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Rock ’n’ Roll mit einem Partner auf vier Rollen

Neuer Rollatortanzkursus Rock ’n’ Roll mit einem Partner auf vier Rollen

Ein Metallgestell, vier Räder, zwei Griffe und natürlich Bremsen. Wenn dann noch ein Korb samt Sitzfläche dazukommt, handelt es sich in der Regel um einen Rollator. Dass man mit der Gehhilfe nicht nur laufen, sondern auch tanzen kann, haben jüngst zehn Senioren bei einem Rollatortanzkursus in Kiel-Mitte bewiesen.

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Zusammen mit Tanzlehrer Ralf Knobloch (2. v. li.) und seiner Kollegin Johanna Bereuther (re. daneben) übten sich Senioren beim ersten Rollatortanzkursus in den Räumen der katholischen Gemeinde St. Nikolaus im Tanzen mit der Gehhilfe.

Quelle: Anna-Lena Herbert

Kiel. „Rock‘n‘Rollator“ nannte sich der Kursus der Leitstelle „Älter werden in Kiel“, der in Kooperation mit der Tanzschule Knobloch in den Räumen der katholischen St. Nikolausgemeinde stattgefunden hat. Einen Rock’n’ Roll haben die Senioren in der ersten Tanzstunde, nach dem Aufwärmen mit einem Sitz-Boogie, zwar noch nicht aufs Parkett gelegt. Aber der wird wohl in einem der späteren Kurse folgen – zusammen mit einem Tango, wie Tanzlehrer Ralf Knobloch mit einem Augenzwinkern ankündigte.

 Der 50-jährige Tanzlehrer aus Kiel leitet seit zwei Jahren spezielle Tanzkurse für Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind. Der Grund, dass er anfing sich mit dieser Art des Tanzens zu beschäftigen, war seine Mutter. Sie war in Folge einer Operation auf die Gehhilfe angewiesen. Der Rollatortanz biete älteren Menschen nicht nur die Möglichkeit, sich körperlich fit zu halten, sagt er. Der Tanz fordere durch die verschiedenen Bewegungsabläufe auch den Verstand und halte so geistig fit. Außerdem fördere er den Gleichgewichtssinn und beuge so Stürzen vor.

 Nach einer Zusatzausbildung beim Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) betreut Ralf Knobloch in Kooperation mit der städtischen Leitstelle „Älter werden“ inzwischen vier Gruppen mit mehr als 70 Teilnehmern in Ellerbek, Gaarden, Mettenhof und Schilksee. Dort wird mit den Füßen gewippt, den Armen gekreist und zwischendurch auch mal in die Hände geklatscht. Die Gruppe in Kiel-Mitte kam nun neu dazu. Unter den zehn Teilnehmern waren am ersten Tag acht Frauen. Wie auch im regulären Tanzunterricht sind Männer – Mangelware. Nur: Um die wenigen Herren braucht sich beim Rollatortanzkursus keine Dame zu streiten: Tanzpartner ist ja der Rollator.

 Mit ihrer Gehhilfe war auch Gerda Kinski gekommen. Mit 92 Jahren war die Älteste in der Runde – und ein Beispiel dafür, dass man für den Rollatortanz, so Knobloch, keine bestimmten Voraussetzungen mitbringen müsse. Weder ein hohes Alter, noch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit seien ein Hindernis, sagte der Tanzlehrer. Er hatte die Senioren gleich zu Beginn der Stunde darauf hingewiesen, dass sie jederzeit eine Pause machen und sich für die Tanzübungen individuell Zeit nehmen könnten.

 So tippte der eine Teilnehmer dann bereits mit der Fußspitze auf den Parkettboden, während die andere Tänzerin im Kreis dahinter noch die Bremsen ihres Rollators betätigte. Spaß hatten sie dabei jedoch alle. Und in der nächsten Stunde geht es dann ja vielleicht schon mit den ersten Tanzbewegungen im Rock’n’Roll-Stil weiter.

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