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Neues Flüchtlingsdorf auf dem Nordmarksportfeld

Erstaufnahmeeinrichtung Neues Flüchtlingsdorf auf dem Nordmarksportfeld

Es ist ein Kampf gegen die Zeit, Matsch und Schlamm. Hinter dem Nordmarksportfeld entsteht auf zwei alten Hockeyplätzen ein Flüchtlingsdorf für 500 Menschen. Die Erstaufnahmeeinrichtung soll am 1. September fertig sein.

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Bauleiter Markus Gamm hat alle Hände voll zu tun, um den Bau des Flüchtlingsdorfes in Kiel zu koordinieren.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Es ist derzeit eine der größten Baustellen in Kiel. Die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes soll am 1. September fertig sein, weil vier Tage später die Flüchtlinge erwartet werden. Die 25 Mann legen schon jetzt Sonderschichten ein und werden wohl das kommende Wochenende durcharbeiten müssen, um insgesamt 443 Container ordentlich aufzustellen.

 Auf den 18000 Quadratmetern wird an jeder Ecke gearbeitet. Hier schichten Kräne die Wohnboxen übereinander, dort tragen Bagger Mutterboden ab, planieren Radlader aus Schotter die Fundamente für Kantine, Kindertagesstätte und Sprachschule. Mittendrin steht Markus Gamm wie ein Fels in der Brandung. „ Sechs bis sieben Dörfer haben wir schon gebaut, zuletzt in Rendsburg“, erzählt der Bauleiter der Firma Sani. Ständig hängt er am Telefon, der Schotter reicht nicht. Dafür stauen sich aber die Tieflader mit den Containern auf fast der gesamten Länge der Straße Kopperpahler Teich, der Zufahrt von der Eckernförder Straße. „Heute kommen 30 Container, 70 haben wir schon aufgestellt“, sagt er. Seit anderthalb Wochen sind sie bei der Arbeit, haben Gräben gezogen für Strom- und Wasserleitungen, den Untergrund abgetragen, einen Zaun um das gesamte Areal gestellt.

 Zwei Asylsuchende sollen sich einen Container teilen. Die schmucklosen Kästen sind teilweise schon eingerichtet. In einigen stehen Etagenbetten, in anderen Tisch und zwei Stühle. Schränke sollen die Einrichtung komplettieren. Zwei Wochen bleiben Gamm und seinen Männern jetzt noch, das Dorf mit insgesamt 443 Containern aufzubauen. Es wird aus sieben einzelnen Wohnquartieren bestehen, die auf dem Platz verteilt angeordnet werden. Jedes dieser Quartiere besteht aus zwei L-förmigen Container-Gebilden, deren kurze Schenkel einander gegenüberliegen. In der Mitte sind Höfe und die Sanitäreinrichtungen geplant. Am Eingang am Kopperpahler Teich entsteht ein großes Gebäude, in dem die Flüchtlinge empfangen und registriert werden. Daneben liegen Containerreihen für Polizei, DRK und andere Hilfseinrichtungen. Ein Stück weiter gibt es mit der Kantine und Freizeiträumen im darüberliegenden Stockwerk das größte Gebilde. Kindertagesstätte und Sprachschule liegen an der anderen Ecke an hinteren Ende des Platzes.

 Wieder rollt ein Lkw auf das matschige und völlig aufgeweichte Feld zu einem der zwei großen Mobilkräne. Sofort stehen Arbeiter bereit, schlagen den Container an, der Augenblicke später durch die Luft schwebt und auf einen anderen gestellt wird. Männer richten ein Stück weiter die Fundamente mit Betonplatten aus, damit kein Flüchtling aus dem Bett kullert, weil die Box schief steht. Überall drehen sich dröhnend Maschinen, schieben und kratzen am Boden, buddeln Gräben. Gamm macht die Dimension der Baustelle klar: „Auf diesem Gelände könnten 20 Einfamilienhäuser mit 900 Quadratmetern Grundstück stehen. Die normale Bauzeit wäre vier bis fünf Monate“, sagt er. Die Planer haben berechnet, dass der tägliche Strombedarf etwa 2,2 Megawatt beträgt – das entspricht in etwa der täglichen Leistung eines großes Windrades.

 Das Areal, auf dem Flüchtlinge aus Kriegsgebieten untergebracht werden, hat selbst eine Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg stand in jeder Ecke eine Flak, um Kiel vor Angriffen zu schützen und feindliche Flieger abzuwehren. Nach dem Krieg wurde das Gelände mit Trümmern aus der zerstörten Stadt aufgefüllt. Wie bei Großprojekten heutzutage üblich, untersuchen Spezialisten das Areal auf Blindgänger – gefunden haben sie bisher nichts. Ausgebuddelt haben die Arbeiter aber einen alten Stahlhelm, den Bauleiter Gamm zeigt. „Der Träger dürfte nicht überlebt haben“, meint er und deutet auf ein kleines Loch an der Seite.

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Günter Schellhase
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