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Zukunft jenseits des Kirchturms

„Kiels Spitzen“ Zukunft jenseits des Kirchturms

„Wenn man mich fragt, was sich in Kiel in den letzten Jahren verändert hat, dann müssen das schleichende Veränderungen gewesen sein. Man setzt hier doch sehr auf Kontinuität.“ Damit hatte Prof. Peter Herzig, Direktor des Geomar Helmholtz-Zentrums, gleich zu Beginn der Netzwerkveranstaltung „Kiels Spitzen“ die Lacher der rund 110 Gäste auf seiner Seite.

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Keine Diskussion, sondern eine Befragungsrunde auf dem Podium: Moderator Uli Pingel (links), Geomar-Direktor Prof. Peter Herzig, UKSH-Vorstandsvorsitzender Prof. Jens Scholz und Dirk Cordes, Geschäftsführer Dirk Cordes Beteiligungsgesellschaft.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Geladen war er als Podiumsgast zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Prof. Jens Scholz, und dem Geschäftsführer des Wissenschaftsparks, Dirk Cordes, am Mittwochabend in den Kieler Yachtclub. Das vielversprechende Thema: „Kiel im Wandel – Ideen für die Zukunft“.

Herzig ergänzte seine amüsante Aussage mit einem Anliegen: „Ich wünsche mir Mut für Veränderungen ihn Kiel, ein bisschen mehr Frische und weniger vornehme Zurückhaltung.“ Wer nun eine inspirierende Diskussion zur Zukunft der Landeshauptstadt erwartete, wurde enttäuscht. In der vierzigminütigen Talkrunde befragte Deutsche Welle-Moderator Uli Pingel die Podiumsgäste lediglich zu ihrer Person, Unternehmung – und immerhin zur Zukunft ihres Fachgebiets. So berichtete Herzig von den Zukunftsprojekten in der Meeresforschung, die aktuell vor allem mit Rohstoffgewinnung zu tun hätten. Um überhaupt Forschung und Exploration in internationalen Gewässer betreiben zu dürfen, habe das Bundeswirtschaftsministerium soeben ein zweites Lizenzgebiet für Deutschland im Pazifischen Ozean in der Größe Bayerns erworben. Die Forschungen konzentrierten sich nun auf die Frage, wie die Gewinnung von Rohstoffen, vor allem von Metallen, umweltgerecht gestaltet werden könne. „Deutschland wird hier Trendsetter sein“, kündigte der Chef des größten deutschen Meeresforschungsinstituts an.

 Jens Scholz, Chef des zweitgrößten deutschen Klinikums, gab einen kleinen Ausblick in die Medizin von morgen und nahm Stellung zu der „mutigen These“, dass Smartphones bald Ärzte ersetzen werden. Schon heute könnten Health-Apps messen, wie die Schlafqualität sei, die Herzfrequenz, der Blutdruck und der Zuckerstand. Allerdings gingen die Patienten noch zum Arzt, sitzen lange im Wartezimmer, um dann vom Arzt zu hören: „Alles gut, kommen Sie in einem halben Jahr wieder“. Dieses Prozedere könne man mit der neuen Technologie überbrücken, was gerade für Flächenländer wie Schleswig-Holstein sinnvoll sei. Gute Bildübertragungen ermöglichen inzwischen eine ärztliche Beratung durch Videochats „mit derselben Qualität“. Und mehr noch: Patienten auf dem Land, „die mit seltenen Erkrankungen zu einem Hausarzt gehen, der das letzte Mal im Studium darüber gelesen hat“, müssten sich fragen, ob es nicht besser sei, ein Computerprogramm befragen zu können, das die eigenen Daten mit allen Daten betroffener Patienten weltweit vergleiche und dann eine evidenzbasierte Empfehlung ausspreche. Scholz: „Das wird unsere Medizin verändern.“

 Im Anschluss an die Talkrunde fühlten sich viele Gäste gut informiert, allerdings nicht unbedingt über die von der veranstaltenden Hamburger Agentur Preventas angekündigten Inhalte. André Kersch vom Bankhaus Donner und Reuschel brachte es auf den Punkt: „Ich hätte mir gewünscht, dass das Thema Wandel in Kiel noch intensiver bearbeitet worden wäre.“

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