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Im Schatten der „Glasbanane“

Öffentlicher Raum Im Schatten der „Glasbanane“

Mit dem öffentlichen Raum ist es so eine Sache. Gepflegt und schön anzuschauen soll er sein. Aufenthaltsqualität soll er bieten, aber nicht so, dass sich die falschen Leute aufhalten und die falschen Dinge machen. Genau aus diesen Gründen wirken öffentliche Räume in Städten zuweilen wie Fremdkörper: Es passiert nichts, aber es stört halt auch nichts.

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So kann’s gehen: Evalotte Koschinsky als redselige Putzfrau Dörthe (linkes Bild, links) und Claus Bill als kontaktfreudiger Tourist Thomas verwandelten das Dreieck vor der Muthesius-Verwaltung zu einer Theaterbühne. Mit Rollrasen und einfachen Möbeln (rechtes Bild) war der Platz zuvor aufgewertet worden.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Wem gehört der öffentliche Raum und warum nehmen wir ihn uns nicht einfach?“ Diese Frage stellten sich Rike Gloy, Ann-Maria Bandholz und Astrid Becker, die sich innerhalb des Projekts #KreativKiel den Platz vor dem Verwaltungsgebäude der Muthesius-Kunsthochschule vornahmen. „Glasbanane“ heißt im Studenten-Mund dieses Gebäude. Was schon mal ein gutes Zeichen ist, weil es als Beleg für architektonische Prägnanz gewertet werden darf.

 Auch der Platz vor der Glasbanane ist nicht ohne Schick. „Aber er funktioniert eigentlich nicht“, sagt Ann-Maria Bandholz. Plätze, wenn sie funktionieren, müssen nach ihrer Überzeugung und auch nach Überzeugung ihrer beiden Mitstreiterinnen zum Aufenthalt einladen, Orte der Kommunikation, am besten sogar der Erbauung sein.

 Die drei Frauen haben an der Muthesius-Kunsthochschule Raumstrategien studiert und sich zum Büro Drej zusammengetan, das sich mit der Gestaltung von öffentlichen Räumen, Ausstellungen und auch kommunikativen Prozessen befasst. Warum der Bananenvorplatz nicht funktioniert, war ihnen bei diesem Projekt schnell klar: Er bietet wenig Aufenthaltsqualität und wird entsprechend wenig genutzt.

 Was möglich wäre, deutete das Trio am Freitag an. Einen Teil des mit grauen Platte belegten Platzes, der am Rand durch einen großen Baum und mittendrin durch überdimensionale bunte Bauplätze seine Charakterbereiche hat, legten sie einfach mit Rollrasen aus. Schon am Vormittag, als nur der Rasen da war, regte sich Interesse in der Umgebung. Kinder spielten darauf, Erwachsene freuten sich, wie hübsch das aussehe. Am Abend kamen einfache Sitzmöbel hinzu, und fertig war der Platz. Fast jedenfalls, denn für eine knappe Stunde führten Evalotte Koschinsky und Claus Bill ein kurzweiliges Halb-Improvisationstheaterstück auf, das zwar auch den öffentlichen Raum thematisierte, aber in erster Linie lustig war.

 So könnte es also sein mit diesem und vielen anderen Plätzen in der Stadt. Und damit ist auch erstmal gut. Weil Rollrasen auf Steinplatten nicht gedeiht, wurde er schon am Sonnabend wieder abgenommen und an Einrichtungen verschenkt, wo er dauerhaft grünen kann. Die Anregung, das Dreieck vor der Mu zum echten öffentlichen Raum zu machen bleibt aber. „Wir sehen da auch Bedarf“, sagt Kanzler Dirk Mirow, der auf die Frage, warum der Platz nicht von vornherein einladender angelegt wurde, eine diplomatische Antwort findet: „Die Gestaltung des Platzes stand nicht im Fokus der gesamten Baumaßnahme.“ Und Ann-Maria Bandholz meint dazu: „Vielleicht haben wir einfach eine andere Denkweise.“

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