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Spiele für das Regime

„Olympia 1936“ Spiele für das Regime

Der Historiker, der an der Universität Mannheim lehrt, stellt die geschichtliche Dimension der Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen sowie der Sommerspiele in Berlin in den Vordergrund. Sein Fazit der „Nazi-Spiele“ lautet: „Niemals zuvor und danach ist der Sport so sehr für politische Zwecke instrumentalisiert worden.“

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„Die Sturmregatta“ heißt das Bild, mit dem die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 1936 illustriert werden. Zwei Seiten des Buches von Alexander Emmerich widmen sich den sportlichen Ereignissen in Kiel.

Quelle: picture- alliance / akg

Kiel. Am Anfang findet sich ein Zitat des Schriftstellers Heinrich Mann, des älteren Bruders von Thomas Mann, aus dem Frühjahr 1936: „Die internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators sein, dessen Regime den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert.“ Alexander Emmerich schreibt in seiner Einleitung, dass die Nationalsozialisten nach Hitlers Machtergreifung 1933 zunächst erwogen hätten, die Deutschland zwei Jahre zuvor durch das Internationale Olympische Komitee vergebenen Spiele abzulehnen. Erst später hätten sie die Chance erkannt, wie die Spiele für ihre Zwecke genutzt werden könnten. Joseph Goebbels, der Propagandaminister, habe damit das Ausland von der scheinbaren Friedfertigkeit des Regimes und gleichzeitig die deutsche Bevölkerung von der Überlegenheit der arischen Rasse überzeugen wollen. Dass Adolf Hitler dem schwarzen Leichtathleten Jesse Owens, der vier Goldmedaillen mit zurück in die USA nahm, die Anerkennung verweigert habe, sei allerdings ein Gerücht.

Die Segelspiele in Kiel werden auf zwei Seiten abgehandelt, illustriert mit der Zeichnung „Die Sturmregatta“, auf der ein Begleitboot mit Hakenkreuzfahne zu sehen ist. Der Leser erfährt nicht nur, dass in vier Klassen bei stürmischem Wetter gesegelt wurde. Für die Entscheidung in der 8-m-Klasse sei ein Film ausgewertet worden, den Leni Riefenstahl aus einem Fesselballon gedreht hatte. Die schleunigst nach Berlin gebrachten Bilder ergaben jedoch nicht eindeutig, wer sich hinter Italien Silber gesichert hatte. So mussten Deutsche und Norweger eine weitere Wettfahrt bestreiten, die die Skandinavier schließlich gewannen.

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