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Ein Meilenstein für die Archäologie

Nacht der Wissenschaft Ein Meilenstein für die Archäologie

Kiel freut sich auf die erste Nacht der Wissenschaft: Am 30. September warten Experimente, Laborführungen, Ausstellungen, Kunst-Aktionen und spannende Vorträge auf Gäste aus allen Generationen.

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Um das Megalithgrab auf dem Uni-Campus als Symbol für archäologische Forschungen zu errichten, packten 60 Helfer im Sommer 2015 mit an. Als der Sonderforschungsbereich „Transformationsdimensionen“ den Zuschlag für die Millionenförderung erhielt, feierten Forscher wie Studierende dies an dem Nachbau.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel.. Das kostenlose Programm soll Lust machen, die Vielfalt der Forschung in der Region kennenzulernen. Einen Vorgeschmack gibt unsere Serie über den Wissenschaftsbetrieb. Heute: Die Finanzierun.

Auch Forschung braucht viel Fördergeld, vor allem dann, wenn sie mit Spitzenleistungen im Wettbewerb bestehen will. Die Kieler Universität ist erfolgreich im Einwerben von sogenannten Drittmitteln, Förderungen aus Industrie, von Bund, Ländern und Organisationen. Doch meist sind es die Naturwissenschaften oder die Medizin, die den Zuschlag bekommen. Vor einigen Wochen aber gelang es einem Forschungsverbund mit dem Schwerpunkt Archäologie, eine Fördersumme von zwölf Millionen Euro bis Mitte 2020 zu erhalten.

 In der Akademikerwelt gelten Sonderforschungsbereiche (SFB) und große Verbundprojekte wie Exzellenzcluster wie ein Sechser im Lotto, da die Forscher durch die Finanzierung über mehrere Jahre Planungssicherheit für ihre Analysen, Messungen oder Literaturrecherchen gewinnen. Anders als in der Lotterie geht dem Gewinn ein hartes, viele Monate dauerndes Auswahlverfahren bei der Antragstellung voraus. Johannes Müller (55), Professor für Ur- und Frühgeschichte, kann ein Lied davon singen. Er ist Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragenen SFB 1266, der unter dem Titel „Transformationsdimensionen in prähistorischen und archaischen Gesellschaften“ firmiert. „Kiel ist bekannt für Meereswissenschaften und Medizinforschung. Die Stadt ist aber inzwischen auch bekannt als Standort für Archäologie“, meint Institutsdirektor Müller und verweist auf das starke, auch öffentliche Interesse an Ausgrabungen wie Haithabu oder Großsteingräbern.

 Etliche Fachrichtungen von Natur-, Kultur-, Lebens- und Wirtschaftswissenschaften haben sich im SFB zusammengeschlossen, um den beschleunigten Wandel der Lebensbedingungen in prähistorischen Gesellschaften in Nordeuropa unter Laborbedingungen zu untersuchen. Wie haben sich Jäger, Sammler und Fischer in der Eiszeit zwischen 15000 vor Christus und dem Beginn unserer Zeitrechnung verhalten, als sich das Klima zu ändern begann? Wie entwickelten sich bäuerliche Gesellschaften nach besonders langen Wintern und Ernteausfällen? Wie beeinflusste die Metall-Produktion, meist Bronze, ab 2000 vor Christus die Arbeitsteilung und das Wertesystem? Die drei wissenschaftlichen Schwerpunkte befassen sich mit grundsätzlichen Parametern von Gesellschaften, die gerade derzeit hohe Aktualität erleben: Migration, soziale Ungleichheit und Gewalt. Für Forscher, so Müller, gehört die „Mobilität durch Handel und Austausch zum Normalfall“: Anhand von Isotopen-Analysen von Skeletten, deren Zähne und Knochen als Art Archive Informationen liefern, zeigt sich, dass 20 bis 30 Prozent der urgeschichtlichen Vorfahren in einer anderen Region gestorben sind als in ihrer Heimat, in der sie aufwuchsen.

 15 neue Forscher-Stellen, etwa 16 Doktoranden-Stellen, Feldarbeiten, Grabungen vom westlichen Ostseeraum bis in die Ägais und Laboranalysen kann die Kieler Universität mit dem Geld vorerst finanzieren. Dass es den Kieler Geisteswissenschaften zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder gelungen ist, einen SFB einzuwerben, sei den Vorläuferprojekten an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ (Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Landschaften) und der Johanna-Mestorf-Akademie zu verdanken, betont der Professor: „Wir alle freuen uns riesig, dass sich unser Antrag durchsetzen konnte.“ Dazu kommt, dass die große Chance besteht, die Förderperiode noch zweimal um je vier Jahre zu verlängern. Der Erfolg bietet der CAU eine gute Grundlage, um im Rennen um weitere Millionen in der Spitzenforschung zu punkten: In die nächste Exzellenz-Runde geht sie mit vier Anträgen – nicht nur in den Meeres-, Lebens- und Nanowissenschaften, sondern auch im Bereich Gesellschaft, Umwelt und Kultur im Wandel.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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