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C1 – der Schlüssel zum Studium

Nacht der Wissenschaft C1 – der Schlüssel zum Studium

Ohne nachgewiesene Sprachkompetenz kommen Ausländer nicht an deutsche Hochschulen. In der Nacht der Wissenschaft erfahren Flüchtlinge, was sie genau benötigen.

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„Wie komme ich an einen Studienplatz an einer deutschen Universität?“, diese Frage stellen sich viele junge Flüchtlinge. Der Syrer Saleh Shaweesh (24) auch. Er will sein Architekturstudium beenden – weil es in Kiel nicht geht, in Lübeck oder in Potsdam.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Der häufigste Studienwunsch unter Flüchtlingen ist Medizin“, berichtet Veronika Langner, die das Servicereferat für ausländische Studierende an der Christian-Albrechts-Universität leitet. Hintergrund sei der hohe Status des Arztberufes in ihren Heimatländern. Langner und ihre Mitarbeiter, die studieninteressierte Flüchtlinge am International Center (IC) beraten, müssen die jungen Flüchtlinge allerdings oft enttäuschen: „Für 1000 Bewerber aus Nicht-EU-Ländern haben wir nur zehn Studienplätze in Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin zu vergeben. Daher raten wir, sich Alternativen zu suchen. Es gibt so viele Studiengänge, in denen man viel leichter einen Platz bekommt, und in denen auch die Berufsaussichten später gut sind.“ Was noch wissenswert ist, um an Kieler Hochschulen Fuß zu fassen, erhalten Studieninteressierte aus Kriegsgebieten in einem Workshop in der Nacht der Wissenschaft.

 Denn so ganz einfach ist der Studienstart für Flüchtlinge in der Regel nicht. Saleh Shaweesh ist ein gutes Beispiel. Wäre er in Syrien geblieben, hätte er sein Architekturstudium schon bald abgeschlossen. Obwohl er alle Studienzertifikate aus seiner Heimat beisammen hat, braucht er hierzulande Geduld. Viel Geduld. Denn bevor der 24-Jährige sein Studium in Deutschland fortsetzen kann, muss er noch einiges lernen. Ohne fachkundige Deutschkenntnisse kein Studium. Veronika Langner hat die Erfahrung gemacht, dass es bei den Flüchtlingen ein bis anderthalb Jahre dauere, von der ersten Beratung bis zur Aufnahme eines Fachstudiums: „Bei den meisten reichen die Deutschkenntnisse nicht aus. Denn zum Studium müssen sie neben dem höchsten Schulabschluss ihres Landes auch das Sprachzertifikat C1 nachweisen.“

 An der Universität können sich Ausländer in Deutschkursen am „Lektorat Deutsch als Fremdsprache“ auf die Prüfung vorbereitet. Nach der Flüchtlingswelle 2015 wurde das Angebot wegen der großen Nachfrage ausgeweitet. Allein in diesem Jahr hat das IC in Kiel mehr als 300 Menschen aus Nicht-EU-Ländern mit dem Wunsch zu studieren beraten und begleitet. Je zur Hälfte sind es Schulabgänger oder junge Menschen, die ihr Studium fortsetzen möchten. Der überwiegende Teil hat allerdings noch nicht einmal das erforderliche Sprachniveau („Zertifikat Deutsch B1“), um mit den Deutschkursen am Lektorat zu beginnen. Daher werden jetzt zusätzlich Vorbereitungskurse für den eigentlichen Sprachkursus angeboten. Für diese gibt es allerdings keine feste Finanzierung, sie werden von Ehrenamtlichen oder anderen Studierenden geleitet. „So schaffen wir es aber, die Studienbewerber auf das notwendige Niveau zu bringen, und wir helfen ihnen, ihre Zeit zu überbrücken“, berichtet Langner.

 Saleh Shaweesh hat die Aussicht, diesen Kursus ab Februar zu besuchen. Wenn er sehr fleißig ist, wird er im Anschluss ab Oktober 2017 mit dem Deutschkursus am Lektorat beginnen können, und wiederum ein oder zwei Semester später mit dem Architekturstudium. Wahrscheinlich noch später. Denn Shaweesh hat noch nicht einmal einen Studienort in Aussicht: „In Kiel kann ich nicht Architektur studieren. Dafür muss ich nach Lübeck gehen oder nach Potsdam“, klagt er. „Und das ist verdammt schwer, denn dort findet man als Flüchtling nicht so einfach eine Wohnung, und ohne die kriege ich zumindest in Potsdam keinen Studienplatz.“

 Noch erzählt er von seinen Problemen lieber auf Englisch. „Deutsch zu lernen ist eben äußerst schwierig“, findet er. Deswegen will er auch nach seinem Studium nicht nach Syrien zurückzugehen, um all die zerstörten Häuser wiederaufzubauen. „Ich möchte lieber in Deutschland, Österreich oder der Schweiz arbeiten. Wozu stecke ich denn sonst so viel Arbeit in die deutsche Sprache, wenn ich am Ende doch wieder nur Arabisch spreche?“

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