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Was kommt nach dem Containerdorf für Flüchtlinge?

Nordmarksportfeld Was kommt nach dem Containerdorf für Flüchtlinge?

Seit Mittwoch ist wieder Betrieb auf dem Nordmarksportfeld. Doch kein Kinderlachen ist zu hören und kein Sprachgewirr. Statt 500 Flüchtlingen sind 20 Arbeiter zugange. In vier bis sechs Wochen soll das Containerdorf, das über ein Jahr lang Flüchtlingen als erste Unterkunft diente, abgebaut sein.

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Letzte „Mohikanerin“ im Containerdorf: Dörte Friederichs ist die Projektleiterin der Firma, die die fast 450 Container ans Land vermietet hat.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ab Juli wird der Platz dann vorerst wieder als Sportstätte dienen. So wie bis zum Sommer 2015, bevor die Landesunterkunft mit 448 Containern errichtet wurde. Doch es gibt schon Überlegungen für eine spätere Nutzung: Auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Areal am nördlichen Rand des Nordmarksportfelds könnte Wohnraum für Studenten entstehen, so die Überlegung des Sozialdezernenten Gerwin Stöcken.

Infrastruktur ist ausgebaut

 „Auch wenn das Feld jetzt den Sportvereinen zurückgegeben wird, muss das keine Dauerlösung sein“, sagte Stöcken. Es sei durchaus möglich, dass auf dem Feld irgendwann Wohnraum entstehe. Er denke dabei besonders an studentisches Wohnen nahe der Uni. „Wenn ein Campus-Stadtteil um den Bremerskamp entsteht, sollte auch dieser Teil mit einbezogen werden.“ Hintergrund dieser Idee ist auch die ausgebaute Infrastruktur auf dem Gelände: Für die Flüchtlingsunterkunft wurden Wasser- und Stromleitungen gelegt und die Wegeverbindungen zur Olshausenstraße ausgebaut. „Das alles wird nicht zurückgebaut“, so Stöcken. Doch der Stadtrat stellt auch klar, dass es zum Wohnungsbau auf der Fläche keine konkreten Pläne gebe: „Ich rede hier im absoluten Konjunktiv.“ So ist das Nordmarksportfeld bisher nicht im aktuellen Wohnbauflächenatlas des Stadtplanungsamtes ausgezeichnet.

Container sind bald ausgeräumt

 Von September 2015 an war das Areal Wohnort für insgesamt 5000 Flüchtlinge. Mitte Dezember sind die letzten Bewohner ausgezogen. Einen Monat später haben auch die Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) den Norder verlassen und sind in neue Räumlichkeiten im Gebäude des ehemaligen Wehrbereichskommandos im Niemannsweg gezogen. Allein Dörte Friedrichs, die von Anfang an dabei war, ist noch vor Ort und wird auch die nächsten Wochen ihr Büro auf dem Gelände haben. Sie ist Projektleiterin der Firma Sani aus Borgstedt bei Rendsburg, die die fast 450 Container inklusive Einrichtung an das Land verliehen hatte. Jeder Wohncontainer war möbliert für vier Flüchtlinge: vier Betten, vier Stühle, ein Tisch und Schränke. Gerade sind die Arbeiter dabei, die Möbel auf Europaletten zu stapeln. Dörte Friedrichs durchschreitet den ehemaligen Kindergarten, er ist zusammengesetzt aus mehreren Containern. Nur noch der Waschraum mit den niedrigen kleinen Waschbecken und den winzigen Toiletten sind verblieben. Friedrichs muss seufzen: „Es war eine tolle Zeit mit den Flüchtlingen hier. So eine besondere Stimmung, alle waren von der Idee zu helfen ergriffen, es war einfach ansteckend.“ Doch das ist jetzt vorbei. Die Container sind bald ausgeräumt. „Ab Montag werden sie abgebaut und abtransportiert und bei uns in Borgstedt eingelagert“, kündigt Sani-Bauleiter Bernd Hansen an.

Im Juli soll das Grundstück zur Stadt zurück

 Je nach Witterung dauern die Arbeiten vier bis sechs Wochen. Im Juli will das Land das Grundstück an die Stadt übergeben. Sozialdezernent Gerwin Stöcken versichert, dass der Platz dann an den Sport zurückgegeben wird. „Ich habe damals den Vereinen versprochen, dass sie die Fläche wiederbekommen, und diese Zusage gilt noch.“ Eine Cricket-Mannschaft und ein Lacrosse-Team hatten den Sportplatz bis zum September 2015 genutzt, waren dann, um den Flüchtlingen Platz zu machen, auf die angrenzende Wiese ausgewichen. „Das hat alles sehr gut geklappt, und die Sportvereine haben ganz selbstverständlich den Sportplatz für die Flüchtlinge geräumt“, sagte Stöcken.

 Auch das nachbarschaftliche Miteinander zwischen den Sportvereinen auf dem Nordmarksportfeld und den Flüchtlingen lobte der Dezernent. „Ich habe insgesamt das Gefühl, dass die hier lebenden Flüchtlinge in Kiel kaum wahrnehmbar waren.“ Ihm seien während des Jahres keine Beschwerden oder Konflikte zugetragen worden. Auch Dörte Friedrichs, der als Vertreterin des Containerverleihs vor Ort alle Beschwerden hätten zu Ohren kommen müssen, ist noch jetzt ganz erstaunt, „wie friedlich das Zusammenleben im Containerdorf abgelaufen ist, und das trotz der zeitweise engen Belegung mit vier Flüchtlingen auf 15 Quadratmetern“.

 Von Anne Steinmetz und Karen Schwenke

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