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Fall Gaarden soll sich nicht wiederholen

Neue Leitlinie Fall Gaarden soll sich nicht wiederholen

Der Missbrauch von zwei kleinen Mädchen im Kieler Stadtteil Gaarden hat im Januar 2016 Defizite im Zusammenspiel von Staatsanwaltschaft, Polizei und städtischem Gesundheitsamt offenbart. Als Konsequenz haben die Verantwortlichen der drei Instanzen eine Leitlinie für die künftige Zusammenarbeit vorgelegt.

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Symbolischer Akt: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Oberstaatsanwältin Birgit Heß und Polizei-Chef Thomas Bauchrowitz (v.li.) unterzeichnen die Leitlinie.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die schwere psychische Erkrankung des 30-jährigen Täters war nicht rechtzeitig erkannt worden, Hinweisen waren die Behörden nicht nachgegangen. Wie sie fortan bei sogenannten Gefahrenlagen mit psychisch auffälligen und kranken Menschen verfahren wollen, wurde am Mittwoch erklärt.

 „Hier ist etwas Vorbildliches entstanden“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) mit Blick auf das acht Seiten starke Kooperationspapier, das schwerwiegende Ereignisse wie im Missbrauchsfall Gaarden nach Möglichkeit fortan verhindern soll. „Natürlich gibt es keine absolute Sicherheit“, räumte Oberstaatsanwältin Birgit Heß ein. Aber: „Wir haben mit der Leitlinie eine Basis, sehr schnell und niedrigschwellig aktiv werden zu können.“ Dafür soll es im Bedarfsfall künftig Telefonkonferenzen geben, wenn Personen psychisch auffällig werden und eine mögliche Gefahr von dem oder der Betroffenen ausgehen könnte. „Wenn es beispielsweise zu einem Polizeieinsatz aufgrund einer Straftat kommt und die Person in einer stark verwahrlosten Wohnung lebt, was zu einer möglichen Selbstgefährdung führen könnte, dann wäre dies bereits ein Indikator, um die Informationskette einzuleiten“, sagte Thomas Bauchrowitz, Leiter der Polizeidirektion Kiel.

"Wir sind selber Väter und Mütter"

Konkret steht in jedem Einzelfall die Polizei, die im ersten Schritt den „kurzen Draht“ zum städtischen Gesundheitsamt und dem psychiatrischen Dienst hält, um im Bedarfsfall gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft entsprechende Schritte einzuleiten. „Wenn wir nach dem ersten sexuellen Missbrauch in Gaarden schneller Kontakt zum Gesundheitsamt und entsprechende Informationen über die Erkrankung des Täters gehabt hätten, dann wäre es vermutlich nicht zu der zweiten Tat gekommen“, räumte Heß ein, „Wir sind selbst Väter und Mütter und werden alles tun, dass sich solche Fälle nicht wiederholen.“

Polizei-Chef Bauchrowitz bekräftigte, dass es in keinem anderen Bereich eine so enge Verzahnung der Kooperation gebe. Zweimal im Jahr wollen die Verantwortlichen fortan über ihre Erfahrungen diskutieren und bei Bedarf die Leitlinien weiter schärfen. „Das Landesdatenschutzzentrum hat die Erarbeitung begleitet, sodass nun Rechtssicherheit an der Schnittstelle zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gesundheitsamt besteht und die Schutzrechte der Patienten gewahrt bleiben“, bekräftigte Oberstaatsanwältin Heß.

Noch bevor die Leitlinie von den Verantwortlichen im Rathaus am Mittwoch unterschrieben worden war, hatte das Konzept bereits seine Bewährungsprobe: Nach der Prügelattacke auf eine Muslimin im Juli hatten die Behörden schnell reagiert und den psychisch erkrankten Täter aus dem Verkehr gezogen.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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