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Norbert Aust gibt eigennäsig den Ton vor

Ehrenmitglied der Kieler Volksbühne Norbert Aust gibt eigennäsig den Ton vor

Norbert Aust darf sich jetzt dem Kreis der Ehrenmitglieder der Kieler Volksbühne zurechnen, steht damit auf einer Stufe wie der große Theater- und Filmschauspieler Hans Söhnker, ein gebürtiger Kieler, der es schaffte, auch in der Nazizeit ein anständiger Mensch zu bleiben und verfolgten Juden Zuflucht bot.

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Der Volksbühnen-Vorsitzende Gerd Müller (rechts) und das neue Ehrenmitglied Norbert Aust.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. In die Versuchung, sich selbst zu ernst zu nehmen, gerät Norbert Aust so gar nicht. Mehr als 30 Jahre leitete er das Theater im Werftpark, trat als Bär, Neptun oder Zwergenpolizist auf, alberte beim Brunnenfest und zu anderen bedeutenden Anlässen als Gaardener Gardeoffizier herum, beglückte das kunstsinnige Publikum mit eindrucksvoll schrägen Nasenflötenkonzerten. Nun nahm er eine kleine, feine Ehrung entgegen – und sich auch dabei alles andere als ernst.

Was bedeutet: Ehrenmitglied der Volksbühne wird man nicht so mal eben. Für einen wie Aust wiederum ist das halt aber auch kein Grund, fürchterlich wichtig zu wirken. Wohl aber ein Anlass, seinem Spieltrieb zu frönen. Was er dann am Sonnabend, als er in der Gaardener Sozialkirche seine Ehrung offiziell entgegennahm, ausgiebig tat. Zusammen mit Schauspieler Horst Stenzel belebte er den 1916 geborenen Dadaismus wieder, herausgepickt hatte sich das Duo dazu Texte von eindeutig sinnfrei bis zweideutig schlüpfrig. Zwischendurch durfte das Publikum immer wieder zu eigennäsig vom Meister der Nasenflöte vorgegebenen Tönen mitsingen.

 Die Feierstunde der Volksbühne hieß mithin nur so, geriet tatsächlich aber zu einem ganz nach Austscher Art sympathisch skurrilen Happening. Ute Kohrs, seit Jahrzehnten in allen erdenklichen Funktionen eine treibende Kraft des Kieler Kulturbetriebs, fand dazu die passenden Worte. Dem Geehrten attestierte sie in einer sehr persönlich gehaltenen Laudatio drei herausragende Eigenschaften: Den Einsatz für Kinder, die Präsenz vor Ort und eine immer offene „Nische für Abstrusitäten“. Kohrs, die über familiäre Querverbindungen vom Mann bis zu den Enkeln immer auch persönlich ans Werftpark-Theater angedockt war, erinnerte mit aus heutiger Sicht teils geradezu grotesk anmutenden Anekdoten an die turbulenten frühen Zeiten dieser Kulturstätte: An ein mühseliges Intermezzo im Keller der Sternschule zum Beispiel oder auch an eine Aufführung im Klo eines Kindergartens.

 Trotzdem wurde in der Ära von Norbert Aust natürlich nicht unentwegt herumgekaspert. Großem Fleiß, viel Herzblut und eben auch „unermüdlicher Präsenz“ war es aus Sicht von Ute Kohrs zu verdanken, dass sich das letztlich glücklich im Werftpark gelandete Theater ein starkes Profil und viele Fans erarbeitete. Vor allem aber würdigte die Laudatorin die soziale Bedeutung dieses Engagements: „Für die Kinder auf dem Ostufer eröffnete sich eine neue Welt“. Gerd Müller, der Vorsitzende der Volksbühne, formulierte das noch ein bisschen weitreichender, ehe er die Ehrungsurkunde überreichte. Norbert Aust, so befand er, habe das Kieler Kulturleben „mitgeprägt wie kaum ein anderer“.

 Wobei in solchen Sätzen die Vergangenheitsform im Grunde falsch ist. Seit er sich im Juli als Theaterchef verabschiedete, wurde er nicht nur sogleich Vorsitzender des Vereins Theatermuseum Kiel, er startete auch mit zahllosen Lesungen und anderen kulturellen Aktionen so richtig durch in den Unruhestand. „Das war dann wirklich schon zu viel“, gibt er zu und will deshalb erstmal einen Gang zurückschalten. Manchmal tut halt auch ein Aust gut daran, sich ein bisschen wichtig zu nehmen.

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