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Neuer Trend: Lotusgeburt Suche nach dem sanften Start

Haben Sie schon einmal von einer Lotusgeburt gehört? Deutschlandweit wird diese Geburtsform vor allem in den sozialen Netzwerken diskutiert.

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Die Nabelschnur bleibt nach der Geburt so lange mit der Plazenta verbunden, bis sie von alleine abfällt.

Quelle: Sebastian Kaulitzki

Kiel. Um ihren Neugeborenen einen sanften und natürlichen Start ins Leben zu ermöglichen, verzichten immer mehr Mütter auf das Durchtrennen der Nabelschnur gleich nach der Geburt. Stattdessen soll sich die Nabelschnur auf natürlichem Wege lösen. Zudem soll das Baby bis dahin mit der Plazenta (Mutterkuchen) verbunden bleiben. Die Industrie ist schnell auf diesen Trend aufgesprungen. Überall im Internet werden Kräuter, Säckchen und Salz für diese Geburtsart angeboten. Dadurch, dass es in Kiel kein Geburtshaus mehr gibt, müssen Interessierte bislang noch auf andere Städte wie Preetz oder Eckernförde ausweichen. Zudem stehen die Kieler Kliniken dem Trend noch skeptisch gegenüber. Anne Jandt (32) hat dennoch eine Hebamme gefunden, mit der sie ihr zweites Kind als Lotusgeburt zur Welt gebracht hat.

Als ihr erstes Kind 2013 in Kiel auf die Welt kam, war Anne Jandt eher geschockt. „Im Krankenhaus ging alles schnell und war hektisch. Das war keine schöne Atmosphäre für ein Neugeborenes“, erzählt die junge Mutter. Als sich dann 2015 Kind Nummer zwei ankündigte, war für die ehemalige BWL-Studentin klar: „Das Kind soll entspannter auf die Erde kommen.“ Über Foren zu natürlicher Geburt erfuhr sie von der Lotusgeburt und fand es einleuchtend: „Die Verbindung zwischen Müttern und Kindern über den Bauchnabel ist doch etwas ganz Besonderes. Fast magisch.“ Mit ihrem Mann war sie sich schnell einig, dass es eine Hausgeburt werden sollte. „Leider zogen sich dann aber die Wehen so hin, dass wir schließlich doch ins Krankenhaus mussten“, erzählt Anne Jandt.

Salz zieht Feuchtigkeit heraus

Mehr als eine Stunde nach der Geburt wurde dann die Plazenta geboren. „Eine Plazenta ist wunderschön, mit Adern, fast wie Lebensadern“, sagt sie. „Ohne sie wäre kein Leben möglich.“ Zu Hause legte das junge Elternpaar die Nachgeburt zum Trocknen mit einer Mischung aus Steinsalz, Lavendelöl, Thymian und getrockneten Rosenblüten ein. Anschließend wurde das Ganze noch mit einer dicken Salzschicht versehen und in Geschirrtücher gewickelt. „Im Grunde ist das wie Fleisch pökeln. Das Salz zieht alle Feuchtigkeit heraus“, sagt sie.

Wenn Anne Jandt sich mit ihrem Baby in der Wohnung bewegen wollte, waren Nabelschnur und die Plazenta in einem Stoffbeutel dabei. Der Umgang mit Baby plus Anhang sei anfangs aber ziemlich gewöhnungsbedürftig gewesen. „Wenn wir das Baby übergeben haben, reichte es nicht, sich auf das Kind zu konzentrieren. Man musste ja auch den Beutel mitreichen, der durch das ganze Salz ziemlich schwer geworden war.“ Deswegen sei sie einfach viel im Bett geblieben. Und habe es genossen. „Früher sollten die Mütter ja zehn Tage im Wochenbett liegen. Das hatte schon seinen Sinn.“

"Es ist nicht egal, wie wir gebären"

Im Schnitt dauert es drei bis zehn Tage, bis die Nabelschnur von ganz alleine abfällt. Solange wollten die jungen Eltern eigentlich warten. Aber zwei nicht geplante Schwierigkeiten sorgten dafür, dass sie ihre kleine Tochter dann doch nach drei Tagen abnabelten: Zum einen war die Nabelschnur so kurz, dass jeder Stillakt zum Problem wurde. Zum anderen war der ältere Bruder so ein Wirbelwind, dass die Sorge bestand, er könnte die Nabelschnur irgendwann aus Versehen abreißen. „Das Ganze war für uns nicht praktikabel“, sagt Anne Jandt. „Mein Mann nahm dann ganz unspirituell die Kneifzange und durchtrennte die Nabelschnur. Die Plazenta haben wir weiter gepflegt und getrocknet, bis die Großeltern sie schließlich mitnahmen und einen Pfirsichbaum drauf pflanzten.“

Anne Jandt wünscht sich noch weitere Kinder. „Ich könnte mir wieder eine Lotusgeburt vorstellen, dann aber wirklich zu Hause“, sagt die junge Frau, die sich seit ein paar Jahren im Kieler Verein Geburt engagiert. „Leider ist die außerklinische Geburt vom Aussterben bedroht“, bedauert sie. „In Schleswig-Holstein gibt es mit Lübeck und Bad Oldesloe nur noch zwei Geburtshäuser, nachdem das Kieler Geburtshaus geschlossen wurde.“ Sie ist sich sicher: „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden. Es ist nicht egal, wie wir gebären. Eine Geburt gibt Ausschlag für das ganze zukünftige Leben von Mutter und Kind.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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