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Strengere Fangquoten weltweit

Neue Studie Strengere Fangquoten weltweit

Kieler Forscher belegen: Nur nachhaltiges Management kann den künftigen Zusammenbruch der Bestände verhindern; der Ausbau von Aquakultur hat nur geringen Effekt. Eine neue Studie zur Überfischung der Meere kommt jetzt zu einer brisanten Schlussfolgerung.

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Gehört zu den wildlebenden Fischen, die in Europa und Nordamerika am meisten gefragt sind: der Kabeljau. Kieler Wissenschaftler haben in einer Studie durchgerechnet, dass die Fischbestände weltweit der steigenden Nachfrage nicht standhalten werden.

Quelle: Andrew Parsons

Kiel. Forscher aus Kiel und Helsinki haben zum Thema Überfischung der Meere eine Studie veröffentlicht, die zu einer brisanten Schlussfolgerung kommt: Der Ausbau von Aquakulturen kann den Bestand wildlebender Fische langfristig nicht schützen. Denn die würden durch weltweit steigende Nachfrage und immer bessere Fangtechniken weiter dezimiert.

 „Wir haben untersucht, wie die biologischen Abläufe und die Ökonomie zusammenwirken, und was passiert, wenn wir nicht gegensteuern“, erklärt Prof. Martin Quaas. Er zeigte sich von dem Ergebnis sogar überrascht: „Ich habe nicht gedacht, dass es so negativ ausfällt.“ Quaas arbeitet am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Kieler Uni und ist Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltige Fischerei im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“, wo es schon seit Jahren eine Zusammenarbeit mit dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gibt.

 Sein Geomar-Kollege Prof. Thorsten Reusch zählt auch zu den Autoren, er arbeitet im Bereich Evolutionsökologie wildlebender Fische. „Mit der Uni in Helsinki arbeite ich schon eine ganze Weile zusammen“, sagt Quaas zur Zusammenarbeit bei dieser Studie, die gerade in der internationalen Fachzeitschrift „Global Chance Biology“ online erschienen ist. Als ungewöhnlich bezeichnet er den sehr langen Zeitraum bis 2048.

 „Wir haben untersucht, wie die biologischen Abläufe und die Ökonomie zusammenwirken und was passiert, wenn wir nicht gegensteuern.“ Als Beispiele griffen sich die Wissenschaftler beliebte Speisefische heraus, trugen internationale Daten zusammen, zum Beispiel von internationaler Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Sie haben die Rechnungen aufgemacht für Wolfsbarsch, Lachs, Kabeljau und Thunfisch, den am meisten gefragten Fischarten auf den nordamerikanischen und europäischen Märkten. Die beiden ersten Arten kommen inzwischen vorwiegend aus der Fischzucht, der deutsche Markt wird vor allem mit norwegischem Lachs bedient. Weltweit ist China mit der Karpfenzucht führend. Kabeljau und Thunfisch stammen aus Wildfängen. „Wir haben alle Modelle durchgespielt“, sagt Quaas. Das Team der Wirtschaftswissenschaftler, Fischerei- und Evolutionsbiologen hat mit einbezogen, wie sich der technologische Fortschritt der Fischerei auswirkt, wie die Nachfrage bei wachsender Weltbevölkerung steigt. Auch die Tatsache, dass Fische aus Aquakulturen häufig mit wild gefangenen Fischen gefüttert werden.

 Der Ausbau von Aquakulturen könne den Markt entlasten, erläutert Quaas. Aber Wachstumsraten von 15 bis 24 Prozent pro Jahr seien aus Sicht der Forscher utopisch. Co-Autor Thorsten Reusch von Geomar erklärt, dass der Bestand wildlebender Fische dem zunehmenden Druck durch eine immer effektivere Fischerei mit Blick auf 2048 nicht standhalten könne. Reusch spricht mit Blick auf den langen Studienzeitraum sogar von einem möglichen Kollaps.

 Die Forscher sind sich einig: Die Fangquoten seien weltweit viel zu hoch angesetzt. „Wir müssen über die EU hinausgehen und international Beschränkungen einfordern“, definiert Quaas die Aufgabe der Politik. Auch wenn es schon Fortschritte in der EU gebe, „müssen wir vor allem langfristiger denken“. Sonst ergebe sich eine Spirale mit immer kleineren Fischbeständen und immer höheren Preisen.

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