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Männer stellen lieber Männer ein

Nacht der Wissenschaft Männer stellen lieber Männer ein

Kiel freut sich auf die erste Nacht der Wissenschaft: Am Freitag, 30. September, warten Experimente, Laborführungen, Ausstellungen, Kunst-Aktionen und spannende Vorträge auf Gäste aus allen Generationen.

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Fachhochschule Kiel: Dr. Britta Thege, Institut für interdisziplinäre Genderforschung und Diversity.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Das kostenlose Programm soll Lust machen, die Vielfalt der Forschung in der Region kennenzulernen. Einen Vorgeschmack gibt unsere Serie über den Wissenschaftsbetrieb. Heute: Frauen in der Wissenschaft.

Frauen in der Wissenschaft – ist das im Jahr 2016 überhaupt noch ein Thema? Sind Frauen inzwischen nicht gleichberechtigt und haben die gleichen Chancen wie Männer? Eben nicht, sagt die Kieler Genderforscherin Britta Thege: „Das Wissenschaftssystem ist traditionell männlich geprägt. Das ist historisch bedingt, weil lange Zeit eben nur Männer hier gearbeitet haben.“ Frauen hätten es daher schwerer, Fuß zu fassen. Außerdem sei es so, dass Männer lieber Männer einstellten. „Das hat nichts mit Böswilligkeit oder bewusster Diskriminierung zu tun, sondern mit sozialer Ähnlichkeit. Ich stelle eher jemanden ein, der mir ähnlich ist“, erläutert Thege.

 Dass Frauen an der Hochschule in der Minderheit sind, bestätigen auch die aktuellen Zahlen: Nur gut 23 Prozent aller Hochschulprofessuren waren 2015 von Frauen besetzt, unter den Habilitierten im gleichen Jahr lag der Frauenanteil bei 28 Prozent. „Das Auffällige ist, dass unter den Studierenden, den Absolventen und auch den Promovierenden etwa die Hälfte Frauen sind. Erst danach nimmt die Zahl ab“, erklärt Thege. Woher diese „Leaky Pipeline“, wie das Phänomen in der Forschung heißt, kommt, ist nicht klar. „Da kommt vieles zusammen: Der Abschluss der Promotion fällt meistens in die Zeit, in der auch die Familienplanung ansteht. Gleichzeitig sind die meisten Stellen nach der Promotion an den Hochschulen Drittmittelstellen, das heißt sie sind zeitlich befristet“, erklärt Thege. Wegen dieser beruflichen Unsicherheit würden viele Frauen den Wissenschaftsbetrieb verlassen und sich anderswo eine sichere Stelle suchen.

 Aber das ist nicht der einzige Grund: „Im Unterschied zu Männern neigen Frauen dazu, zu sagen ,Das kann ich nicht’“, erklärt Thege weiter. Vermutlich sind auch deshalb weniger Frauen in Spitzenpositionen zu finden als Männer. „Den Frauen ist das nicht vorzuwerfen“, sagt Thege. Vielmehr sollte strukturell darauf eingegangen werden, weil eben bekannt sei, dass die meisten Frauen so seien. „Wenn ich eine Stelle ausschreibe oder im Bewerbungsgespräch jemandem gegenübersitze, sollte ich das berücksichtigen.“

 Wichtig sei auch, von den Stereotypen-Vorstellungen von Männern und Frauen wegzukommen. Besonders in den sogenannten Mint-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – würden diese eine große Rolle spielen. Hier liegt der Frauenanteil zum Teil bei weniger als 20 Prozent. „Die Frauen sind ja nicht blöd, die wissen – vielleicht sogar nur unbewusst – dass ein Studium eines dieser Fächer ein anstrengender Kampf wäre.“ Im Umfeld und der Familie müssten sich viele rechtfertigen und unter den Kommilitonen wären sie immer anders. „Gerade so ein Studium wie Ingenieurwissenschaft entspricht nicht dem Stereotyp der Frau.“ Hier müssten Frauen dann oft darum kämpfen, überhaupt als Frau wahrgenommen zu werden.

 „Wir müssen endlich dahin kommen, dass jeder die Berufswahl nach seinen oder ihren Talenten trifft“, appelliert Britta Thege. Das Geschlecht sollte dabei keine Rolle spielen. „Alle sagen: Das ist heute doch schon so. Aber das ist es eben nicht.“

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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