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Notaufnahme: Das UKSH wirbt um Vertrauen

Nach Patientenkritik Notaufnahme: Das UKSH wirbt um Vertrauen

In der Diskussion um Notfallbehandlungen hat sich nun UKSH-Vorstandschef Prof. Jens Scholz geäußert. Er verwies auf die Unterfinanzierung und die Interimslösung bis zur Fertigstellung der zentralen Notaufnahme Ende 2017.

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Krankenschwester Karin Manske (59) im Schockraum in der Interims-Notaufnahme: Akutpatienten werden hier von Ärzten und Pflegekräften versorgt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Prof. Jens Scholz sagte: „Ich möchte aber klarstellen, dass trotzdem in unseren Notfallaufnahmen die Patienten medizinisch adäquat behandelt werden. Und dass wir niemanden wegschicken.“ Nach der Patientenkritik an langen Wartezeiten hatten sich auch Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis und die frühere Kieler Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz eingeschaltet. „Wir wollen das Vertrauen ins UKSH stärken. Patienten sollen keinen Angst haben, hierher zu kommen und auf den Gängen liegen zu müssen“, sagte Heide Simonis am Montag in einem Gespräch mit Prof. Jens Scholz. „Es wäre fatal, wenn die Bevölkerung durch die Berichterstattung das Vertrauen in die exzellente Behandlung im UKSH verlieren würde“, ergänzte Angelika Volquartz.

Die Ehrenbürgerin der Christian-Albrechts-Universität ist sicher: „Wenn man den Patienten erklärt, warum es zu sehr langen Wartezeiten kommen kann, dann schafft das Vertrauen. Entscheidend ist doch, dass bei der Aufnahme kompetent entschieden wird: Das ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, und die Behandlung dieses Patienten ist nicht so dringlich.“

 Simonis und Volquartz betonten aber auch, dass sie die große Belastung der Mitarbeiter sähen. „Aber mit dem Neubau wird die Verbesserung der inneren und äußeren Strukturen jetzt in Angriff genommen.“ Denn zurzeit befindet sich die Notaufnahme für die chirurgischen und seit Mitte Februar auch für die neurologischen und neurochirurgischen Notfallpatienten in einem Modulgebäude auf dem Klinikgelände. 16 Behandlungsplätze stehen dort in acht Zimmern zur Verfügung – in modernerer Ausstattung als in den alten Notfallaufnahmen.

Rettungsdienst informiert über Akutpatienten

 „Der Rettungsdienst informiert uns vorab, wenn er einen Akutpatienten etwa mit Schlaganfallverdacht oder Schwerstverletzung bringt. Dann kommt der Patient noch auf der Trage sofort in den Schockraum“, sagt Birgit Michaelsen, Pflege-Teamleitung, in der Notfallaufnahme, „hier wird sofort Blut abgenommen, das per Lebensgefahr-Transport ins Labor kommt, während hier die Untersuchungen weiterlaufen.“ Anschließend warte der Patient auf einem Behandlungsplatz auf die Diagnostik-Ergebnisse. „Dabei wir er über einen Monitor zentral überwacht.“

Doch die 16 Plätze reichen nicht immer. Zum Beispiel vergangenen Freitag: 60 Patienten seien gekommen. „Da ist es unvermeidlich, dass Patienten auch auf den Fluren liegen. Aber auch dort können Patienten per Monitor überwacht werden. Niemand von uns findet es gut, wenn Menschen lange warten müssen“, sagt Michaelsen. Oft hätte das Team aber gar keinen Einfluss darauf – etwa wenn ein Patient in eine andere Klinik verlegt werden und auf den Transport warten muss.

 Statt der 28 Notfallplätze im Modulbau und in der Internistischen Klinik soll es Ende 2017 dann 30 Behandlungsplätze geben plus Behandlungsstation mit 30 Betten. „Dort können die Patienten dann warten, und die Behandlungsplätze sind sofort für die nächsten Patienten frei. Außerdem werden wir alle Notaufnahmen und das Knowhow an einem Ort haben. Das wird viele Wege ersparen und die Abläufe beschleunigen.“ Und wenn eine Portalpraxis kommt oder mehr Behandlungsplätze notwendig sind? „Dann“, sagt Scholz“, „sind wir flexibel."

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Wie werden Patienten hier richtig empfangen und vermittelt? Die Notaufnahme am UKSH in Kiel.

Lange Wartezeiten, überfordertes Personal: Die Probleme in den Notfallambulanzen sind längst bekannt. Ursächlich sind mindestens zwei Faktoren: eine Unterfinanzierung der Notfallmedizin und Patienten mit Bagatellbeschwerden, die die Notaufnahmen bevölkern und die Versorgung Schwerkranker gefährden.

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