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Oscar Niemeyers Kapelle soll in die Wik

Orchideenwiese Oscar Niemeyers Kapelle soll in die Wik

Die Suche hat ein Ende: Knapp sieben Jahre nach dem Absturz der Air-France-Maschine auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris ist ein Standort für die Kapelle zum Gedenken an die 228 Todesopfer gefunden. Der vom brasilianischen Star-Architekten Oscar Niemeyer entworfene Glaskuppelbau soll nach Angaben des Ortsbeirates in der Wik entstehen.

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Ein Ort zum Gedenken mit Blick auf das Wasser, so hatten es sich die Hinterbliebenen der Opfer des Flugzeugabsturzes gewünscht. Auf der Orchideenwiese in der Wik soll nun die Erinnerungskapelle des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entstehen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir würden uns riesig freuen, wenn nun endlich ein Ort zum Gedenken gefunden wäre“, sagte Bernd Gans, Vorsitzender des Vereins der Hinterbliebenen des Flugzeugabsturzes. Die Kapelle soll oberhalb der Orchideenwiese an der Feldstraße entstehen. Ein Ort mit Blick auf das Wasser, so wie es sich die Hinterbliebenen gewünscht hatten. „Die Maschine ist ins Meer gestürzt. Deswegen ist dieser Bezug für uns wichtig“, so Gans.

Seit mehr als fünf Jahren wird in Kiel inzwischen über den Bau einer Gedenkkapelle nach den Plänen Oscar Niemeyers diskutiert. Angestoßen wurden diese Pläne von Fernanda Gräfin von Oppersdorff, Witwe des Architekten Moritz Kock, der 2009 beim Absturz des Air-France-Fluges 447 ums Leben kam. Der Sohn des Kieler Bildhauers Hans Kock war nach Rio de Janeiro gereist, um sich mit dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zu treffen und mit diesem unter anderem über den Bau einer Kapelle zu sprechen. Das Projekt sollte der erste Sakralbau Niemeyers in Europa sein. Nach dem Absturz der Maschine und dem Tod Moritz Kocks wollten die Familie und Niemeyer an den Plänen festhalten. Der Architekt schenkte der Familie die Urheberrechte an der Kapelle. Sie sollte nun zur Erinnerung an die Opfer des Flugzeugabsturzes errichtet werden – in Schilksee. „Hier ist mein Mann aufgewachsen, hier hat er seine Jugend auf dem Wasser verbracht“, sagte Fernanda von Oppersdorff im Januar 2014 den Kieler Nachrichten. Doch unter den Schilkseern formierte sich energischer Widerstand. Anwohner fürchteten um ihren Ausblick auf die Förde, warfen der Stadt Intransparenz bei der Standortsuche vor und sammelten Unterschriften gegen den Bau. Enttäuscht zog Gräfin von Oppersdorff ihr Angebot vor zwei Jahren schließlich zurück.

 „Die Kapelle wird eine Bereicherung und eine weitere Sehenswürdigkeit für unseren Stadtteil sein“, ist sich Jürgen Engel (Grüne), Vorsitzender des Ortsbeirats Wik, sicher. Als Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) nach den gescheiterten Plänen in Schilksee bei den Ortsbeiräten der an der Förde gelegenen Stadtteile anfragte, ob sie sich den Bau der Erinnerungskapelle in ihrem Stadtteil vorstellen könnten, sei das Votum im Wiker Ortsbeirat daher eindeutig gewesen. „Wir standen alle geschlossen hinter diesen Plänen.“ Engel rechnet nicht damit, dass sich in der Wik ähnlicher Widerstand wie in Schilksee formiert. Der Blick auf die Förde sei durch den Bau nicht gefährdet. Der Ortsbeiratsvorsitzende hofft aber, dass die Kapelle später von vielen verschiedenen Gemeinden für Gottesdienste genutzt wird. „Ein solcher Bau muss mit Leben gefüllt werden, er darf nicht einfach so herumstehen.“

 Die Verwaltung wird nun in einer der nächsten Sitzungen des Ortsbeirates den Mitgliedern die Pläne für den Bau noch einmal vorstellen, damit diese endgültig darüber entscheiden können. Erst dann soll mit der konkreten Planung begonnen werden. Die Kosten für den Bau der Kapelle wollen die Hinterbliebenen über Spenden finanzieren. Die Stadt Kiel soll lediglich für den Unterhalt aufkommen. Die Initiatorin des Projektes, Fernanda Gräfin von Oppersdorff, war vor der endgültigen Entscheidung des Ortsbeirates nicht zu einer Stellungnahme bereit.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kristian Blasel zur Niemeyer-Kapelle

Es ist eine Geschichte voller Streit und Missverständnisse – die nun doch ein glückliches Ende zu finden scheint. Es wäre ein glückliches Ende für die Hinterbliebenen des AF-447-Fluges, die sich ungeachtet der zurückliegenden Debatten stets eine Erinnerungskapelle für die Opfer des Air-France-Fluges an der Förde gewünscht haben.

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