16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Von Meeresleuchten bis Mikroplastik

Nacht der Wissenschaft Von Meeresleuchten bis Mikroplastik

Kiel freut sich auf die erste Nacht der Wissenschaft: Am Freitag, 30. September, warten Experimente, Laborführungen, Ausstellungen, Kunst-Aktionen und spannende Vorträge auf Gäste aus allen Generationen. Einen Vorgeschmack gibt unsere Serie über den Wissenschaftsbetrieb. Heute: Die Kieler Forschungswerkstatt.

Voriger Artikel
Auch "Queen Victoria" kommt
Nächster Artikel
Experten beraten über Krisenbranche

Für Jeannine Ansorge aus München, die in Kiel ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, ist das Ostsee-Becken immer wieder faszinierend.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Einen passenderen Ort hätte man kaum finden können: Mitten im Botanischen Garten zwischen Mammutbaum, Fieberklee und Nacktstengeliger Kugelblume liegt so etwas wie die Wiege der Forschung. Hier am hintersten Ende der Universität wurde 2012 die Kieler Forschungswerkstatt eröffnet. In den wabenförmigen Gebäuden werden Schüler ab der fünften Klasse zu kleinen Wissenschaftlern. In fünf Laboren untersuchen sie Bodenproben und machen auch Pollenanalysen. Sie stellen auch fest, wie viel Mikroplastik in Duschgel enthalten ist. Sie bauen kleine Raketen oder gehen dem Meeresleuchten auf den Grund. Auch Lehrer holen sich hier den einen oder anderen Tipp für den naturwissenschaftlichen Unterricht.

Viele Fischarten sind überfischt

Leiterin Katrin Knickmeier (57) ist Meeresbiologin und hocherfreut über die Nacht der Wissenschaft. „So etwas gab es in Kiel noch nicht“, sagt sie. „Die Stadt hat so einen tollen EU-Antrag geschrieben, dass sie sogar besser abgeschnitten hat als Oxford und Paris.“ Am 30. September ab 15 Uhr können sich nun alle Besucher bei Katrin Knickmeier und ihren Kollegen von der Begeisterung für die Wissenschaft anstecken lassen. Vorab werfen wir schon mal einen Blick ins Ozeanlabor. Und das ist eigentlich ein bisschen frustrierend. Denn das Meer und seine Bewohner sind längst nicht mehr das, was sie einst waren.

Anhand verschieden großer Fischmodelle erkennt man, dass der Dorsch im Laufe der Jahrzehnte immer kleiner wurde. „Früher gab es 1,50 Meter große Dorsche in der Ost- und Nordsee“, sagt Katrin Knickmeier. „Und 1938 sogar noch Thunfische. Viele Fischarten sind inzwischen überfischt.“

Wie es zuckt uns zappelt

An dunkelgrünen Wathosen vorbei geht es eine Etage tiefer. Mehrere Aquarien warten hier auf die kleinen Forscher. Daneben stehen Reihen von Mikroskopen. „Wenn wir Klassen hier haben, holen wir frische Heringe vom Wochenmarkt, die noch nicht ausgenommen wurden, und bestimmen das Alter anhand der Gehörknöchelchen“, erzählt Katrin Knickmeier. Die Schüler erfahren, dass eine Wollsocke im Meer bis zu fünf Jahre braucht, bis sie sich auflöst, Nylonschnüre 600 Jahre. Oder, dass ein Granatfisch erst nach 20 bis 40 Jahren geschlechtsreif wird. Holt man ihn also vorher aus dem Meer, gibt es keine Nachkommen. „Und legen die Gruppen dann frische Planktonproben unters Mikroskop, wundern sie sich oft, wie es da zuckt und zappelt“, sagt Katrin Knickmeier schmunzelnd.

Einen Raum weiter hängen lange weiße Laborkittel bereit für die kommenden Experimente. Ein Stockwerk höher stehen sogenannte Expeditionskisten für interessierte Schulen bereit. Denn die Kurse in der Kieler Forschungswerkstatt sind so begehrt, dass es oft Wartezeiten gibt.

Die Kisten bringen die Forschung dann einfach in die Klassenräume. „Rund 2000 Schüler kommen zu uns im Jahr“, sagt Katrin Knickmeier. „Dazu kommen noch die Teilnehmer zusätzlicher Programme.“ Die Kieler Uni und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) haben die Einrichtung vor vier Jahren ins Leben gerufen. Ein Erfolgsmodell, denn der Nachwuchs ist, wenn es ums Forschen geht, kaum zu halten. In der Nacht der Wissenschaft darf jeder auf den Geschmack kommen. Katrin Knickmeier und Kollegen stehen in den Startlöchern und haben spannende Experimente parat. Bereits um 15 Uhr geht es los.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3