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Nur eine Stammzellspende kann Gina helfen

Typisierungsaktion Nur eine Stammzellspende kann Gina helfen

Michel Behrens kämpft gegen die Tränen. „Ich muss sie doch retten“, sagt er. Sie – das ist seine Tochter Gina. Die 28-Jährige hat Leukämie. Bei einer Typisierungsaktion am Sonntag in der Halle 400 in Kiel soll ein Stammzellspender für sie gefunden werden.

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Diese Aufnahme zeigt Gina während eines Urlaubs mit ihrem Freund Matze im vergangenen Spätsommer. Kurz nachdem sie zurück in Kiel war, diagnostizierten die Ärzte bei der 28-Jährigen Blutkrebs.

Quelle: Privat

Kiel. Ihr Vater ist, wie er selbst sagt, „nicht so der Händchenhalter“. Er ist „Rocker aus Leidenschaft“ und Präsident des Rockerclubs „United Tribuns“ in Kiel. Zahlreiche Tätowierungen im Gesicht und Körper demonstrieren diese Härte. Jetzt sitzt der 52-Jährige auf dem schwarzen Kunstleder-Sofa im Halbdunkeln seines Clubs „Black and White“, einem Swingerclub, wie man auf der Homepage nachlesen kann, und wischt sich die Tränen aus den Augen. „Sie ist so ein netter Mensch. Damit schlägt sie ein bisschen aus der Art“, sagt er und lacht. Nach jeder Behandlung würde sie sich bei den Ärzten und Schwestern bedanken. „Dabei ist sie ja nur noch so ein Häufchen Elend.“

 Während Michel Behrens von seiner Tochter erzählt, zündet er sich eine Zigarette nach der anderen an. Ginas Krankheit hat ihn verändert: „Ich denke jetzt manchmal, was ich für ein Weichei bin, wenn ich sehe, was sie jeden Tag erträgt.“ Es sei nicht leicht, das zu sehen. Trotzdem fährt er jeden Morgen um 10 Uhr ins Krankenhaus und übernimmt die „Morgenschicht“. „Ich habe immer dafür gesorgt, dass es ihr gut geht. Das mache ich jetzt so weiter.“

Diagnose Blutkrebs

 Im September vergangenen Jahres ist bei Gina Leukämie diagnostiziert worden. Sie war gerade aus dem ersten gemeinsamen Urlaub mit ihrem Freund Matze zurück, als sie plötzlich über pulsierende Rückenschmerzen klagte. Jeden Tag wurde es schlimmer, bis die Bürokauffrau nicht mehr selbst Auto fahren konnte. „Aber sie ist trotzdem jeden Tag zur Arbeit gegangen, am Ende hat sie sich von ihrem Freund fahren lassen“, erzählt Behrens. Als sie immer mehr blaue Flecken am Körper bekam, ging sie schließlich doch zum Arzt.

„Innerhalb eines Tages hat sich dann alles verändert.“ Gina wurde nach dem Besuch beim Hausarzt in die Notaufnahme des Städtischen Krankenhauses überwiesen. Blutkrebs lautete die erschütternde Diagnose. „Als wir ins Krankenhaus kamen, sagten die Ärzte, dass Gina nur noch maximal 14 Tage zu leben hat, wenn sie nicht sofort behandelt wird. Die Tumorzellen hatten sich in 80 Prozent ihres Körpers ausgebreitet.“ Fünf Blöcke Chemotherapie musste die 28-Jährige über sich ergehen lassen, zwei Monate war sie ununterbrochen im Krankenhaus. Im Februar wurde sie tumorzellenfrei entlassen.

Rückfall nach der Chemotherapie

 Dann die schreckliche Nachricht: der Rückfall. „Gina rief uns aus der Reha an und sagte, dass wir sie abholen müssen. Sie hatte starke Schmerzen in der Brust und im Rücken“, erzählt ihr Vater. Bei einer Knochenmarkuntersuchung Anfang Juli stellten die Ärzte fest, dass sich die Tumorzellen wieder ausgebreitet hatten. Nur ein Stammzellspender kann ihr jetzt noch helfen. „Durch den Rückfall ist sie eine Hochrisiko-Patientin. Das macht die Situation besonders schwierig“, sagt ihr Vater.

Das Kompetenzteam für die Typisierungsaktion v.l.: Timo Schultz, André Ott, Michel Behrens, Sascha Heyer und Christian Rippich

Quelle: Sonja Paar

 Doch damit abfinden will er sich nicht. Er nahm Kontakt zur DKMS auf und organisierte mit Freunden die Typisierungsaktion. „Kompetenzteam“ nennen sich die Rocker, die sich beispielsweise um das Drucken der Flyer und die geeigneten Räumlichkeiten gekümmert haben. „Familie kommt bei uns an erster Stelle“, sagt Behrens. Deshalb sei sofort klar gewesen, dass alle aus dem Rocker-Club helfen.

Rocker wollen Gina helfen

Am Sonntag erwartet er auch viele Freunde aus der Biker-Szene aus ganz Europa. Darüber ist auch die Kieler Polizeidirektion informiert. „Michel Behrens ist auf uns zugekommen und hat uns über die Aktion informiert“, sagt Sprecher Matthias Arends. Die Zusammenarbeit sei sehr gut und kooperativ gewesen. Die „United Tribuns“ seien der Polizei in Kiel zwar als Rockerclub bekannt, bislang aber nicht auffällig geworden, sagte Arends weiter. „Am Sonntag geht es aber ja darum, seiner Tochter zu helfen und nicht um eine Machtdemonstration des Clubs.“

 Das betont auch Michel Behrens: „Gina hat mit dem Club nichts zu tun. Bei der Aktion am Sonntag geht es nur darum, sie zu retten.“

 Registrierungsaktion der DKMS in der Halle 400

Registrierungsaktion der DKMS in der Halle 400

 Eine Stammzellspende ist für Gina die einzige Überlebenschance. Jeder, der gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Sonntag, 7. August, zwischen 11 und 16 Uhr in der Halle 400 als Stammzellspender registrieren lassen. Dabei wird jedem Spender fünf Milliliter Blut abgenommen, damit dessen Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können. Wer bereits bei einer vorherigen Typisierungsaktion mitgemacht hat, muss sich nicht erneut registrieren lassen. 50 Krankenschwestern, Rettungssanitäter, Ärzte und ehrenamtliche Helfer werden am Sonntag für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

 Die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ist eine internationale Organisation, die sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben hat. Weltweit sind mehr als 6,4 Millionen Spender registriert.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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