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Nikolaikirche kommt unter die Haube

Kiel Nikolaikirche kommt unter die Haube

Tag für Tag wächst derzeit ein riesiges Baugerüst rund um die Nikolaikirche am Alten Markt in die Höhe. Das älteste Gotteshaus der Stadt bekommt ein neues Dach und soll damit mehr denn je zu einem weithin sichtbaren Blickfang werden. Hinter der Baumaßnahme stehen jedoch vor allem Sicherheitsaspekte. Das alte Dach ist stark sanierungsbedürftig.

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Pastor Matthias Wünsche und Kirchenvorsteher Prof. Dr. Klaus Blaschke präsentieren die neuen Ziegel, die das Dach von St. Nikolai künftig zum weithin sichtbaren Hingucker machen werden.
Unterdessen wächst das Baugerüst rund um die Nikolaikirche in die Höhe.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Leuchtend rot statt eintönig braun oder mausgrau: Die neuen Dachziegel, die in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landeskirchenamt ausgewählt worden sind, orientierten sich wesentlich dichter an der ursprünglichen Eindeckung als die Dachpfannen aus der Nachkriegszeit, erklärt Pastor Matthias Wünsche. Die alten Ziegel sollen nun herunter, vor allem aus Sicherheitsgründen.

 Denn nach jedem Sturm und sogar nach plötzliche Windböen seien immer wieder herab gefallende Dachziegel oder Verstrichbeton rund um die Kirche zu finden gewesen, erklärt Wünsche. Häufig musste die Kirche weiträumig abgesperrt werden, regelmäßige Reparaturmaßnahmen waren die Folge. Kurzum: Nach knapp 60 Jahren ist das Dach schlichtweg erneuerungsbedürftig.

 Bei der Planung der Maßnahme wurden Erinnerungen an die Zerstörung und den Wiederaufbau der Kirche wach. Nach einem Großangriff auf Kiel am 22. Mai 1944 blieb von St. Nikolai nur eine Ruine übrig. Der Turm war schwer beschädigt, von den Umfassungsmauern stand gerade noch ein Fünftel. „Am Ende des Krieges bedeckten Schutt und Trümmer die Gegend um den Alten Markt“, erzählt Kirchenvorsteher Prof. Dr. Klaus Blaschke. Erst 1949 kam es zu Gesprächen über den Wiederaufbau der Nikolaikirche, deren Ursprung in das 13. Jahrhundert zurückreicht.

 Am Pfingstsonntag, 14. Mai 1951, konnte der Hauptraum der Kirche feierlich wieder eingeweiht werden – allerdings vorerst unter einem Flachdach. 1953 wurde dann der 76 Meter hohe Turm wiederhergestellt. Und 1957 endlich wurde über dem Flachdach das steile Satteldach ausgebaut. Die Kirche sei heute also im wahrsten Sinne doppelt bedacht, sagt Wünsche.

 Das von außen sichtbare Ziegeldach muss jetzt erneuert werden. Generell sind Dachziegel aus der Nachkriegszeit oft von minderer Qualität. Außerdem sitzen viele der Ziegel locker und könnten sich beim nächsten Sturm lösen. Der Gerüstbau an einem besonderen Bauwerk wie St. Nikolai bringt natürlich so manche Herausforderung mit sich. Das Baugerüst soll bis zur Kieler Woche stehen, damit ab Juli die Dacharbeiten beginnen können. Dann werden zunächst die alten Ziegel heruntergenommen und erforderliche Zimmereiarbeiten am Dachstuhl ausgeführt. Vom 4. August bis zum 30. September sollen dann rund 27.000 neue Ziegel auf einer Dachfläche von 1800 Quadratmetern ihren Platz bekommen. Dabei bleibt das vorhandene Flachdach – auch aus Gründen des Denkmalschutzes – erhalten.

 Bei der Finanzierung geht es für die Offene Kirche St. Nikolai ans „Eingemachte“. Rund 470.000 Euro wird die Sanierung voraussichtlich kosten. 15 Prozent davon übernimmt der Kirchenkreis Altholstein. Der Rest muss überwiegend aus Rücklagen der Gemeinde erfolgen. „Das ist zwar ein Schlag ins Kontor“, sagt Wünsche, „Aber die Maßnahme dient ja nicht in erster Linie der Verschönerung, sie ist absolut nötig.“ Spenden seien herzlich willkommen.

 Dennoch: Pastor Matthias Wünsche und Kirchenvorsteher Klaus Blaschke freuen sich auch darüber, dass das rote Kirchendach künftig ein richtiger Hingucker zwischen all den Neubauten im Umfeld sein wird. „Wir wollten ein gewisses Zeichen setzen“, so Blaschke. Wenn alles nach Plan läuft, ist die Neueindeckung zur 350-Jahr-Feier der Christian-Albrechts-Universität Anfang Oktober abgeschlossen.

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