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Alarm für die Traditionsschiffe

Neue Sicherheitsregeln Alarm für die Traditionsschiffe

Bei den Eignern der rund 100 deutschen Traditionsschiffe herrscht blankes Entsetzen. Grund ist eine geplante Anpassung der Sicherheitsregeln für die Schiffe und Crews durch eine neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums. Sie soll für alle Traditionsschiffe gelten, die zur Deckung ihres Unterhalts Passagiere befördern.

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Motor-, Dampf- und Segelschiffe sind fester Bestandteil der großen maritimen Feste in Hamburg, Kiel (Foto), Flensburg, Travemünde oder Rostock.

Quelle: Frank Behling

Kiel. „Es herrscht große Unsicherheit unter den Mitgliedern. Der größte Teil der deutschen Traditionsschiffe wäre betroffen“, sagt Werner von Unruh. Der Kieler Kapitän und Jurist ist Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW), dem Dachverband der deutschen Traditionsschiffe. Das, was bei ihm als neue Sicherheitsrichtlinie auf dem Tisch liegt, hat es in sich. Konkret geht es um die „Verordnung zur Änderung der schiffssicherheitsrechtlichen Vorschriften über Bau und Ausrüstung von Traditionsschiffen“. „Da auf diesen Schiffen häufig Fahrgäste, Schulklassen und Jugendliche befördert werden, ist es unerlässlich, mehr Sicherheit für Besatzung und Passagiere zu schaffen“, begründet Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU).

 Das ministerielle Werk fordert feuerfeste Treppen, wasserdichte Abteilungen sowie Patente für die Besatzung. Jedes Crewmitglied soll alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck. „Wenn diese Verordnung so kommt, wird es für viele unserer Besatzungen nicht zu leisten sein“, sagt von Unruh. Michael Saitner, 1. Vorsitzender des Kieler Jugendschulschiffes „Thor Heyerdahl“ und auch Vorsitzender der German Sail Training Union, sorgt sich über „unverhältnismäßige Maximalforderungen im Bereich von baulichen Sicherheitsmaßnahmen, vor allem aber auch hinsichtlich der Qualifikationen der ehrenamtlichen Besatzungen“.

 Hinzu komme, dass künftig nur als Traditionsschiff anerkannt wird, was vor 1965 gebaut wurde. „Damit würden nur die ,Stadt Kiel’ und die ,Alexandra’ die Auflagen als traditionelles Passagierschiff erfüllen“, sagte von Unruh. Historische Nachbauten wie die „Hansekogge“ von 1991 wären keine Traditionsschiffe mehr. Der Vorsitzende der GSHW fordert eine Abkehr von der starren Einteilung. „Es wäre gut, wenn es eine individuelle Begutachtung eines jeden Schiffes geben würde“, fordert von Unruh.

 Eine Kieler Woche ohne Traditionssegler? Da das Thema für Kiel eine große Bedeutung hat, bat Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) die Landesregierung um Unterstützung. Grundsätzlich begrüßt er es zwar, wenn neue Sicherheitsrichtlinien die Regelungen für Traditionsschiffe verschlanken helfen. Aber die neuen Bestimmungen dürften nicht zu unverhältnismäßig hohen Anforderungen führen: „Ehrenamtlich betriebene Schiffe können das dann nicht erfüllen. Dies käme einem Aus für viele Traditionsschiffe gleich.“ Kämpfer wirbt dafür, dass das zuständige Bundesministerium erneut mit den Verbänden verhandelt. Aus Berlin kam prompt ein Zeichen der Hoffnung. Auf Anfrage teilte das Ministerium mit, dass die Eingaben der Bundesländer und Verbände derzeit ausgewertet würden. Danach könne sich die Verordnung noch verändern, so das Ministerium am Abend.

Von Martina Drexler und Frank Behling

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Historische Hansekogge
Foto: Froh über die Spende der Bürgerstiftung: Fördervereins-Vorsitzender Wolf-Rüdiger Janzen nahm den Scheck für die Hansekogge von Alt-Bürgermeister Karl-Heinz Zimmer, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Charlotte Hamann (v. li.) von der Bürgerstiftung Kiel entgegen.

Unterstützung für die Kieler Hansekogge: Die Bürgerstiftung Kiel hat dem Förderverein Historische Hansekogge einen Spendenscheck in Höhe von 7200 Euro übergeben. Mit dem Geld will der Verein eine Sommerplane anschaffen, die Besucher der Kogge vor Wind und Regen schützen soll.

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