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Kiel-Mettenhof muss Rattenrudel ausrotten

Nagerplage Kiel-Mettenhof muss Rattenrudel ausrotten

Rattenplage in Mettenhof: Die Stadt hat eine „Notstandsmaßnahme zur Beseitigung einer dringenden Gefahr“ für den ganzen Stadtteil ausgerufen. In den vergangenen Wochen sind an verschiedenen Stellen in Mettenhof Ratten gesichtet worden, die Grundstückseigentümer sollen sie jetzt bekämpfen.

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In Mettenhof gibt es eine Rattenplage. Alle Eigentümer im Stadtteil müssen jetzt Gift auslegen. Wer das nicht macht, muss mit einer Geldbuße rechnen.

Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka

Kiel. So eine große Einzelaktionen wie in Mettenhof hat es bisher nicht gegeben. Zu der Rattenplage kam es vermutlich, weil einige Mettenhofer nicht richtig kompostieren und Müll in die Gegend werfen. „Auch das Entsorgen von Essensresten in der Toilette kann Ratten locken“, sagte Joachim Kläschen vom städtischen Presseamt.

Die Tiere übertragen gefährliche Krankheiten wie zum Beispiel die Weil’sche Gelbsucht, Nematoden, Salmonellen, Typhus, Bandwürmer, Tollwut, Rattenfieber, Tuberkulose und früher die gefürchtete Beulenpest. Das geschieht durch Ausscheidungen wie Kot, Urin und Speichel. Die darin enthaltenen Bakterien und Viren werden vom Menschen bei Kontakt mit Haut, Schleimhäuten oder Atemwegen aufgenommen. Zudem tragen die Nager Parasiten wie Zecken oder Flöhe, die auf den Menschen überspringen können. Und die Tiere gehen an Vorräte oder knabbern Baumaterialien an.

Alle Eigentümer müssen handeln

Der Lebensraum eines Rattenrudels kann, je nach Nahrungsangebot und Umweltbedingungen, bis zu 100 Quadratmeter groß sein. Über die Anzahl der Rudel kann die Stadt keine Auskunft geben – sieht aber dringenden Handlungsbedarf: „Alle Eigentümer von Grundstücken in Mettenhof müssen ab Montag eine Rattenbekämpfung durchführen“, sagte Kläschen. Die Aktion soll mindestens bis zum 23. November dauern. Das Gift muss in diesem Zeitraum ergänzt oder erneuert werden, bis kein Abfraß der Köder mehr festgestellt wird.

Der Umgang mit dem Gift Difenacoum, das die Stadt empfiehlt, ist nur Sachkundigen erlaubt, die dafür einen Nachweis haben. Ausschließlich Schädlingsbekämpfer oder andere Sachkundige dürfen das Mittel auslegen. Darin enthalten ist der blutgerinnungshemmende Wirkstoff Antikoagulation der zweiten Generation. Das Mittel wird ausgelegt, weil Ratten schlaue Tiere sind. Würde ein Nager sofort nach dem Verzehr sterben, verschmähen andere Ratten den Fraß. Knabbern sie hingegen an Difenacoum, verkriechen sie sich und verenden einsam an abgelegener Stelle.

Bekämpfungswoche ist Seltenheit

Seit drei Jahren gab es in Kiel keine flächendeckende Bekämpfungswoche mehr. Die früheren Aktionen mit Giftködern seien in etwa so, als ob man im Nebel mit Schrot auf Vögel in Bäumen schießen würde, hieß es damals aus dem Ordnungsamt. Nach Angaben der Behörde rechtfertigte der zweifelhafte Erfolg nicht den Aufwand der Einwohner sowie die Kontrollen durch die Stadt. Hinzu kam eine Änderung des Tierschutzgesetzes: Seit dem 1. Januar 2013 dürfen die Mittel der zweiten Generation nicht mehr frei verkäuflich sein.

Grund für das Verbot ist die Annahme, dass Laien die Mittel falsch oder in zu hoher Dosierung auslegen könnten und so zum Beispiel auch Hunde und Katzen vergiftet werden. Außerdem könnten bei zu häufiger Verwendung die Nagetiere Resistenzen entwickeln.

Wer also der Rattenplage auf seinem Privatgrundstück Herr werden will, der muss den Kammerjäger rufen. „Die Rattenbekämpfung in Mettenhof ist eine sogenannte Notstandsmaßnahme zur Beseitigung einer dringenden Gefahr für Gesundheit und Eigentum der Bevölkerung“, sagte Kläschen. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldbuße rechnen.

Infos im Internet: www.kiel.de/rathaus/ortsrecht unter dem Stichwort „Ratten“.

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