20 ° / 16 ° Regen

Navigation:
OB-Kandidaten: Sparen wollen sie alle

Diskussion bei Haus & Grund OB-Kandidaten: Sparen wollen sie alle

Der Kampf um das Kieler Rathaus kommt in Fahrt. Beim Auftritt vor etwa 350 Besuchern der Haus & Grund-Veranstaltung haben sich gestern die Oberbürgermeister-Kandidaten Susanne Gaschke (SPD), Gert Meyer (CDU) und Andreas Tietze (Grüne) einen Schlagabtausch um Positionen und Profile geliefert.

Rathaus Kiel 54.322653 10.132636
Google Map of 54.322653,10.132636
Rathaus Kiel Mehr Infos
Nächster Artikel
Kapitän hatte zu viel getankt

Andreas Tietze (Grüne, rechts), Susanne Gaschke (SPD) und Gert Meyer (CDU) standen Rede und Antwort vor den Teilnehmern der Haus & Grund-Veranstaltung in der Sparkassen-Arena.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Obwohl der Termin für die Direktwahl am 28. Oktober nicht mehr allzu fern liegt, hielten sich die Kandidaten mit heftigen Attacken zurück. Trotzdem ging es bei der Diskussion des Eigentümerschutz-Verbandes, der mehr als 11000 Mitglieder vertritt, hart zur Sache. Bei einer Persönlichkeitswahl sei der erste Eindruck wichtig, aber nicht entscheidend, forderte Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund, Klartext von den Kandidaten darüber, wie ihre Baupläne für Kiel aussehen: „Herumgerede um Probleme brauchen wir nicht.“

Andreas Tietze, Grüne.

Zur Bildergalerie

Eines der größten Probleme Kiels ist unbestritten die desolate Haushaltslage mit derzeit fast 90 Millionen Euro Defizit. Auch in der Einschätzung, dass die Stadt niemals ganz ohne Hilfe von Bund und Ländern aus dem Tunnel herauskommt und das Geld vorrangig in Schulen und Kitas stecken soll, waren sich alle drei Kandidaten noch einig. Doch bei den Schlussfolgerungen traten die Unterschiede zutage. Tietze, Landtagsfraktionsvize der Grünen (50), nannte die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos, warb für eine Balance zwischen Schuldenabbau und Zukunftsinvestitionen, zu denen er die Stadtregionalbahn und den Kiel-Kanal zählt. „Es gibt keinen Masterplan für die Entschuldung“, zog „Zeit“-Redakteurin Gaschke (45) gegen ein „Kaputtsparen“ zu Felde. Schließlich hätten Kämmerer von CDU und SPD den Haushalt bereits zur Genüge ausgequetscht. Sie setzt in erster Linie auf eine gerechtere Finanzverteilung zwischen Bund, Länder und Kommunen. „Wenn Sparen so einfach wäre, warum haben Sie denn nichts geändert?“, warf sie Meyer (41) vor, bis April dieses Jahres Kämmerer der Stadt zuerst unter Schwarz-Grün, dann unter Rot-Grün. Meyer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, warb mit Hinweis auf seine Erfahrung für viele verschiedene Schritte – von optimierten Verwaltungsabläufen, Stellenabbau bis hin zum Abarbeiten von Prioritätenlisten. Angesichts der Ebbe in der Stadtkasse hält er es für „vollkommen unrealistisch“, so große Projekte wie Stadtregionalbahn und Kiel-Kanal anpacken zu wollen: „Das ist ein Stück Ehrlichkeit“.

Auch bei den Themen Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gab es Gemeinsamkeiten in der Analyse: Kiel als wachsende Stadt braucht attraktiven Wohnraum und gute Arbeitsplätze. Doch die Konsequenzen fallen unterschiedlich aus. Klimawandel und demografischer Wandel seien die großen Herausforderungen der Zukunft in Städten, pochte Tietze auf mehr Bürgerbeteiligung, eine neue Planungskultur, Stärkung grüner Ökonomie, Gesundheitswirtschaft und Ausgründungen aus den Hochschulen. Die Industrie sei in Kiel nur in der Nische stark. Während der Grüne für Wohnungbau auf dem Gelände des Marinefliegergeschwaders plädiert, pocht Christdemokrat Meyer auf die Ansiedlung von hauptsächlich Gewerbe: Kiel habe zu wenig Gewerbefläche. Als Oberbürgermeister will Meyer zudem die Entwicklung an der Hörn vorantreiben, um die Innenstadt zu beleben. Gaschke, die Kiel als Industriestadt nicht „abgeschrieben hat“, möchte auf dem Areal der Marineflieger mit Hilfe eines SPD-Kompromisses Gewerbe und Wohnen versöhnen. Versöhnlich ging es dann auch am Ende der Veranstaltung zu. Was ist mit der Kommunalwahl im Mai 2013? Alle drei sind überzeugt, als Rathauschef(in) auch mit anderen politischen Mehrheiten klarzukommen.

Zur nächsten öffentlichen OB-Kandidatenrunde lädt der Sportverband am Montag, 8. Oktober, 19 Uhr, im Haus des Sports, Winterbeker Weg 49, ein. Gaschke, Meyer und Tietze sowie die unabhängigen Bewerber Matthias Cravan und Jan Barg diskutieren über Sportentwicklung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Hebbelschüler fragten
Foto: Drei Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Kiel stellten sich den Fragen der Hebbelschüler: Andreas Tietze (Grüne, 2.v.l.), Susanne Gaschke (SPD, 3.v.l.) und Gert Meyer (CDU, 2.v.r.) mit WiPo-Lehrerin Anke Christensen (rechts) und den Schüler-Moderatoren Leefke Schwarz und Leo Gerke.

Wie können sich Schüler am besten ein eigenes Bild von den Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters machen? Persönlich einladen, dachte sich Lehrerin Anke Christensen und organisierte an der Hebbelschule eine Podiumsdiskussion mit Susanne Gaschke (SPD), Gert Meyer (CDU) und Andreas Tietze (Grüne). Dann ging es zur Sache.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr