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Neues Tretboot-Projekt: Abheben wie Ikarus

FH-Kiel Neues Tretboot-Projekt: Abheben wie Ikarus

Nach dem „Förderacer“ bauen Studenten der Kieler Fachhochschule bereits an einem neuen Tretboot. „Ikarus“ soll fliegen können. Und: Man will den Geschwindigkeitsrekord brechen.

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Nur Fliegen ist schöner: Helge Rixen und Magdalena Heibeck legen eine Trainingseinheit auf dem Förderracer ein.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Tretbootfahren gehört für viele Familien zum Sommerspaß dazu. Für Helge Rixen, Britta Wodecki, Magdalena Heibeck, Jost Kemper und Jonathan Thal ist es eine gute Möglichkeit, Theorie in die Praxis umzusetzen. Die 24- und 30-Jährigen studieren an der Fachhochschule Kiel Schiffbau oder Maschinenbau und betreuen mit fünf weiteren Mitstreitern das Projekt „Förderacer“ – ein Tretboot, das mit bis zu elf Knoten übers Wasser gleitet.

 Seit es 2011 noch von einer anderen Gruppe fertiggestellt und stetig optimiert wurde, ist es jedes Jahr bei der International Waterbike Regatta (IWR) im Einsatz. Bei der Weltmeisterschaft im Mai in Wien belegte das Förderacer-Team den 14. Platz von 34 teilnehmenden Tretbooten unterschiedlichster Bauweise. Und weil die Studenten der Ehrgeiz gepackt hat, sind sie bereits dabei, ein ganz neues, schnelleres Tretboot zu entwickeln: Arbeitsname „Ikarus“.

 Es sieht schon ein wenig komisch aus, wenn Magdalena Heibeck und Helge Rixen schräg zur Fahrtrichtung sitzend in der Schwentinemündung umherflitzen. Beim etwa sechs Meter langen und zwei Meter breiten Doppelrumpfboot aus Kohlefaser-Komposit heißt es, ordentlich in die Pedale treten. Denn die Muskelkraft wird beim „Förderacer“ über Tretlager und eine Fahrradkette auf die Antriebswelle mit dem Propeller geleitet. Damit wird eine Geschwindigkeit von bis zu elf Knoten erreicht.

 Seit dem ersten Rennen 1980 in Hannover messen sich jedes Jahr etwa 300 Studenten aus vielen Ländern an drei Tagen in verschiedenen Disziplinen, darunter Sprint, Slalom und Langstrecke. Das Kieler Tretboot-Projekt begann Anfang der 80er-Jahre noch mit der Jaffa-Kiste, dem Vorläufer des „Förderacers“. „Das Projekt wird von Jahrgang zu Jahrgang weitergegeben“, sagt Jost. 2014 haben die jetzigen FH-Studenten den „Förderacer“ übernommen und regelmäßig weiterentwickelt. „Wir haben bereits einen neuen Propeller und ein neues Ruder gebaut“, sagt Jost. Dennoch hat das Boot Schwächen beim Slalom und Rückwärtsfahren. „Wir haben eine Schallgrenze erreicht, bei der das Boot nicht mehr zu optimieren ist“, sagt Helge. Und Magdalena bringt es auf den Punkt: „Wir brauchten eine neue Herausforderung.“

 So wurde die Idee von „Ikarus“ geboren. Dabei können die Studenten wirklich ihr theoretisches Ingenieurwissen in die Praxis umsetzen. „Man lernt etwas fürs Leben und den Beruf. Wie man Probleme angeht und organisiert. Vor allem lernt man, dass alles doppelt so lange dauert als geplant“, nimmt Jost manchen Rückschlag mit Humor. Denn eigentlich sollte das neue Boot schon dieses Jahr an den Start gehen. Bei der WM in Danzig im kommenden Jahr soll es aber bestimmt ins Rennen gehen. Bisher ist es nur als 3D-Computermodell vollständig zu bewundern.

 Der Name kommt nicht von ungefähr: „Die Kernidee ist, dass das Boot fliegen kann“, strahlt Magdalena. Mit einem Tandemrahmen ist das neue Tretboot noch mehr an ein Fahrrad angelehnt. Der Lenker bewegt das Steuerruder, Tragflügel unter dem Ruder und dem Schwert sollen später das Tretboot zum „Fliegen“ bringen. Schließlich will man den Geschwindigkeitsrekord brechen.

 Mit Hilfe von Sponsorengeldern konnten schon einige Elemente des neuen Tretbootes angefertigt werden. Rund 8000 Euro an Materialkosten stecken in dem Projekt. Die FH unterstützt die Studenten mit Maschinenstunden. Damit ist die Ikarus-Crew ihrem Ziel, bei der nächsten WM in Danzig weiter vorne zu landen, schon ganz nahe: Mit einer errechneten Geschwindigkeit von mehr als 15 Knoten oder 28 Stundenkilometern zählt „Ikarus“ zu den schnellsten Tretbooten. Außerdem ist laut Jost bei dem neuen Projekt noch Luft nach oben: „Wir können ja immer auch noch optimieren.“

 

Unterstützer gesucht

 Das Förderacer-Team sucht noch Unterstützung von FH-Studenten, die aber nicht Schiff- oder Maschinenbau studieren müssen. Wer Lust hat, mitzumachen, kann sich per E-Mail an foerderacer@fh-kiel wenden.

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