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Wut auf Stadtwerke Kiel wächst

Neue Fernwärme-Preise Wut auf Stadtwerke Kiel wächst

In Kiel und einigen Gemeinden rund um die Förde fürchten Kunden der Stadtwerke Kiel drastisch steigende Heizkosten. Auf Bürgerversammlungen und im Internet machen sie ihrem Unmut Luft und werfen dem Energieversorger Wucher vor. Er nutze seine Monopolstellung bei der Wärmeversorgung Tausender Haushalte aus.

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Insgesamt beziehen etwa 71000 Kieler Fernwärme. Hier eine Aufnahme aus dem Fernwärmetunnel unter der Kieler Förde.

Quelle: Stadtwerke Kiel

Kiel. Die Stadtwerke Kiel sagen: Die Preissteigerungen waren längst überfällig. Und: Die Fernwärme im Verbundnetz des Stadtgebietes sowie die Nahwärme mehrerer Blockheizkraftwerke in Umlandgemeinden blieben beim genauen Vergleich weiter eine günstige Heizform.

 Die nächste Runde bei der Einführung des neuen Preissystems für die Wärmeversorgung im Großraum Kiel sorgt für Proteste. „Achtung. Die Stadtwerke verdoppeln ihre Fernwärmekosten“, heißt es in Flyern und bei Facebook. Diesmal ist vor allem Meimersdorf betroffen. In dem südlichen Kieler Stadtteil haben viele Kunden, die über ein Nahwärmenetz von zwei Blockheizkraftwerken versorgt werden, von den Stadtwerken Kündigungsschreiben bekommen und warten auf neue Angebote. Insgesamt bekommen etwa 71000 Kieler über rund 6000 Verträge von den Stadtwerken Wärme aus dem Verbundnetz im Stadtzentrum und sieben Nahwärmenetzen in Umlandgemeinden. Klar ist: Für die allermeisten wird es teurer. In einer Vergleichsrechnung sprechen die Stadtwerke von 31 Euro Mehrkosten im Monat mehr, die ein Durchschnittshaushalt in Neumeimersdorf 2017 im Vergleich zu 2014 zahlen muss. Dies seien 45 Prozent.

 Besonders betroffen sind Besitzer von neuen Einfamilienhäusern. Sie beklagen Erhöhungen um bis zu 100 Prozent. Täglich rufen verärgerte Kunden bei den Stadtwerken an. Technikvorstand Jörg Teupen zeigt Verständnis für den Unmut, bleibt aber in der Sache hart. „Wir haben die Kosten an die Realität angepasst“, sagt Teupen. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Kieler Nahwärmepreise durch den Verkauf von Strom aus dem Heizkraftwerk subventioniert worden, die Kieler seien dadurch lange Zeit an sehr günstige Wärme gekommen. Dieses System funktioniere nicht mehr. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich die Verluste des Kraftwerks auf 18 Millionen Euro. „Die Energiewende hat uns eingeholt“, sagt Teupen. „Auch wir würden gern die alten günstigen Preise sehen. Aber wir können es uns nicht leisten, weiter diese Verluste einzufahren.“

 Unterdessen schließen Verbraucherschützer nicht mehr aus, das neue Preismodell vor Gericht prüfen zu lassen. Unter Umständen müsse man juristisch klären lassen, ob die Preisgestaltung angemessen sei, sagt Margrit Hintz, stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Sie rät Betroffenen, neue Angebote nicht vorschnell zu unterschreiben. „Keiner sollte sich unter Druck gesetzt fühlen.“ Der Wechsel zu alternativen Energiesystemen aber sollte gut durchgerechnet sein.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Die Kunden sprechen von Wucher, die Anbieter von dringend nötigen Preisanpassungen. Das neue Preissystem für die Wärme der Stadtwerke Kiel birgt reichlich Konfliktstoff. Fest steht: Die Berechnung ist kompliziert, und für die meisten Kunden gibt es keine Möglichkeit, auf andere Energieträger umzustellen.

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