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„Großartiges Geschenk“ für die Region

Nacht der Wissenschaft „Großartiges Geschenk“ für die Region

Mit Wasser eine Rakete starten, Atome sehen, die Geldpolitik der EU bestimmen – die erste Nacht der Wissenschaft in Kiel hielt vieles bereit, das neugierig machte. Und genau das war das Ziel der Initiatoren der Kiel-Region.

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Mehr als 50.000 Proben werden in der Biomaterialdatenbank Popgen gelagert. Laborleiter Dr. Gunnar Jacobs (rechts) erklärte, wie und warum.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Am Freitagnachmittag fiel der Startschuss für über 90 Veranstaltungen, die Besucher an elf Standorten bis in die Nacht hinein inspirieren sollten.

„Eine lange Nacht gibt es, wenn man einen Schatz hat, den man präsentieren will, der aber bei Tageslicht nicht gut genug zur Geltung kommt“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei der Eröffnung im Wissenschaftszentrum. „Wir sind in Sachen Wissenschaft exzellent, aber das ist noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen.“ Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig betonte: „Kiel ist mehr als nur gute Luft.“ Erstmals eine Nacht der Wissenschaft ausrichten zu können, sei ein „großartiges Geschenk“.

 Die Wissenschafts-Offensive der Kiel-Region steht im Kontext der „European Researcher’s Night“, die seit 2005 europaweit in zahlreichen Städten zeitgleich ausgerichtet wird. In diesem Jahr sind 260 Städte beteiligt. Kiel ist einer von 42 Standorten, die dabei mit EU-Mitteln gefördert werden. Damit steht die Landeshauptstadt in einer Reihe mit Städten wie Oxford, Paris oder Madrid. Die Kiel-Region, die im kommenden Jahr in Eckernförde, Plön, Preetz und Rendsburg eine weitere Wissenschafts-Nacht ausrichten wird, hatte als einziger von europaweit 113 Antragsstellern 14,5 von 15 möglichen Punkten von der EU-Kommission bekommen und sich damit 163000 Euro aus dem Förderprogramm für Forschung und Innovation gesichert.

 Bei einer Talkrunde zur Eröffnung der langen Nacht betonte Prof. Ilka Parchmann, Vizepräsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): „Eine unserer wesentlichen Aufgaben ist es, nach außen zu tragen, was wir tun.“ Dies sei neben Lehre und Forschung die dritte Säule der Wissenschaft. „Wir haben Forscher in Kiel, die zu ganz vielen weltweit bewegenden Themen etwas sagen können.“

 Prof. Klaus Tochtermann, Direktor der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, betrachtet die Veranstaltung als Chance für den Wirtschaftsstandort Kiel. „Ein attraktiver Wissenschaftsstandort holt Talente in die Region, die hier bleiben und zur Innovationskraft und langfristig auch zum Wohlstand der Stadt beitragen.“ Daher sei es für Kiel wichtig, als Ganzes als Exzellenz-Standort betrachtet zu werden. Bisher würden international nur Einzelbereiche wahrgenommen.

 Einen davon vertrat Prof. Mojib Latif. Der Klimaforscher und Meteorologe am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung kam vor gut zehn Jahren vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie an die Förde. „Eigentlich war ich aus Wissenschaftler-Sicht in Hamburg schon auf dem Olymp“, sagte er. Wegen der starken Meeresforschung in Kiel sei er aber dem Ruf an die CAU gefolgt. „Und ich habe es nicht einen Tag bereut.“

 Der 62-Jährige hatte neben wichtigen Forschungsergebnissen noch ein weiteres Argument für eine wissenschaftliche Karriere: „Wissenschaft ist in gewisser Weise friedensstiftend. Menschen aus allen Ländern arbeiten zusammen in einer Gemeinschaft, in der man sich wohlfühlt.“ Deshalb könne er junge Menschen nur zu einer Forscher-Karriere ermuntern. „Wissenschaft ist, wie man sich eine schöne, gerechte Welt vorstellt.“

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