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Tausende legten die Arbeit nieder

+++ Mit Video +++ Tausende legten die Arbeit nieder

Tausende Beschäftigte haben sich am Donnerstag in Schleswig-Holstein an einem Warnstreik im öffentlichen Dienst beteiligt. Allein in Kiel zogen rund 1500 Teilnehmer mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Innenstadt.

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Die Gewerkschaften Verdi und GEW haben zu Warnstreiks aufgerufen. In Kiel kamen etwa 1500 Beschäftigte zu einer Kundgebung zusammen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Auch in Neumünster, Rendsburg und Itzehoe nahmen Hunderte an den gewerkschaftlichen Aktionen im Norden teil. Bestreikt wurden unter anderem die städtischen Kindergärten, die Stadtwerke, Arbeitsagenturen, die Müllverbrennung, Theater, Bundeswehr und Krankenhäuser. Insgesamt zählte die Gewerkschaft Verdi landesweit rund 3000 Streikende.

Bewusst hatte Verdi zusammen mit der Bildungsgewerkschaft GEW diesmal auf eine landesweite Kundgebung verzichtet. „Wir wollten lieber regional streiken, um insgesamt mehr Teilnehmer zu bekommen“, so Eva Schleifenbaum vom Verdi-Bezirk Kiel-Plön. Sie zeigte sich zufrieden mit den Kieler Teilnehmerzahlen. „Bedenkt man aber, dass jeder Streikteilnehmer gemessen an der Gesamtzahl von Beschäftigten für etwa zehn bis 15 Kollegen mitkämpft, ist noch Luft nach oben“, sagte sie bei der abschließenden Kundgebung am Kieler Bootshafen.

Die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wollten an diesem Tag ein deutliches Zeichen setzen: „Das Angebot der Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen ist nicht akzeptabel.“ Vorgeschlagen wurde unter anderem eine Gehaltssteigerung von 1,0 Prozent zum 1. Juni 2016 und von 2,0 Prozent zum 1. Juli 2017. Das bedeute für die Beschäftigten drei Nullmonate, so die Verdi-Sprecherin. Die Gewerkschaften fordern dagegen eine Gehaltserhöhung bei Bund und Kommunen um sechs Prozent. „Der Staat fährt Milliardenüberschüsse ein. Die Kollegen leisten in fast allen Dienststellen zusätzlich einen enormen Einsatz, um Merkels Zusage zur Flüchtlingsversorgung zu realisieren und dann sollen sie mit einem Nasenwasser abgespeist werden. Das demotiviert gewaltig“, so Eva Schleifenbaum.

„Unsere Arbeit im Kindergarten erfordert viel Kraft, Aufmerksamkeit und Struktur“, sagte Erzieherin Gabriele Nierobisch am Rande der Kieler Kundgebung. „Das muss einfach besser anerkannt werden.“ Bühnentechniker Jürgen Striewski beklagte, dass vor allem der Schicht- und der Wochenenddienst finanziell nicht genug gewürdigt würde. Sich am Streik zu beteiligen, war für Stadtwerke-Auszubildene Louisa Wolff keine Frage: „Ich habe als junge Mutter Ziele und Wünsche und bin froh, dass sich die Gewerkschaft für meine Interessen stark macht.“

In Kiel waren laut Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster mit 550 Teilnehmern ein Großteil der Mitarbeiter vertreten. Der technische Störungsdienst und das Energiezentrum seien aber besetzt gewesen. Auch das Städtische Krankenhaus habe die ärztliche Versorgung zu jeder Zeit sichergestellt. Rund 50 Mitarbeiter seien dem Gewerkschafts-Aufruf gefolgt, so Sprecherin Birgitt Schütze-Merkel. Beim Kieler Theater sorgte der Streik für die Streichung einer Vorstellung im Studio des Schauspielhauses. Wie viele Mitarbeiter gestreikt haben, konnte Sprecherin Celina Cameron jedoch nicht nennen.

Die dritte und letzte Verhandlungsrunde findet am 28. und 29. April in Potsdam statt. Am kommenden Dienstag ruft noch einmal die Gewerkschaft Komba zum ganztägigen Streik auf. Treffpunkt ist in Kiel um 8.30 Uhr in der Forstbaumschule.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Och nö, nicht schon wieder! Bitte nicht ein neuer Kita-Streik! Der Anblick von Menschenmassen mit Trillerpfeifen und Transparenten sorgte am Donnerstag nicht überall für Verständnis. Aber keine Angst. Dies ist vorerst nur ein Warnstreik im öffentlichen Dienst, und der muss leider sein.

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