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Marine muss nachts die Schiffe räumen

Neue Verordnung Marine muss nachts die Schiffe räumen

Bord der Marineschiffe beginnt am 1. Januar eine neue Zeitrechnung. Nach einer neuen Verordnung, die zum Jahreswechsel in Kraft tritt, wird die wöchentliche Dienstzeit für alle 15000 Soldaten in Schleswig-Holstein künftig auf 41 Stunden begrenzt.

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Test mit der „Gorch Fock“: Im Mai musste die Crew nachts von Bord und in sechs Containern auf der Pier schlafen.

Quelle: Frank Behling

Kiel . Insbesondere für die Marine hat diese Regelung weitreichende Folgen. Um die Vorgabe einzuhalten, müssen die Soldaten nachts ihren Arbeitsplatz verlassen, dürfen also nicht mehr wie früher in ihren Kojen an Bord übernachten. Viele von ihnen müssen sich jetzt eine Wohnung an Land suchen.

Auf einer Personalversammlung der Einsatzflottille 1 in Kiel wurde der neue Kurs am Mittwoch von Vizeadmiral Rainer Brinkmann als Befehlshaber vorgestellt. Brinkmann musste Überzeugungsarbeit leisten, denn die Stimmung in der Truppe ist angespannt. Die Soldaten kritisieren die zunehmende Bürokratie. Zudem böte die sogenannte Soldatendienstzeitverordnung zu wenig finanzielle Anreize und sei insgesamt zu unattraktiv.

Auf Kommandanten kommt eine Flut von Arbeit zu. Jeder Soldat braucht in Zukunft Arbeitszeitkonten. Wird die Regelarbeitszeit von 41 Wochenstunden dauerhaft überschritten, müssen Soldaten vor Ende des Jahres in die Freizeit geschickt werden. Wie die Arbeitszeiten genau erfasst werden sollen, ist noch offen. Fest steht nur: „Es wird keinen Aufschub geben. Die Verordnung wird am 1. Januar kommen“, stellte Brinkmann klar.

Das Projekt gehört zu den Schwerpunkten von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie will damit die Attraktivität der Streitkräfte steigern. Brinkmann und sein Stab vom Marinekommando gehen davon aus, dass das Jahr 2016 durchaus „holprig“ verlaufen kann.

Die neue Verordnung kennt für Soldaten nur eine Ausnahme. „Für Einsätze wird sie außer Kraft gesetzt“, sagte Brinkmann. Bei der Pirateriebekämpfung oder der Seenotrettung steht die Stechuhr still. Dann gibt es eine Pauschale pro Einsatztag. Umso größer wird die Veränderung in den Marinehäfen sein. Die Bordwache übernehmen ab 1. Januar externe Kräfte.

Einen Test der Neuregelung hatte die „Gorch Fock“ im Mai durchlaufen. Die Bewertung von Kommandant Nils Brandt ist gemischt: „Die Verordnung trägt nicht zur Steigerung der Attraktivität bei.“ Die jungen Soldaten haben bislang gern an Bord übernachtet und die Zeit für Wachdienst genutzt.

Auch der Bundeswehrverband ist nicht mit den Plänen zufrieden. „Ein junger Soldat von Mitte 20 steckt diese Wachdienste natürlich gut weg, besonders wenn es sich finanziell auch lohnt. Dennoch geht es um die Gesundheit“, sagt Marco Thiele. Allerdings müsse auch dafür gesorgt werden, dass es für die Besatzungsangehörigen bezahlbare Unterkünfte gebe. „Das ist Teil der Fürsorge des Dienstherren. Die jetzige Form tragen wir so nicht mit.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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