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Schulterschluss für die Spiele

Olympia 2024 Schulterschluss für die Spiele

Die Gewerkschaften im Norden stellen sich hinter die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024: Frank Hornschu, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Kiel Region und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) unterzeichneten Dienstag eine Absichtserklärung, die gemeinsame Positionen festhält.

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Frank Hornschu (DGB) und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (rechts) präsentierten im Rathaus den von ihnen unterzeichneten „Letter of Intent“ für Olympia 2024.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Zuvor hatte der DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn seine Unterschrift ebenfalls unter eine ähnliche Vereinbarung in Hamburg gesetzt. Der vom DGB initiierte Schulterschluss bedeutet nach der Zustimmung aus der Wirtschaft weiteren Rückenwind für Kiels Kampagne. Landeshauptstadt und DGB wünschen sich „Spiele, bei denen alle Menschen gewinnen“, begründete Hornschu den Vorstoß. So deckten sich die Interessen von Stadtverwaltung und den Arbeitnehmervertretern bei den Themen gute Arbeit, Finanzen und Nachhaltigkeit.

Dass bei aller Olympia-Begeisterung kritische Stimmen auch in Kiel immer lauter werden, überhört auch der Verwaltungschef nicht: Zu teuer, womöglich Beschneidung der demokratischen Rechte, Knebelverträge, Schäden für die Umwelt und Stadtentwicklung. Gerade vor dem Hintergrund, dass ein Großereignis anfällig für solche Verwerfungen sein könne, wolle man gemeinsam mit dem DGB schon frühzeitig ein Zeichen setzen und sich im ganzen Prozess in die Pflicht nehmen lassen, versichert Kämpfer.

Unter den Stichwörtern Transparenz, gute Arbeit und Infrastruktur vereinbarten Hornschu und Kämpfer folgende Kernpunkte: Aus dem soliden Finanzierungskonzept muss klar hervorgehen, dass Olympia nicht zu Einschränkungen öffentlicher Dienstleistungen oder Aufgaben durch finanzielle und organisatorische Mehrbelastungen führen wird. Kein Sportspektakel zu Lasten von Beschäftigten, Bildung und sozialer Stadt, betonte der Gewerkschafter, der Olympia als „phantastische Idee für Völkerverständigung“ begreift. Gute Arbeitsbedingungen sollen von Anfang an Leitmotiv für die Spiele sein. Kooperierende Unternehmen müssen Kernarbeitsnormen einhalten, bei der öffentlichen Auftragsvergabe ist laut der Vereinbarung die Einhaltung gesetzlicher und tariflicher Standards Voraussetzung. In der Konsequenz, so die Hoffnung, bedeute dies, dass nur Unternehmen, darunter viele regionale, Aufträge bekommen, die sich an die Tarifverträge, Arbeitsschutzbestimmungen und Mindestlohn halten.

Wenn die Spiele in Schilksee ausgetragen werden, sollen sie dazu beitragen, die Infrastruktur insbesondere in den Bereichen Verkehr, Wohnen und Betreuung zu stärken. Ein weiterer Eckpunkt des Papiers: Geld dürfe nicht nur in Stadien und Sportstätten gesteckt werden, sondern müsse auch dem sozialen Kiel zugute kommen. „52 Prozent muss die Stadt Kiel für Sozialleistungen bezahlen. Ein Gegeneinanderausspielen soll nicht möglich sein“, meint Hornschu. Er ist überzeugt, dass die Stadt es mit ihrer Verpflichtung, das Soziale trotz Olympia im Blick zu halten, ernst meint. Als Indiz für diesen Kurs sieht er die Wende im Streit um das Freibad Katzheide an, das nun doch erhalten werden soll. Doch was kann eine solche Vereinbarung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bewirken? „Wir haben den Eindruck, durchaus Einfluss nehmen zu können“, sagt Hornschu. Und Kämpfer stimmt selbstbewusst ein: „Wenn das IOC es mit der Reformagenda ernst meint, wird sich das daran zeigen, ob wir den Zuschlag bekommen.“ Man wolle nur solche Spiele, die von der Olympia-Idee von Fairness durchzogen seien.

Kritik an der Finanzplanung kam erneut von der Rathausfraktion der Linken. Bis Ende des Jahres muss die Stadt insgesamt 1,4 Millionen Euro für die Bewerbung aufbringen, zumindest dann, wenn sie alle Personalkosten einrechnet, die durch Verlagerung der Arbeitsschwerpunkte von städtischen Mitarbeitern entstanden sind. Kiel könne bei diesem Maßstab für Kostenschätzungen am Ende „ein ganz böses Erwachen blühen“, warnt der linke Finanzpolitiker Ulrich Schippels mit Hinweis darauf, dass bisher von etwa 800000 Euro die Rede gewesen ist. Am Sonntag, 29. November, bestimmen die Kieler beim Bürgerentscheid darüber, ob die Stadt sich weiter um die Austragung der Segelwettbewerbe bewerben kann.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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