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1800 Gäste feierten rauschendes Fest

Opernball 1800 Gäste feierten rauschendes Fest

1800 Gäste feierten am Sonnabend ein rauschendes Fest im Kieler Opernhaus. Zum neunten Mal öffneten sich alle Türen und Gänge des verschachtelten Gebäudes am Kieler Rathausplatz und boten ein einzigartiges Ambiente. Überall wurde getanzt, geredet, gelacht und gefeiert.

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1800 Gäste feierten auf dem Opernball bis in die frühen Morgenstunden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Einen besseren Ort für solch ein Ereignis gibt es in der gesamten Landeshauptstadt nicht.

Längst vergessen die Jahre im alt-ehrwürdigen Kieler Schloss. Schöne Zeiten, aber manchmal braucht es eine Veränderung. Und die kam mit dem Umzug des Theaterballs nach 40 Jahren ins Opernhaus. Seitdem wird die Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde des Theaters immer ein Stückchen mehr Kult. Doch jetzt stürzen wir uns erst einmal hinein ins Vergnügen.

Fackelträger vor dem Garderobenzelt weisen den Weg. Im Opernhaus selbst lässt es sich Bernhard Krumrey, der Vorsitzende der Theaterfreunde, nicht nehmen, alle Gäste per Handschlag zu begrüßen. "Ich freue mich riesig auf den Abend, der dieses Jahr unter dem Motto ,Mythen und Sagen' steht", sagt er bestens gelaunt. Hinter ihm kichern drei Schweinchen. Flora Saß, Martina Vanicek und Merle Böhnhardt vom Werftparkttheater haben rosa Kostüme übergestreift und bringen die Tombolalose unters Volk. Doch schnell, gleich beginnt das Bühnenprogramm rund um Richard Wagners "Ring".

Dort gibt es stürmischen Applaus. Wann sieht und hört man schon mal Kammersänger Jörg Sabrowski den Babysitter Boogie schmettern? Oder, dass Tatia Jibladze, die als Kriemhild die Niebelungen zu neuem Leben erweckt, lauthals singt: "I Need a Hero"? Helden gibt es an diesem Abend viele. Einer ist Martin Nowak. Der Maschinenmeister hat gerade etliche Treppen und Gänge weiter im Klaiber-Studio für "die" Rettung gesorgt. DJ Sunny hatte dort dem feierfreudigen Publikum so eingeheizt, dass das Thermometer schon um 21 Uhr auf über 30 Grad geklettert war. Ein kurzer Dreh in der Lüftungszentrale und alles ist wieder im grünen Bereich.

Zum neunten Mal öffneten sich alle Türen und Gänge des verschachtelten Gebäudes am Kieler Rathausplatz zum Opernball 2016 und boten ein einzigartiges Ambiente.

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An jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken. Und eigentlich ist ein Abend viel zu kurz. Wir lassen uns treiben in der Menschenmenge. Es geht treppauf, treppab. Vorbei an Statist Sven Fricke, der im Treppenhaus 8 die richtige Richtung weist. Der Flucht- und Rettungsplan an der Wand hinter ihm wird nicht gebraucht. Lachend weist er den Weg in den Malersaal. Hier sitzt Svetlana Kostik am Klavier, ganz vertieft in Beethovens 17. Sonate, 3. Satz. Ein paar Meter weiter kocht und brutzelt Jochen Strehler von der Hafenwirtschaft in Holtenau was das Zeug hält. Bundestagsabgeordneter Ingbert Liebing (CDU) genießt an einem der Tische einen frischen Wintersalat mit warmem Ziegenkäse, nebenan wird das Zitronengras-Risotto mit Lachs gelobt.

Svetlana Kostik spielt inzwischen Jean Sibelius, Opus 75. Der Präsident der Zahnärztekammer, Dr. Michael Brandt, flaniert mit seiner Frau vorbei. Später finden auch Finanzministerin Monika Heinold, Ex-Justizminister Emil Schmalfuß und Aloys Altmann vom Landesrechnungshof den Weg hierher. Irgendwann trifft man sich immer. Die nächste Tür, ein weiteres Labyrinth von Gängen, die nächste  Überraschung. Absolut legendär ist der Lastenaufzug im ersten Stock, in dem Wodka-Feige ausgeschenkt wird. Auf der Probebühne irgendwo ganz oben brodelt es. Der Raum ist klein, der Raum ist eng, genau das macht den Charme aus.

Im Foyer im ersten Rang spielen die "Rhythm Boys" und haben ihre Fans. Zwei Stockwerke darüber kommen Tangofreunde auf ihre Kosten. Die beiden Ballbesucherinnen Violetta Weisshof und Maria Certa sitzen inmitten einer wundervollen Waldkulisse mit Papp-Reh und Styropor-Pilzen. "Wir müssen erst einmal verschnaufen", sagen sie lachend. Ganz außer Atem sind auch Anna Doppler und Tomas Stritecky. Die beiden sind schon seit Jahren mit ihrem Tanzkreis hier. "Der Opernball ist einfach traumhaft", sagen sie und verschwinden im Treppenhaus. Auf der Theaterbühne hat "Tin Lizzy" die Pause beendet. Es darf wieder getanzt werden. Ach, und um Mitternacht kommt ja noch die große Ballett-Aufführung.

Erschöpft sitzt "Glücksschweinchen" Flora Saß auf den Stufen zum ersten Foyer und reibt sich die müden Füße. "Ich bin solche Schuhe einfach nicht gewöhnt", sagt sie entschuldigend und nimmt ihre hochhackigen Stiefel in die Hand. Auch in der Zeltgarderobe kommen immer mehr weibliche Ballgäste an den Tresen von Simone Balk und tauschen ihr Schuhwerk. Der Abend ist schließlich noch lang.  Bis weit in den neuen Tag wird getanzt, als gäbe es kein Morgen. Erst gegen 5.30 Uhr verlässt Bernhard Krumrey von den Theaterfreunden zufrieden die Ballnacht. In seinem Kopf rattert es aber schon. 2017 wird der Opernball 50. Aber wie soll man solch einen gelungenen Abend noch toppen?

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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