beteiligte sich das erste Mal bei der Nacht der Kirchen und freute sich über die mehr als 100 Gäste, die lange schwoften und tanzten. „Kirche möchte sich mal anders zeigen, das haben wir geschafft“, freute sie sich. Schon im Vorfeld halfen viele dabei, den Kirchenraum in eine Disco zu verwandeln.

Alles raus musste auch in der St.-Gabriel-Kirche in Russee. „Wir haben die Kirche komplett leergeräumt“, erklärte Juliane Groß, die zu den Betreuern der evangelischen Jugend gehört. Lange grübeln musste das Team bei dem Motto „Ich...!“ nicht. Schnell kam ihnen das Lied „Ich und mein Holz“ von der Band 257ers in den Sinn. „Holz hat viele theologische Ansätze“, erklärte Arne Jureczek, der Theologie studiert. Er zählte auf: „Es gibt den Baum der Erkenntnis in der Schöpfungsgeschichte, aus Holz wurde die Arche Noah gebaut, Bäume werden vielfach als Symbole verwendet und gelten als Mittler zwischen Himmel und Erde“. Um auch die Kirche selbst ins rechte Licht zu setzen, wurde sie mit verschiedenen Farben von außen bestrahlt. Das lockte Besucher an: „Am Anfang war der Ansturm groß, das ließ dann aber nach“, beschreibt Juliane Groß den Verlauf des Abends und vermutet, dass es an der Stadtrandlage der Kirche liegt. „Es müsste Shuttle-Busse geben“, findet sie. Aber auch so seien viele Menschen aus dem Stadtteil gekommen, „die wir sonst nicht erreichen würden“.

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