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Aus dem Blickwinkel der Arbeiter

Neumühlen-Dietrichsdorf Aus dem Blickwinkel der Arbeiter

Unzählige Stunden hat Sönke Petersen in Archiven, Chroniken, privaten Aufzeichnungen und alten Zeitungen über Neumühlen-Dietrichsdorf geforscht. Aus dem Material hat er ein Geschichtsbild über die Ostufergemeinde vom Ende der „Dänenzeit“ 1864 bis zur Eingemeindung nach Kiel 1924 geformt.

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Sönke Petersen (75), von 1982 bis 2003 Vorsitzender des Ortsbeirates Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf und heute Vorsitzender des Industriemuseums Howaldtsche Metallgießerei, hat mit seinem Buch „Arbeiterbewegung, Kommune und Howaldtswerke“ ein Geschichtsbild über Neumühlen-Dietrichsdorf von 1864 bis zur Eingemeindung nach Kiel 1924 geschrieben.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Das veröffentlicht er jetzt in dem Buch „Arbeiterbewegung, Kommune und Howaldtswerke“. Es ist die erste zusammenfassende Darstellung über die spannende Zeit des Umbruchs vom beschaulichen Dorf zur prosperierenden Industrievorortgemeinde.

Möglichst vielen Menschen die Geschichte des Kieler Ostufers näherzubringen war immer schon Anliegen von Sönke Petersen. Das war so, als er den Ortsbeirat von 1982 bis 2003 führte und war später nicht anders bei seinen Stadtteilführungen und als Vorsitzender des Fördervereins Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei. Des Öfteren wurde er gefragt, eine Chronik über Neumühlen-Dietrichsdorf zu schreiben. Es gibt zwar einige Schriften, die sich auch mit den Gemeinden Neumühlen und Dietrichsdorf – 1907 zu einer Gemeinde vereint – befassen. Meist aber nur am Rande. Und die Chroniken über die Howaldtswerke behandeln in erster Linie die Entwicklung der Schiffswerft. Deren immense Auswirkungen auf den Ort und den dort lebenden Menschen wird jedoch wenig Raum gegeben.

Gemeinde war Hochburg der Arbeiterbewegung

„Wurde etwas geschrieben, passierte das meist aus bürgerlicher Sicht“, sagt Sönke Petersen. Dabei waren damals 80 Prozent der Einwohner Neumühlen-Dietrichsdorfs Arbeiter, meist Werftarbeiter. Kein Wunder also, dass die Gemeinde – neben Kiel und Gaarden – zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung wurde. „Diese Geschichte mit den beteiligten Menschen und ihren Arbeitsstätten wollte ich erzählen", sagt der 75-Jährige. Das hatte er auch schon lange vorher in zahlreichen regionalgeschichtlichen Aufsätzen und als Mitautor mehrerer historischer Bücher gemacht. Für ein umfassendes alleiniges Werk war die Zeit aber noch nicht reif. Die Arbeit als Vorsitzender im Ortsbeirat, im Ortsverein der SPD, als Initiator und Sprecher des Rates für Kriminalitätsverhütung und im Förderverein banden viele Kräfte. Geblieben ist bis heute der Vorsitz im Förderverein. Die gewonnenen Freiräume nutzte Sönke Petersen für seine Geschichtsleidenschaft.

Die Buchplanungen erhielten erste Umrisse, als der Neumühlen-Dietrichsdorfer in den Ruhestand ging, sich als Gasthörer an der Christian-Albrechts-Universität einschrieb und fünf Jahre Geschichtsvorlesungen lauschte. „Das hat mir sehr geholfen, wissenschaftlich zu arbeiten", sagt er. Vor vier Jahren war die Zeit dann reif für das Buchprojekt. Stadt- und Landesarchive wurden sein Zuhause, Zufälle bescherten ihm unerwartete Informationen. Er entdeckte historische Quellen wie die umfangreichen „Spitzelberichte“. Darin haben Vogte des Kirchspiels Schönkirchen und später Polizisten in handschriftlichen Notizen das Treiben der Sozialdemokraten im Ort, etwa bei Versammlungen, akribisch festgehalten.

Fortsetzung wohl nicht möglich

„Es ist ein ganz besonderes Gefühl, das Buch endlich in Händen zu halten“, freut sich Petersen. Ihm ist klar, dass es sehr umfangreich geworden ist. Kürzen habe er es aber nicht wollen. Die Brunswiker Stiftung hat den Druck finanziert. Ob es eine Fortsetzung gibt? Wohl nicht. Mit der Eingemeindung 1924 seien die Archive nur lückenhaft weitergeführt worden, bedauert Petersen.

„Arbeiterbewegung, Kommune und Howaldtswerke“

242 Seiten und als Book-on-Demand sowie im Buchhandel (ISBN: 978-3-86460-427-0) zum Preis von 20 Euro erhältlich.

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