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Eine der großen Straßen des Landes

Niemannsweg Eine der großen Straßen des Landes

Es war im Juni 2013, als Prof. Kai Detlev Sievers anfing, über den Niemannsweg zu forschen. Jetzt ist sein prachtvolles Buch „Der Niemannsweg – Geschichte einer Straße, ihrer Menschen und Häuser in Kiel-Düsternbrook“ erschienen.

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Im Internet fand der Kieler Sammler Hauke Hansen diese alte Postkarte vom Niemannsweg.

Quelle: Hauke Hansen

Düsternbrook. Bei seiner Reecherche kam der Volkskundler im Kieler Rathaus ohne die Einwilligung der Grundbesitzer für die Einsicht ins Bauaktenarchiv nicht weiter. Also verfasst er eine Einverständniserklärung, kopierte sie 74 Mal, setzte seine karierte Schirmmütze auf, klemmte die bordeauxrote Aktentasche unter den Arm und machte sich auf den Weg. An 74 Haustüren klingelte er und stellte gleich klar: „Ich will nichts verkaufen. Ich bin selbst Bewohner Ihrer Straße und forsche über den Niemannsweg.“ Die Türen wurden ihm mit Freude geöffnet. Jetzt ist sein prachtvolles Buch „Der Niemannsweg – Geschichte einer Straße, ihrer Menschen und Häuser in Kiel-Düsternbrook“ erschienen.

 „Das ist mein letztes Buch“, sagt er mit einem Schmunzeln im Blick. So ganz mag man das dem umtriebigen Wissenschaftler nicht glauben. Kai Detlev Sievers hat so viel in seinem Forscherleben veröffentlicht, dass man die Bücher und Aufsätze gar nicht mehr zählen kann. Bis 1996 war er Professor und Direktor am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Uni Kiel. Die Sozial- und Kulturgeschichte ist sein Steckenpferd. Dass nun der Niemannsweg zum Forschungsobjekt wurde, ist eigentlich nur logisch. Denn seit 1955 wohnt Sievers im Niemannsweg. Die Straße ist seine Heimat, seine Wurzel.

 „Eigentlich war der Niemannsweg ein unscheinbarer Feldweg und hieß ursprünglich Hohenbergsredder“, erzählt Kai Detlev Sievers. „Irgendwann packte mich die Neugier. Ich wollte wissen, was sind das für Menschen, die hier lebten? Wie sahen die Häuser damals aus?“ Er tauchte tief ein in die Akten des Kieler Stadtarchivs, des Bauaktenarchivs, des Landesdenkmalamtes. Immer die Zeit von 1873 bis 1945 im Blick. Doch das Spannende seien eher die Familiengeschichten gewesen. Oft über zig Umwege entstanden Kontakte zu ehemaligen Hausbewohnern, deren Verwandten und Bekannten. Etliche der vielen Fotos im Buch stammen aus privaten Alben. Und dann half noch der Kieler Hauke Hansen, der alte Postkarten sammelt. Durch Zufall hörte er von dem Sievers-Projekt und bot spontan seine Hilfe an. 22 seiner Postkarten finden sich nun im Buch wieder.

 Auf über 200 Seiten kommen viele bedeutende Kieler Persönlichkeiten vor. Der Soziologe Ferdinand Tönnies und der Oberlehrer Otto Mensing lebten hier, aber auch Familien wie die Ahlmanns, Diederichsens oder Lubinus’. „Die Geschichte des Niemannswegs ist wechselvoll, und so unterschiedlich waren auch seine Bewohner“, so der 82-Jährige. Professoren der Universität lebten hier, Seeoffiziere der kaiserlichen Marine, Unternehmer, Ärzte und Rechtsanwälte. „Der Niemannsweg ist nicht irgendeine Straße, sondern eine der großen Straßen des Landes.“

 Wie bedeutend diese Straße ist, wird auch bei der Präsentation des Buches deutlich. Im „Kieler Kaufmann“ versammeln sich Bürgermeister Peter Todeskino, Dr. Jürgen Jensen von der Gesellschaft der Kieler Stadtgeschichte, der das Werk herausgegeben hat, Verleger Dr. Sven Murmann sowie Dr. Dieter Hartwig vom Ortsbeirat. Trotz der Renovierung und Erweiterung atmet man in dem Hotel am Niemannsweg in jedem Winkel, an jeder Ecke Geschichte. Einst lebte hier die Bankiersfamilie Ahlmann. „Hier hinten im Arbeitszimmer wurde mein Vater geboren“, erzählt Christoph Ahlmann-Eltze, der ebenfalls zur der Buchvorstellung gekommen und schon mächtig gespannt ist. Kaum hat er ein Exemplar in der Hand, blättert er vorsichtig durch die Seiten. Bei einem Bild stutzt er. Es zeigt eine sommerliche Festgesellschaft im weitläufigen Park des Hauses. „Das kenne noch nicht einmal ich“, sagt er begeistert. „Das war bestimmt eines der zahlreichen Familienfeste.“ Christoph Ahlmann-Eltze ist nicht seinen Vorfahren ins Bankgeschäft gefolgt. Er ist Buchhändler in Bordesholm geworden. Klar, dass er nun auch das Buch über seine Familiengeschichte auf den Verkaufstischen präsentieren wird.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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