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Kiels klügste Köpfe zum Uni-Geburtstag

Nobelpreisträger Kiels klügste Köpfe zum Uni-Geburtstag

Was für ein Geschenk: Pünktlich zum 350. Geburtstag der Kieler Universität blicken nun vier ihrer klügsten Köpfe im Ratsdienergarten ernst und weise von ihren 1,60 Meter hohen Granitsockeln auf die Betrachter herab.

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Unter den Augen Otto Diels kamen sie zur Einweihung (von rechts): Katrin Birr (Rotary Club Kieler Förde), OB Ulf Kämpfer, Redelf Habben (Rotary Club Kiel-Eider), Bildhauer Jörg Plickat, Katrin Scharrenberg (Enkelin Otto Diels), Reiner Bock (Rotary Club Düsternbrook), Ministerpräsident Torsten Albig, Friedhelm Klingenburg (Rotary Club Kiel-Eider) und Klaus Teske (Rotary Club Kiel).

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Finanziert wurden die Büsten der Nobelpreisträger zu je 12.500 Euro von den vier Kieler Rotary Clubs, um damit auch eine ruhmreiche Seite der Stadt Bürgern und Besuchern gleichermaßen ins Bewusstsein zu rufen.

Eigentlich könnte sich Kiels Alma Mater ja sogar mit sieben Preisträgern dieser weltweit prestigeträchtigsten Auszeichnung rühmen. Dass es mit Max Planck (Physik), Otto Diels (Chemie), Otto Meyerhof (Medizin) und Eduard Buchner (Chemie) dann nur vier auf den Sockel im Ratsdienergarten schafften, hatte unter anderem finanzielle Gründe. „Vier Clubs, vier Büsten“, brachte es Redelf Habben vom Kunstprojektausschuss der Kieler Rotarier auf den Punkt.

 Dennoch gelobte Habben eine „Nachbesserung“, wenn die finanziellen Mittel bereitstünden – zumindest für zwei weitere Büsten der in Kiel wirkenden Nobelpreisträger Theodor Mommsen (Literatur) und Kurt Alder (Chemie). Dem Physiker Philipp Lenard wird die Ehre einer Bronzebüste trotz seines Nobelpreises (1905) allerdings wohl dauerhaft versagt bleiben. Der Grund dafür steht auf einer Erläuterungstafel am Eingang zum „Walk of Science“, wie der Bildhauer Jörg Plickat die Gedenkanlage mit ihren Büsten in Anlehnung an Hollywoods „Walk of Fame“ nennt. So klärt der Text auf der Tafel Besucher darüber auf, dass Lenard als ehemaliger Ordinarius für Physik an der Kieler Universität seine „Reputation durch die Entwicklung einer rassistischen und antisemitischen Wissenschaftstheorie beschädigte.“

 Auf diese „dunkle Seite in dunkler Zeit“ des Nationalsozialismus verwies auch Ministerpräsident Torsten Albig in seiner Ansprache zur offiziellen Einweihung der Anlage, die die Stadt mit Büsten-Beleuchtung, einem stilisierten Tor aus Corten-Stahl mit Rostpatina, neuen Wegen und Stauden (Gesamtkosten: 160000 Euro) ausstattete. Trotz aller Brüche in der Geschichte Kiels gehe von den Büsten laut Albig die klare Botschaft aus: „Wir können stolz darauf sein, was in dieser Stadt geleistet wurde.“

 Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer erkannte in der Initiative der Rotary Clubs mit Planungsvorlauf von fünf Jahren ein wachsendes Interesse an der Geschichte der Stadt mit all ihren Höhen und Tiefen. Gerade die wissenschaftliche Exzellenz der Kieler Universität, die mit den Büsten der Nobelpreisträger nun zelebriert werde, sei ein „echtes Pfund“, mit dem die Stadt künftig noch stärker wuchern sollte.

 Ums Wuchern ging es Bildhauer Jörg Plickat bei seinen Büsten hingegen nicht. Absichtlich seien die Köpfe filigran und in Relation zu den wuchtigen Granitsockeln klein gehalten: „Mir ging es um die Größe der Ideen, die die Sockel symbolisieren.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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