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Norbert Aust in der KN-Kundenhalle zu Gast

KN-Treff.Punkt Norbert Aust in der KN-Kundenhalle zu Gast

Was war das für eine Bandbreite! Texte von Bertolt Brecht, Kurt Schwitters, Heinz Erhardt und Joachim Ringelnatz hatte der frühere Chef des Werftparktheaters Norbert Aust in seinem Seesack mit in die Kundenhalle der Kieler Nachrichten gebracht.

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Der frühere Werftparktheater-Leiter Norbert Aust sprach beim KN-Treff.punkt mit Kulturredakteurin Ruth Bender und trug unter anderem Texte von Bert Brecht und Kurt Schwitters vor.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Bei der dritten Auflage des KN-Treff.Punkts plauderte Norbert Aust am Mittwochabend über all das, was seinen rund 30-jährigen Einsatz für das Kinder- und Jugendtheater in der Stadt geprägt hat. Und im Gespräch mit Kulturredakteurin und Kritikerin Ruth Bender kam er auch auf einige runde Jubiläen zu sprechen, unter anderem den 100. Geburtstag der Dada-Bewegung oder den 100. Jahrestag der Skagerrakschlacht. Und sogar einen „Gruß an Kiel“ spielte er auf seiner Nasenflöte.

 Bei der Nasenflöte handelt es sich um „ein altes Instrument der Indianer Südamerikas“, erklärte Aust seinen Zuhörern. Diese hätten damit einst Tierlaute zu Jagdzwecken imitiert. Inzwischen sei sie wieder weitgehend in Vergessenheit geraten, doch in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hätte sich die Nasenflöte hierzulande zu einem populären Spaß- und Juxinstrument gemausert. Für Aust scheint sie daher auch ein Symbol dafür zu sein, „dass im Unsinn immer auch eine Ernsthaftigkeit stecken muss“. So jedenfalls fasste er das Grundanliegen der Dadaisten zusammen, die vor einem Jahrhundert dem Wahnsinn des Krieges den Unsinn ihrer Kunst gegenübergestellt haben.

 Und damit war sie dann auch explizit gestellt, die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Bühnengeschehens, die den ersten Teil des Abends unter dem Titel „Ein Mann macht Theater“ dominieren sollte. Gleich zu Anfang schon beantwortet Aust diese Frage ganz im Sinne Bert Brechts. Von ihm habe er zwei wichtige Leitsätze übernommen: Zum einen sei es die vornehmste Aufgabe des Theaters, das Publikum zu unterhalten. Zum anderen gelte für ihn das Brechtsche Diktum, die Welt nicht interpretieren, sondern verändern zu wollen.

Als Neptun führt er Kinder ans Theater

 Was das konkret heißt? „Wenn jemand aus einer Vorstellung kommt, muss er sich Gedanken über irgendetwas machen“, beschrieb Aust das Ziel seines Schaffens. Gerade Kinder und Jugendliche ließen sich oftmals unvoreingenommen auf eine Aufführung ein, da sie noch über keinen Bildungskanon verfügten. „Die haben den Text noch nicht gelesen, die haben das Stück nicht vor etlichen Jahren schon einmal ganz anders gesehen.“

 Die Figur des Neptun, die er 2002 im Auftrag der Stadt zum 100. Bestehen des Schrevenparks geschaffen hat, war in dieser Hinsicht ein Türöffner. In den grünen Gewändern des römischen Meeresgottes ist Aust seitdem über Stadtteilfeste und durch Schulen getingelt – und hat die jungen Zuschauer so ganz langsam ans Theater herangeführt. Längst ist Austs Neptun zu einer gefragten Marke geworden: „Der Abwasserzweckverband Pinneberg wollte für die Eröffnung eines neuen Klärwerks unbedingt diesen großen, stattlichen Neptun haben“, erinnert er sich an eine Anfrage. Da der Termin in der Kieler Woche lag, konnte daraus aber nichts werden.

 Spätestens jetzt begann der heitere Teil des Abends, in dem sich Aust auch an eine Lesung während einer „Langen Nacht der Theater“ zurückerinnerte, in der es in einer Vielzahl von Texten um die Verdauung ging. „Ich las aus dem Briefen Mozarts an seine Cousine vor, in denen er ausführlich seinen Durchfall während des Komponierens beschrieb.“ Mehrfach habe das musikalische Wunderkind den deutlichen Worten zufolge die Hosen wechseln müssen. Im Anschluss seien einige Zuhörer zu ihm gekommen und hätten gesagt: „Herr Aust, das haben Sie doch erfunden!“. „Scheinbar glauben die Leute, dass Verdauung bei einem Mann wie Mozart nicht stattgefunden hat.“

 Dass der Ton die Musik macht, musste Aust auch selbst lernen, als er 1982 aus dem Ruhrpott in den Norden kam. In seiner Heimat werde ein wesentlich rauerer Umgangston gepflegt, sagte er. „Wenn man das hier in Kiel macht, haben die Leute den Eindruck, dass man sie gleich am Kragen packen will.“ Ansonsten sei ihm leicht gefallen, sich in der Stadt einzugewöhnen, in der es als Uni- und Marinestandort ohnehin viel Zuzug gebe. Auch optisch habe Kiel damals einen Charme versprüht, der dem seiner Heimatstadt Dortmund nicht unähnlich gewesen sei. In dieser Hinsicht habe sich viel getan, findet Aust. Er muss es wissen: Auch im Theater könne man „mit wenigen Mitteln viel Atmosphäre schaffen“.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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