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Nur alle vier Jahre Geburtstag

29. Februar Nur alle vier Jahre Geburtstag

Dieser Tag ist so besonders, dass es ihn nur alle vier Jahre gibt: der 29. Februar. Wer dann Geburtstag hat, bleibt immer jung. Denn streng genommen, kann derjenige ja nur alle vier Jahre feiern. Und was den Schaltjahreskindern in die Wiege gelegt ist, erscheint wohl auch manchem Liebespaar als kluge Wahl.

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Friederike Sauermann gehört zu den Menschen, die nur alle vier Jahre "richtig" Geburtstag haben.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Melanie Falck wird heute 36. Die Versicherungskauffrau aus Laboe freut sich, ihren großen Tag wieder einmal „korrekt“ am 29. Februar begehen zu können. Erst zum neunten Mal in ihrem Leben. „Meistens feiere ich am 1. März“, berichtet sie. „Wenn mir jemand aber schon am 28. Februar gratuliert, dann werde ich auch nicht böse.“ Denn da sie vor „High Noon“, also vor 12 Uhr mittags, geboren wurde, sei auch der 28. nicht ganz verkehrt, ergänzt sie lachend. Das zumindest sagen Ratgeber für Schaltjahreskinder aus dem Internet.

 Doch genau diese Feinheiten etwa ihren Kindern zu erklären, ist ganz schön schwierig: Während die Umstände um den Festtag ihren dreijährigen Sohn noch kalt lassen, fragt die sechsjährige Tochter schon mal nach: „Mama, warum steht dein Geburtstag nicht immer im Kalender?“ Wenn Melanie Falck ausholt und von der Sonne und der Umlaufbahn der Erde erzählt, dann bleibt der Kalender für ihre Tochter recht hohe Mathematik – und wahrscheinlich nicht nur für sie.

 Von ganz praktischen Problemen im Alltag berichtet Friederike Sauermann, die heute 32 Jahre alt wird – beziehungsweise ihren achten Geburtstag feiern kann. „Als ich meinen Handyvertrag abschließen wollte, gab es den 29. Februar gar nicht im Computer-Programm“, sagt die Kieler Kindergärtnerin, die sich derzeit zur Heilpädagogin fortbildet. „Die Leute sind immer ganz begeistert, wenn sie hören, wann ich Geburtstag habe, doch ich bin da inzwischen etwas verhaltener.“ Bei ihrem Telefonanbieter hat sie nämlich erst am 1. März Geburtstag. Und Facebook informierte alle ihre Freunde schon gestern über den bevorstehenden Ehrentag. Da mag es zumindest ein wenig trösten, dass sie den Tag heute ein wenig für sich hat – ihre Chefin gibt ihr für den Nachmittag Zeitausgleich.

 Ein Jahr älter wird heute auch Ex-Umweltminister Rainder Steenblock (Jahrgang 1948) von den Grünen, ebenso wie Holger Oertel (Jahrgang 1952), der frühere Torwart und Trainer des THW Kiel, Fußballspieler Benedikt Höwedes (Jahrgang 1988) oder das Model Lena Gercke (Jahrgang 1988), die einst die erste Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ gewann. Sie alle können sagen: Ich hab’ es mir nicht ausgesucht.

 Die Paare, die sich heute in Kiel das Ja-Wort geben, haben sich hingegen bewusst für den 29. Februar entschieden. Warum? Wollen sie das junge Glück möglichst lange jung halten – indem sie Jahrestage wie die silberne und goldene Hochzeit in eine ferne Zukunft verbannen? Scheuen sie gar die Kosten für diese Extra-Sausen? Freut sich mancher Bräutigam, dass er diesen Hochzeitstag nur schwerlich wird vergessen können? Da heute gleich sechs Paare vor den Standesbeamten treten, darf man getrost unterstellen, dass sie sich etwas dabei gedacht haben, meint Stadtsprecher Arne Ivers. „Das ist schon eine ungewöhnlich hohe Zahl für einen Montag.“

 Sehr gute Erfahrungen mit ihrem so seltenen Hochzeitstag haben in den zurückliegenden 16 Jahren Rut und Ingo Ewert aus Kiel gemacht. „Wir feiern unseren vierten Hochzeitstag“, sagt Rut Ewert augenzwinkernd. Nachdem ihr Mann ihr am 29. Februar 1996 einen Antrag gemacht hatte, gingen sie genau vier Jahre später den Bund fürs Leben ein. Wie auch viele Geburtstagskinder weichen die Ewerts in den meisten Jahren auf den 1. März aus, um das Eheglück ein bisschen zu feiern.

 Auf eine größere Party zu einem doppelt runden Geburtstag freut sich jetzt schon Melanie Falck. „In vier Jahren werde ich 10 und 40“, sagt sie lachend. „Doppelnull. Das ist dann Agentenstatus!“

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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