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Flüchtlinge schreiben für Flüchtlinge

Neues Magazin Flüchtlinge schreiben für Flüchtlinge

Rote Häuser, das Urheberrecht im Internet, die Wirtschaft in Schleswig-Holstein – das sind nur einige Themen in einem neuen Magazin, das Flüchtlinge in Kiel für Flüchtlinge geschrieben haben.

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Die Redaktion von „Lebenswege“ präsentiert die Erstausgabe ihres Magazins, das mit Unterstützung der Beratungsstelle ZBBS entstand. Die 2000 Exemplare werden in Flüchtlingsunterkünften und an öffentlichen Stellen kostenlos ausliegen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Aber nicht nur für sie. Ab heute wird die Erstausgabe von „Lebenswege“ kostenlos in Kiel verteilt. „Wir wollen mit dem Projekt Flüchtlinge über die Kultur und Politik in Deutschland informieren“, erklärt Fadi Shalhoub (31), syrischer Journalist und Chefredakteur des 20-köpfigen Redaktionsteams, „gleichzeitig wollen wir aber auch der deutschen Bevölkerung Einblick in unser Leben, unsere Kultur, unsere Gedanken geben.“ So hat der Syrer Moufak Dallo für die Erstausgabe ein Interview mit Muwaffaq Zuraykist geführt. Der Forscher und Schriftsteller kritisiert das arabische und islamische Denken und gehört zu den Mitbegründern des Projekts „Watan“. Dahinter verbirgt sich eine breite zivile Bewegung , in der sich inzwischen Hunderte Gruppen in Syrien und anderen Ländern zusammengeschlossen haben. Das Ziel ist der Aufbau einer Demokratie. „Wir wollen ein friedliches Land aufbauen, die Gleichheit zwischen den Menschen schaffen und dem Gesetz alle Kraft geben. Und wir wollen aufdecken, wer Radikaler in religiöser Hinsicht ist“, sagt Zuraykist in dem lesenswerten Interview.

"Ohne Deutsch fällst du hier durch"

Die Arbeit des Redaktionsteams hat vor vier Monaten begonnen. „Es war nicht immer einfach, weil die Mitglieder aus dem Jemen, Iran, Irak, Marokko und Syrien kommen und viele noch Probleme mit der deutschen Sprache haben. Deshalb sind wir froh, dass wir von einigen Deutschen Unterstützung bekommen haben “, sagt der Chefredakteur, der wie alle anderen ehrenamtlich arbeitet. Ursprünglich sollten die Artikel in mehreren Sprachen erscheinen. Aber es fanden sich nicht genügend Übersetzer. So ist die Erstausgabe mit Deutsch und Arabisch zunächst nur zweisprachig. Einzige Ausnahme: Ein Liebesgedicht und ein Artikel von Abdulla Mohammad auf Kurdisch. „Mit meinem Gedicht wollte ich unsere Kultur und Sprache beleben. Denn kurdische Schriftsteller schreiben auf Arabisch, weil wir in der Schule nie kurdisch schreiben gelernt haben. Wir durften es noch nicht einmal sprechen“, erklärt der Kurde aus Syrien. In seinem Artikel klärt er über die vielen Wege auf, Deutsch zu lernen. Der Kurde will damit seine Landsleute motivieren, die Sprache der neuen Heimat zu lernen. „Ohne Deutsch fällst du hier durch“, sagt der 31-Jährige.

Die nächste Ausgabe ist in Arbeit

Es geht aber auch um die deutsche Kultur in „Lebenswege“. So hat Elina Mohamed (25) ein Porträt über das Kieler Opernhaus verfasst. Außerdem wird über die Wirtschaft in Schleswig-Holstein informiert und über das Urheberrecht im Internet. „Viele Flüchtlinge wissen nicht, dass man hier nicht einfach alles aus dem Internet herunterladen darf. Wir wollten aufklären, was erlaubt ist und welches die Folgen sind, wenn man sich nicht daran hält“, sagt Shalhoub. Das Team arbeitet bereits an der nächsten Ausgabe und hofft auf Anregungen der Leser. „Wir würden uns freuen, wenn auch aus der Bevölkerung Themen vorgeschlagen werden. Auch weitere Mitarbeiter sind willkommen.“ Finanziert wird der Druck aus Spenden, die der NDR mit seiner Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ gesammelt hat.

Was aber verbirgt sich hinter der Überschrift „Rote Häuser“? Ein Artikel über die Häuser aus rotem Backstein, klärt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Susanne Westphal auf. Diese Gebäude aus Backstein würden vielen Flüchtlingen auffallen. Und sie würden berichten, dass sie solche Häuser früher nur aus Kinderbüchern gekannt hätten – als „Heidi-Häuser“.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Kieler Förde

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der Kieler Förde, dem
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